Open Source im professionellen Einsatz

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Cluster SSH

Spontan simultan

Die Logdateien eines Dutzends Proxyserver nach fehlgeschlagenen Seitenabrufen zu durchforsten findet Magazin-Kolumnist Charly nicht lustig. Seit er Cluster SSH im Gebrauch hat, zieht er gleichzeitig viele Strippen.

Die "Tooltipps" in der Ausgabe 09/2009 hatten sich Cluster SSH [1] schon einmal kurz vorgeknöpft [2]. Ich will hier die Möglichkeiten des Tools tiefer ausloten, denn kaum ein anderes Werkzeug spart mit so wenig Aufwand so viel Arbeitszeit, sobald ich eine Schar gleichartiger Server zu verarzten habe.

Abbildung 1: Hier läuft auf jedem der drei angesprochenen Clusterrechner ein htop – Cluster SSH erspart es dem Admin, alle Nodes einzeln zu besuchen.

Um Last zu verteilen und die Verfügbarkeit zu erhöhen, organisiert man viele Server zu einem Cluster. Um dessen Verwaltung frei von Überraschungen zu halten, gleichen sich die Knoten des Clusters wie ein Ei dem anderen.

Das macht Wartungsarbeiten einfach, aber auch stupide. Cluster SSH besitzt eine minimalistische Tk-Oberfläche mit einem Eingabefeld. Kommandos, die der Admin in dieses Feld tippt, führt jeder der verbundenen Server aus, in Abbildung 1 ist es »htop« .

Beim Start empfängt Cluster SSH eine Reihe von Servernamen, zu denen es SSH-Verbindungen aufbaut. Beispiel:

cssh user@server1 user@server2 user@server3

Auch diese Tipparbeit hat noch Optimierungspotenzial. In der Konfigurationsdatei »/etc/clusters« fasse ich Server unter einem Stichwort (einem Tag) zu Gruppen zusammen:

proxys admin@proxy1 admin@proxy2 admin@proxy3
mailserver admin@mailserver1 admin@mailserver2 admin@mailserver3

Rufe ich nun »cssh proxys« auf, erscheinen die Login-Terminals aller definierten Proxyserver. Die Tags darf ich ebenfalls wieder in einer Serverliste verwenden. Füge ich also der Datei »/etc/clusters« die Zeile

alleserver proxys mailserver

hinzu, so öffnet Cluster SSH beim Aufruf von

cssh alleserver

je ein Terminalfenster für jeden Server der Tags »proxys« und »mailserver« . Es wird zwar voll auf dem Desktop, das kann aber sinnvoll sein, um etwa die Uptimes aller Systeme zu sehen – ist sie zu hoch, deutet das auf ein vergessenes Kernelupdate hin.

Pro Benutzer darf ich als weitere Konfigurationsdatei »~/.csshrc« anlegen. Einstellungen darin ergänzen oder überschreiben die der Datei »/etc/clusters« .

Kick in der Optik

Nicht jeder ist mit den dunklen Terminal-Hintergründen glücklich, die auf dem Screenshot zu sehen sind. Der Eintrag

terminal_bg_style = dark

sorgt für die Vampir-freundliche Illuminierung. Wer's diesseitiger mag, ändert einfach »dark« in »light« .

Cluster SSH verpasst jedem Server eine andere Schriftfarbe. Das kann sinnvoll sein, denn die Fontfarbe bleibt pro Server stets gleich und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit erkennt der Admin aus den 24 angezeigten Terminals jeden Knoten allein an der Farbe. Wem das aber im Doppelsinn zu bunt wird, der klappt den Tuschkasten mit »terminal_colorize = 0« kurzerhand zu. Auch die Standardgröße von 24 Zeilen zu je 80 Zeichen ist schnell geändert: »terminal_size = 120x32« .

Das Fazit für mich: kein Cluster mehr ohne Cluster SSH. (jk)

Infos

  1. Cluster SSH: http://sourceforge.net/projects/clusterssh
  2. Uwe Vollbracht, "Tooltipps", Linux-Magazin 09/09, S. 64: http://www.linux-magazin.de/Heft-Abo/Ausgaben/2009/09/Tooltipps

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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