Barcelona setzt auf Open-Source-Software

Bereits im Dezember erschien in El País ein Bericht, laut dem Barcelona einen Wechsel auf freie Software in der Stadtverwaltung plant. Längerfristig will man auch Linux einsetzen.

Laut den Plänen der Kommissarin für Technologie und digitale Innovation im Rathaus, Francesca Bria, will Barcelona zunächst zahlreiche Programme durch freie Alternativen ersetzen. Anstelle des Internet Explorer soll Firefox zum Einsatz kommen. Im Office könnte Open Office seinen Dienst tun. E-Mails könnten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung künftig vom Open-Xchange-Server erhalten, wenn Barcelona Microsofts Exchange Server ausrangiert.

Windows bleibt zunächst die Betriebssystem-Basis der Stadtverwaltung, soll aber künftig womöglich Linux und Ubuntu weichen. Letzteres läuft bereits testweise auf rund 1000 Systemen im Rathaus von Barcelona. Man wolle weg von Microsoft und die lokalen Unternehmen stärker fördern, erklärt Bria gegenüber El País. In Sachen Digitalisierung der Verwaltung orientiere sich Barcelona dabei an der italienischen Region Piemont, Australien und Finnlands Hauptstadt Helsinki.

Public Money, Public Code

Barcelona sei zugleich die erste Kommune, die sich der europäischen Initiative “Public Money, Public Code” anschließe, welche die Free Software Foundation Europe ins Leben gerufen hat. Dank offener Quellen lassen sich die regional entwickelten Programme weltweit wiederverwenden. So werde Sentilo, die Sensorüberwachungsplattform des Stadtrats, bereits in Dubai und Japan eingesetzt.

Um den Wechsel auch personell zu stemmen, stellt der Stadtrat 65 neue Mitarbeiter ein. Die Hälfte von ihnen soll bereits im Januar 2018 dem Städtischen Institut für Informatik (IMI) beitreten, die andere später im Jahr. Insgesamt sollen dann 300 Mitarbeiter zum IMI gehören. Ziel des Stadtrats sei es, bis zum Ende der Legislaturperiode im Frühjahr 2019 rund 70 Prozent des städtischen IT-Budgets in nicht-proprietäre Software zu investieren. Zugleich gibt es “ethische Standards” für das Outsourcing, bevorzuge die Stadt also “lokale Unternehmen, die mit Open Source und agilen Methoden arbeiten”.

Projekte plus Datenschutz

In den nächsten anderthalb Jahren wolle die Stadt dabei 20 Projekte angehen. Dabei sei unter anderem geplant, einen digitalen Markt für lokale Unternehmen zu schaffen. Dieser soll den KMU Zugriff auf öffentliche Aufträge verschaffen. Die Plattform soll möglichst weit im Voraus detaillierte Informationen zu den Aufträgen liefern, damit die kleinen mit den großen Unternehmen konkurrieren können.

Daneben möchte die Verwaltung mehr Daten über die Stadt sammeln und die wichtigsten Indikatoren auswerten, zum Teil in Echtzeit. Dazu gehören etwa Verkehrsdaten und solche zum verfügbaren Wohnraum. Damit die Daten nicht in falsche Hände geraten oder zu viel über die Bürger verraten, will die Stadtverwaltung nicht nur den Datenschutzbestimmungen der EU folgen, sondern auch einen Datenschutzbeauftragten anstellen.

Korrektur [16.1.]: “Public Money, Public Code” wurde von der Free Software Foundation Europe, nicht von der Free Software Foundation initiiert.

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Jörg Linuxfreund
5 Jahre her

Super, nur die Deutschen, allen voran die Politiker aus München, rudern zurück.Ich finde: Public Money, Public Code ,sollte überall gelten!

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