Ein Perl-Skript als Retuscheur
Farbenspiel
Oft benötigen ganze Serien digitaler Bilder dieselben Korrekturen, was den Fotografen zu immer gleichen Schritten in Gimp zwingt. Viel bequemer kommt zum Ziel, wer die Retusche automatisiert.
© Pixelio.de, snopc
Oft benötigen ganze Serien digitaler Bilder dieselben Korrekturen, was den Fotografen zu immer gleichen Schritten in Gimp zwingt. Viel bequemer kommt zum Ziel, wer die Retusche automatisiert.
Bevor ich Bilder von meiner digitalen Kamera ins Netz stelle, laufen seit Jahren immer die gleichen Schritte in Gimp ab: Erst verkleinere ich die Bilddatei auf 1000 Pixel Breite, denn die Auflösung meiner Nikon D70 ist schon fast zu hoch fürs Web. Zweitens versuche ich den Kontrast zu verbessern sowie eventuelle Farbstiche zu korrigieren und drittens verbessert die Gimp-Funktion »Sharpen« die Bildschärfe. Üblicherweise stelle ich dabei den Wert »20« ein.
Dabei bietet Gimp - wie schon einmal vor fünf Jahren im Snapshot beschrieben [3] - eine komfortable Skript-Schnittstelle, um diese immer wiederkehrenden Aktionen zu automatisieren und sogar ohne GUI von der Kommandozeile aus ablaufen zu lassen. Allerdings haben die Gimp-Entwickler seither das ganze API durcheinandergewirbelt und nichts funktioniert mehr wie früher. Zum Glück dokumentiert Gimp aber unter dem Menüpunkt »Xtns | Procedure Browser« sämtliche Funktionen vollständig und penibel. Ein dickes Bravo an das Gimp-Team!
Die Standardschnittstelle ist in der verrückten Professorensprache Scheme geschrieben, zum Glück gibt es aber auch ein Perl-Modul. Zur Installation unter Ubuntu waren ein paar Tricks nötig, die ich weiter unten beschreibe. Danach lässt sich das Skript »picfix« (Listing 1) einfach mit »picfix file.jpg« starten. Es ruft Gimp auf und registriert mit »register()« die Funktion »picfix()« (Zeile 40).
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Listing 1: |
|---|
001 #!/usr/bin/perl
002 use warnings;
003 use strict;
004
005 use Gimp qw(:auto);
006 use Gimp::Fu;
007 use ColorCast;
008 use Getopt::Std;
009 use Log::Log4perl qw(:easy);
010
011 my $viewer = "eog";
012
013 Log::Log4perl->easy_init($DEBUG);
014
015 getopts("xl:c:a:s:", my %opts);
016
017 $opts{a} ||= "green"; # color adjust
018 $opts{s} ||= "1000"; # size
019 $opts{l} ||= 1; # autolevel
020
021 DEBUG "Starting up";
022
023 my $menu =
024 "<Toolbox>/Xtns/Perl-Fu/Picfix";
025
026 my $file = $ARGV[0];
027 die "No file"
028 unless defined $file;
029
030 register(
031 "perl_fu_picfix", # Name
032 "Fix Colors and More", # Explain
033 "", # Help
034 "", # Author
035 "", # Copyright
036 "", # Date
037 $menu, # Menu
038 "*", # Images accepted
039 [ undef ], # No parameters
040 &picfix # Function
041 );
042
043 exit main();
044
045 ###########################################
046 sub picfix {
047 ###########################################
048
049 my $img = gimp_file_load(
050 RUN_NONINTERACTIVE, $file, $file);
051
052 die "Can't load $file" unless $img;
053
054 my $layer = image_get_active_layer($img);
055
056 scale_image_down($img, $opts{s});
057
058 $layer = $img->get_active_layer();
059 if($opts{l}) {
060 DEBUG "Autolevel [$file]";
061 gimp_levels_stretch($layer);
062 }
063
064 if($opts{c}) {
065 my $colorcast = ColorCast->new(
066 yml_file =>$opts{c},
067 drawable => $layer,
068 );
069 $colorcast->oad();
070 $colorcast->adjust_to($opts{a});
071 }
072
073 DEBUG "Sharpening $file";
074 $img->plug_in_sharpen($layer, 20);
075
076 $file =~ s/./-1./g;
077 $file =~ s/.nef$/.png/g;
078
079 DEBUG "Saving $file";
080 gimp_file_save(
081 RUN_NONINTERACTIVE,
082 $img,
083 $layer,
084 $file,
085 $file);
086
087 system("$viewer $file") if $opts{x};
088 return $img;
089 }
090
091 ###########################################
092 sub scale_image_down {
093 ###########################################
094 my($img, $size) = @_;
095
096 my $w = $img->image_width();
097 my $h = $img->image_height();
098
099 if($w >= $h) {
100 if($w > $size) {
101 $h = int($h * $size/$w);
102 $w = $size;
103 } else {
104 return 1;
105 }
106 } else {
107 if($h > $size) {
108 $w = int($w * $size/$h);
109 $h = $size;
110 } else {
111 return 1;
112 }
113 }
114
115 DEBUG "Resizing to $w x $h";
116 $img->image_scale($w, $h);
117 }
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Die Gimp-Schnittstelle besteht seltsamerweise darauf, dass auch ein Skript, das nur auf der Kommandozeile läuft, einen vorgegebenen Menü-Eintrag erstellt, also tut »picfix« ihr ab Zeile 37 den Gefallen. In Zeile 43 ruft das Skript die Funktion »main()« auf, die in Gimp verzweigt und erst nach getaner Arbeit zurückkehrt. Das vorangestellte »exit()« stellt sicher, dass sich das Skript mit dem Returncode von »main()« verabschiedet.
Abbildung 1 zeigt das Originalbild, eine Aufnahme von meinem Balkon in San Francisco. Das Abendlicht kam von hinten und leuchtete die Stadt schön aus. Trotzdem waren die Farben im Original nicht ganz richtig. Nach dem Aufruf von »picfix« kam als Ergebnis das Bild in Abbildung 2 heraus. Der Kontrast ist deutlich besser und auch die Farben entsprechen ziemlich genau der Realität.
In der ab Zeile 46 definierten Funktion »picfix()« lädt die Funktion »gimp_file_load()« das Bild unter einem festgelegten Dateinamen. Ein Aufruf von »image_scale()« (Zeile 116) skaliert es auf 1000 Pixel Breite. Die Funktion »gimp_levels_stretch()« (Zeile 61) simuliert dann den »Auto«-Knopf des Gimp-Dialogs »Levels« und maximiert den Kontrast.
Die Methode »plug_in_sharpen()« (Zeile 74) verbessert die Bildschärfe und »gimp_file_save()« (Zeile 80) speichert die Datei unter »file-1.jpg« im ursprünglichen Format. Es ist also egal, ob das Bild als JPG oder PNG vorliegt, die Load/Save-Methoden übergeben intern die Kontrolle an die Routinen fürs passende Bildformat.
Das Laden der Module mit »use Gimp qw(:auto)« und »use Gimp::Fu« importiert alle Gimp-Funktionen in den Namensraum des Skripts. Auch Gimp-Konstanten wie »RUN_NONINTERACTIVE« schleust das »:auto«-Tag zur Freude des Programmierers mit ein.
Abbildung 1: Das Originalbild hat einen leichten Farbstich und der Kontrast ist ebenfalls verbesserungsbedürftig.
Abbildung 2: Das mit dem Perl-Skript »picfix« korrigierte Bild zeigt natürlichere Farben und hat einen höheren Kontrast.
Die Bildskalierung ist auf 1000 Pixel voreingestellt (Zeile 18), aber die Kommandozeilenoption »-s« (size) ermöglicht beliebige Werte. Die maximale Größe bezieht sich bei querformatigen Bildern auf die Breite, bei hochformatigen aber auf die Höhe. Die Funktion »scale_image_down()« ab Zeile 92 enthält die dazu notwendige If-else-Logik.
Wer nach getaner Arbeit sein Werk gleich ansehen möchte, kann es über die Option »-x« (für X-Window) mit dem in Zeile 11 eingestellten Viewer (Eye of Gnome, »eog«) ansehen. Und wer auf die Autolevel-Funktion verzichten möchte, die nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse liefert, bewerkstelligt dies mit der Option »-l 0« (Zeile 19).
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