Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2007

Perlmeister Michael "Mike" Schilli schreibt seit zehn Jahren

"Ich denke in Perl"

Ein, zwei Jahre in den USA arbeiten wäre nicht schlecht, dachte sich Mike Schilli im Jahr 1996. Elf Jahre sind es inzwischen in San Francisco geworden und seit genau zehn Jahren versorgt der Perlmeister das Linux-Magazin von dort aus mit seinen Snapshots.

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Wenn er heute aus seiner Wohnung in San Francisco hinunter auf die belebte 24. Straße im Stadtteil Noe Valley geht, trifft Mike Schilli regelmäßig Bekannte und nimmt sich Zeit für ein Schwätzchen. Von der für ihn immer noch einzigartigen Atmosphäre in der Bay-Stadt (Abbildung 1) berichtet der Greencard-Inhaber: "San Francisco ist klein wie ein Dorf, aber es hat genügend Spielraum für alle Durchgedrehten." Für den gebürtigen Augsburger ist dieses Dorf auch noch wegen einer anderen Eigenheit ein idealer Hafen: "Hier ist jeder Ausländer. Kaum einer, der hier wohnt, ist in San Francisco geboren." Das ist auch für den "Zuagroasten" aus Augsburg ein Vorteil in Sachen Akklimatisierung.

Abbildung 1: Mit einem fantastischen Ausblick auf San Francisco - und die dicken Steaks auf dem Grill. Perlmeister Mike Schilli auf dem Balkon seiner Wohnung.

Seit dem Start (Abbildung 2) im Jahr 1996 hat Schilli in der Bay Area mehrere Berufsstationen hinter sich. Von der ersten Anstellung bei der Startup-Firma Blaxxun Interactive wechselte er kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase zu AOL. Als America Online sich nach dem Kauf von Netscape in den Browserkrieg verstrickte und von anfänglich über 2000 Beschäftigten in Mountain View auf schließlich 200 schrumpfte, wechselte Schilli - immer noch an Bord bei AOL - zu Yahoo! "Ich brauchte keine Fragen nach den massenhaft verteilten AOL-CDs mehr zu beantworten", kommentiert er den Schritt im Nachhinein augenzwinkernd. Und bei Yahoo! ist er erstmals von Beginn an für sein Hobby (Abbildung 4) zuständig: Perl.

Abbildung 2: Erstausrüstung nach der Landung in den USA: Fernseher, Klopapier, Bier.

Abbildung 3: Wer mag wohl der Besitzer des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen "Perl Man" sein?

Abbildung 4: Ein königstreuer Programmierer in seinem Cubicle bei Yahoo!

Neue Bekannte

"Agnostisch", so beschreibt Schilli das Vorgehen der Yahoo!-Entwickler bei den anstehenden Aufgaben: Es kommt jene Sprache oder Programmierlösung zum Einsatz, die am besten passt. Dass bei dem US-Konzern Experten der unterschiedlichsten Richtungen arbeiten, erfuhr er schon beim ersten Mittagessen in der Kantine. Dort wurde ihm ein Jeremy vorgestellt, aber erst am nächsten Tag klärte sich auf, dass es sich um den MySQL-Guru Jeremy Zawodny [1] handelte. Dass auch der dänische PHP-Erfinder Rasmus Lerdorf [2] in seinem Team arbeitet, konnte Schilli dann nicht mehr erschüttern.

So viel Entwicklerprominenz will bei Laune gehalten werden. Der US-Arbeitgeber stellt Fitnesscenter, Basketball- und Beachvolleyball-Felder zur Verfügung. Den Cappuccino brauen im firmeneigenen Café so genannte Baristas. Selbst die Wäsche kann man mit ins Büro bringen, wo sie jemand gegen eine geringe Gebühr zur Wäscherei bringt. Der fahrende Friseur rollt einmal pro Woche auf das Firmengelände. Das ebenfalls im Wochenrhythmus auftauchende Zahnarztmobil hat Mike bislang zugunsten eines richtigen Zahnarztes gemieden.

Aller Anfang ...

Dabei sah es 1991 nach dem Studium der Elektrotechnik an der TU München nicht nach einer interkontinentalen Karriere aus: "Elektrotechniker suchte damals niemand", erzählt er. Der erste Job bei der Firma Oldenbourg Datensysteme (ODS) führte ihn deshalb in die Software-Entwicklung. ODS hatte sich darauf spezialisiert, Arztrezepte einzuscannen und digital vorzuhalten. Aufgabe von Schilli und seinen Kollegen war es, die dazu verwendete Software anzupassen.

Während der Zusammenarbeit mit einem aus dem Unix-Geburtsort Berkeley eingeflogenen Guru kam in Schilli erstmals der Wunsch auf, eines Tages nach Silicon Valley zu gehen und dort in der Oberliga der Software-Entwicklung mitzuspielen. Vorkenntnisse brachte Mike Schilli schon mit. Als Tutor an der TU München war er für Fortran zuständig.

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