Eine neue Vorsilbe für die Maßeinheit Flop (Floating Point Operations) in der Benchmark-Statistik ist nur einmal im Jahrzehnt fällig. Kein Wunder, dass dieser Durchbruch auch eines der dominierenden Gesprächsthemen auf Europas wichtigstem Event im Kalender des Hochleistungsrechnens war, der International Supercomputing Conference Mitte Juni in Dresden, zu der sich mehr als 1300 Experten für High Performance Computing (HPC) aus 46 Ländern zusammenfanden.
Top 500
Der schnellste Computer der Welt, ein von IBM für das Los Alamos National Laboratory in den USA konstruiertes Hybridsystem namens Roadrunner (Abbildung 1), erreicht mit seinen 6480 AMD-Opteron-Dualcore-Chips, denen noch einmal doppelt so viele IBM-PowerXCell-8i-CPUs als Beschleuniger zur Seite stehen, erstmals beständig 1026 Teraflops pro Sekunde im Linpack-Benchmark.
Fast nebenbei stellt Roadrunner noch eine Reihe weiterer Rekorde auf, ist er doch das erste Nummer-1-System der Liste unter Linux, der erste Cluster aus handelsüblicher Hardware auf der Spitzenposition, der erste Weltmeister-Rechner, der Infiniband als Cluster-Interconnect einsetzt, und der erste Top-Platzierte, der Prozessoren verschiedener Familien verwendet.
Damit ist Roadrunner jetzt mehr als doppelt so schnell wie die Nummer zwei der Liste (ein Blue Gene/L im Lawrence Livermore National Laboratory, ebenfalls von IBM) mit 478 Teraflops. Beide Systeme nutzt vorrangig das Militär. Der schnellste zivile Supercomputer folgt mit 450 Teraflops auf Platz drei (Blue Gene/P, Argonne National Laboratory), der schnellste Computer der Industrie (Platz 10) gehört einer französischen Ölgesellschaft.
Wollte man die Rechenleistung von Roadrunner mit den leistungsfähigsten der heute gebräuchlichen Laptops erreichen, wären 100 000 Stück erforderlich, die übereinandergestapelt fast die Höhe der Zugspitze erreichen. Die Performance des Spitzenreiters ist dem Durchschnitt der Top 500 um sechs bis acht Jahre voraus, deren Rechenpower wiederum hält ihrerseits acht bis zehn Jahre Vorsprung gegenüber einem heutigen Oberklasse-Laptop.
Zahlenspiele
Ein näherer Blick auf die Statistik zeigt, dass bei den Prozessorproduzenten Intel mit 75 Prozent Anteil die Liste dominiert, bei den Systemherstellern führt IBM mit 42 Prozent etwas weniger deutlich vor HP (37 Prozent), Dell (5 Prozent), SGI und Cray. Die ersten fünf und weitere 252 der schnellsten Computer sind in den USA beheimatet. Deutschland, Nummer zwei in Europa, rangiert auch weltweit mit 46 Superrechnern in der Spitzengruppe.
Insgesamt ist die Top-500-Dynamik derzeit so hoch wie nie zuvor: Noch nie verzeichnete die Liste, so wie im zurückliegenden Halbjahr, mehr als 300 Zu- und Abgänge. Unter den Betriebssystemen führt Linux souverän mit 85 Prozent. Microsoft bringt es trotz großer Anstrengungen, die auch auf der Konferenz zu spüren waren, gerade mal auf ein Prozent.