Gibt der Anwender beim Anlegen eines neuen Kontakts keinen Klarnamen an, erscheint der Kontakt mit der Ricochet-ID. Es empfiehlt sich daher, möglichst einen Klar- oder Aliasnamen einzugeben (Abbildung 6). Denn wer zahlreiche Kontakte pflegt, muss den gesuchten Partner andernfalls vor jeder Aufnahme eines Chats anhand der ID identifizieren. Die aber lässt keine Rückschlüsse auf seinen Klarnamen zu. Ein grünes Lämpchen vor dem jeweiligen Klarnamen oder der ID in der Liste verrät dann, ob die Person gerade online ist.
Im rechten Fenstersegment zeigt Ricochet den Verlauf des Dialogs an. Darunter befindet sich die Eingabezeile für Mitteilungen. Neu eingegebene Nachrichten landen sofort in der Verlaufsansicht, wobei Ricochet die einzelnen Einträge je nach Herkunft unterschiedlich farbig hinterlegt. Außerdem sortiert es die Mitteilungen: Die eigenen erscheinen auf der einen Seite des Fenstersegments, die des Gesprächspartners dagegen auf der gegenüberliegenden. So vollzieht der Anwender den Chatverlauf später problemlos nach (Abbildung 7).
Verabschiedet sich ein Kontakt während einer Sitzung aus dem Netz, erlischt das kleine grüne Lämpchen links neben dem Kontakt. Die Software kennt keine Routine zum Ein- und Ausloggen. Wer sie beenden will, klickt auf den entsprechenden Button rechts in der Titelleiste. Da Ricochet beendete Sitzungen nicht speichert, erscheint bei einem erneuten Start der Software und beim Chat mit demselben Kontakt stets nur ein leeres Nachrichtenfenster.
Damit fehlen auch Komfortfunktionen wie das Backup eines Nachrichtenstrangs oder eine Suchfunktion. Gruppenchat-Funktionen bietet Ricochet aufgrund seiner Konzeption als Tor-Service ebenfalls nicht. Auch das Versenden und Empfangen von Anhängen ist nicht möglich.
Riot
Riot [9] verwendet das Matrix-Protokoll und steht ebenfalls unter einer freien Lizenz. Die Software ist der Referenzclient für Matrix-Server [10]. Dieser nutzt öffentliche Server, kooperiert aber auch mit so genannten Homeservern vor Ort. Riot arbeitet Web-basiert und ist sowohl für mehrere Linux-Distributionen als Binärpaket erhältlich als auch für mobile Betriebssysteme.
Der Server
Matrix-Server verstehen sich nicht nur als zentrale Instanzen für die angeschlossenen Clients, sondern ermöglichen durch eine Bridge-Funktion auch die Kommunikation über Protokollgrenzen hinweg: Sie lassen sich dank der Bridges auch für die Kommunikation über IRC, Github oder Slack einsetzen.
Die Kommunikation innerhalb des Matrix-Netzes ist dabei Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Zudem erlaubt das Netzwerk eine Video- und Gruppentelefonie. Dabei nutzt Matrix den Web-RTC-Standard und ermöglicht darüber ebenfalls eine komplett verschlüsselte Kommunikation. Inzwischen existieren zahlreiche dezentrale Matrix-Homeserver, viele davon sind öffentlich zugänglich. Anwender dürfen auch eigene, öffentlich zugängliche Homeserver hosten.
Speziell für größere Organisationen, die keine Daten nach außen geben möchten, bietet sich jedoch ein intern gehosteter Matrix-Synapse-Homeserver mit Riot-Clients als zentraler Kommunikationsplattform an.
Start
Einen installierten Server steuern Nutzer entweder Web-basiert an – er unterstützt als Browser etwa Firefox oder Chrome – oder über eine der Apps. Diese gibt es für verschiedene mobile Betriebssysteme und für die gängigen Desktop-Betriebssysteme. Unter Linux öffnet sich beim ersten Start ein sehr schlichtes Fenster, in dem sich der Anwender zunächst anmelden muss.








Fehlt nicht mit XMPP das verbreitetste Protokoll für dezentrale Instant Messenger? Man kann eigene Server hosten, es gibt Clients für Web (converse.js), Android (Conversations), iOS (Zom/Chatsecure/Monal) und Linux/WIndows (Gajim). Die genannten Clients unterstützten Gruppenchats ebenso wie private Chats mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.