Aus Linux-Magazin 04/2017

Exklusiv auf der Delug-DVD: Knoppix 8.0 Linux-Magazin Edition

© aurielaki, 123RF

Klaus Knopper lässt kurz vor der Cebit 2017 seine Knoppix 8.0 Linux-Magazin Edition zu Wasser. In dem folgenden Artikel gibt er Einblicke in Distributionsinterna und beschreibt die neuen Features, für die er sich in den letzten Monaten ordentlich in die Riemen gelegt hat.

Seit über 15 Jahren erscheint etwa halbjährlich meine Zusammenstellung von Debian-GNU/Linux-Software unter dem Namen Knoppix (Knoppers Unix System). Es bootet von DVD, USB-Flashdisk oder übers Netzwerk und läuft sofort fertig konfiguriert los – ohne auf einer Festplatte installiert sein zu müssen. Das Software-Set eignet sich zum Arbeiten, Surfen im Internet, Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die Version 8.0.0 [1] habe ich im Auftrag des Linux-Magazins wie in den letzten Jahren für dessen Cebit-Ausgabe zusammengestellt. Sie mixt Debian Stable (Jessie) mit etlichen Paketen aus Testing und Unstable (Stretch, Sid) – in erster Linie neue Grafiktreiber und Desktop-Programme. Um möglichst viel aktuelle und neue Hardware zur Mitarbeit zu bewegen, verwende ich den aktuellen Linux-Kernel 4.9 sowie X.org 7.7 (Core 1.19.1) und als Aufsatz zur sehr flott startenden Desktopoberfläche LXDE die komfortable 3-D-Erweiterung Compiz 0.9.13.1 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit Compiz gerät das Umschalten zwischen den virtuellen Desktops zum 3-D-Ereignis.

Abbildung 1: Mit Compiz gerät das Umschalten zwischen den virtuellen Desktops zum 3-D-Ereignis.

Bootoptionen als Notnagel

Normalerweise benötigt Knoppix keinerlei Bootoptionen, um die vorgefundene Hardware inklusive Grafikkarte zu erkennen und das System optimal zu konfigurieren. Die zunehmende Anzahl verschiedener Chipsätze macht es aber manchmal doch notwendig, das eine oder andere Feature oder eine einzelne Komponente (diagnostisch–vorübergehend) abzuschalten, um zum regulären Desktop durchzustarten. Dazu tippt der Benutzer hinter dem Bootprompt (Abbildung 2) »knoppix« (32 Bit) oder »knoppix64« für den Kernel, gefolgt von den gewünschten Optionen.

Abbildung 2: Auf dem Bootprompt lassen sich besondere Parameter eintragen.

Abbildung 2: Auf dem Bootprompt lassen sich besondere Parameter eintragen.

Häufige Bootoptionen nennt gleich die Boot-Hilfe, abrufbar mit [F2] oder [F3], andere sind in der Textdatei »KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt« aufgelistet. Klemmt etwa der Desktop, wenn der 3-D-Windowmanager Compiz starten soll, helfen oft die Bootoptionen »knoppix nocomposite« oder »knoppix no3d«. Die eine schaltet die Composite-Erweiterung des Grafiksubsystems ab, die andere verhindert den Compiz-Start.

Umgekehrt kann der Benutzer für Grafikkarten, die eigentlich nicht schnell genug für Compiz sind und daher automatisch mit der flachen Windowmanager-Alternative Metacity starten, mit der Option »knoppix 3d« die 3-D-Oberfläche mit Software-Rendering erzwingen.

Knoppix-Support

Linux-Magazin-Leser, die Probleme mit der Delug-Knoppix-DVD haben, sind nicht auf sich allein gestellt: Hat der Datenträger offensichtlich einen Verpackungsschaden, was ab und an leider vorkommt, genügt eine Mail an mailto:[email protected] mit einer kurzen Schilderung des Problems und Nennung der Postanschrift.

Bei technischen Problemen beantwortet Klaus Knopper netterweise Fragen zu Knoppix 8.0, es genügt, eine E-Mail an mailto:[email protected] zu schreiben.

Läuft auf Flashmemory viel flotter

Heute installieren die meisten Anwender Knoppix nach dem ersten Start auf einem USB-Stick (8 GByte oder größer), statt immer von DVD zu starten. Denn obwohl ich das ISO durch eine Sortlist fürs DVD-Lesen optimiert habe – das reduziert das sehr langsame Positionieren des Laser-Lesekopfs –, beschleunigt Flashmemory den Startvorgang und das Arbeiten mit Knoppix um mindestens den Faktor fünf, sodass Startzeiten vom Laden des Kernels bis zum kompletten Desktop inklusive Compiz unter 15 Sekunden möglich sind, einigermaßen moderne Computerhardware und einen schnellen USB-Stick oder SD-Kartenleser vorausgesetzt.

Von DVD gestartet lädt schon seit mehreren Knoppix-Versionen ein Desktop-Icon links oben dazu ein, das Install-Programm »flash-knoppix« zu starten. Das Werkzeug ersetzt die erste nicht schreibbare Partition auf dem Zieldatenträger durch eine schreibbare FAT32-Partition, die nebenbei auch gleich die für UEFI-Boot benötigten Dateien enthält und auf der sich die Bootkonfiguration wie bisher auch leicht modifizieren lässt.

Das voll schreibbare System auf dem Ziel-USB-Stick besitzt zudem die Option, die künftig selbst angelegten persönlichen Daten zu verschlüsseln. Die seltenen Konstellationen, bei denen PCs nicht von USB starten wollen, diskutiert der Kasten “EFI und hybrides Booten”.

Version 8 lässt sich nun auch – auf SD-Karte installiert – auf Computern starten, die einen MMC-Kartenleser besitzen, der unter Linux nicht dem üblichen Namensschema »/dev/sd*« folgt, sondern sich als »/dev/mmcblk0« anbietet. Die Partitionen darauf heißen entsprechend »mmcblk0p1« und so weiter. Wer auf einer SD-Karte den Schreibschutz-Schalter aktiviert, dessen Knoppix ignoriert die schreibbare Overlay-Partition. Auf diese Weise lässt sich der Start von DVD simulieren, bei dem nur eine RAM-Disk für Veränderungen bereitsteht.

Neu in Version 8 ist die Möglichkeit, eigene Änderungen am System direkt in ein neues komprimiertes Image zu remastern (Abbildung 3). Vorsicht: Auch private Daten wie Lesezeichen, gesetzte Cookies und Passwörter für Webseiten oder Netzzugänge, prinzipiell alles, was der Benutzer gegenüber dem Original neu gespeichert und nicht wieder gelöscht hat, gelangt beim Remastern mit in das neue Image.

Abbildung 3: Neu in Knoppix ist die Möglichkeit, beim Schreiben auf ein Flashdevice eigene Änderungen in ein neues komprimiertes Image zu remastern.

Abbildung 3: Neu in Knoppix ist die Möglichkeit, beim Schreiben auf ein Flashdevice eigene Änderungen in ein neues komprimiertes Image zu remastern.

Wem das zu heikel ist, der sollte auf das Remaster-Feature verzichten, die schreibbare Overlay-Partition wird dann ignoriert und die neuen Daten werden nicht mitkopiert.

EFI und hybrides Booten

Es gibt sehr alte und sehr neue Computer, die nicht von USB booten: Bei den einen unterstützt dies das Bios nicht, bei den anderen erschwert oder verbietet EFI das Starten von externen Datenträgern.

Grundsätzlich ist Knoppix auch im EFI-Modus von USB-Stick startfähig, da der Ordner »efi« auf der ersten Partition die dafür notwendigen Startdateien enthält. Ist auf dem Rechner die EFI-Firmware auf »Secure Boot« gesetzt, sollte beim Start eine Abfrage des signierten Bootloaders erscheinen, die um Bestätigung und Speicherung der Prüfsumme bittet, bevor das System starten kann.

Falls dieser Dialog ausbleibt und das System sich weigert von USB zu booten, hilft die Bios-Einstellung »CSM« (Compatibility Support Module), die sachlich richtiger “Traditionell starten per Bootrecord und Bootloader” heißen sollte. Laut Intels Vorgaben sollten alle EFI-Computer CSM als Option bieten.

Für alle Fälle, bei denen von USB-Flashdisk zu starten nicht möglich ist, enthält Knoppix 8.0 im Ordner »KNOPPIX« das ISO-Image einer gerade mal 15 MByte großen Boot-only-CD, die der Benutzer auf einen leeren Rohling brennen und von der er den Computer in Kombination mit einem Knoppix-8.0-USB-Stick hochfahren kann. Der Bootprozess beginnt dann zunächst auf der CD und wechselt nach kurzer Zeit auf den USB-Stick. Der Workaround funktioniert bei den meisten Problem-PCs sehr gut, speziell bei Macs mit eingeschränkter Möglichkeit, von externen Datenträgern zu starten, selbst per EFI.

Hybrides USB-Image

Während ich in den letzten Jahren neue Major-Versionsnummern nur sehr zurückhaltend vergeben habe, war es nun an der Zeit für einen Versionssprung – nicht nur weil die aktuelle Debian-Version ebenfalls die 8 trägt, sondern weil eine gravierende Änderung am Distributions-Dateisystemformat notwendig war. Den Anlass geben die vielen Computer, vor allem Notebooks, die kein DVD-Laufwerk besitzen. So wurde es Zeit für mich, auf ein Image-Format umzusteigen, das durch das 1:1-Kopieren des DVD-Image auf einen USB-Stick diesen bootfähig macht. In den Vorgängerversionen von Knoppix war dies unmöglich.

Für Besitzer einer Knoppix-8.0-DVD ist es im ersten Schritt ein sinnvolles Unterfangen, auf der Linux-Kommandozeile ein Image von ihrer DVD zu ziehen:

dd if=/dev/sr0 of=Image.iso bs=1M

Oder sichtbar kürzer:

cp /dev/sr0 Image.iso

Umgekehrt dürfen sie nun das Image auf ein Flashdevice kopieren, hier eine SD-Karte in einem MMC-Kartenleser:

dd if=Image.iso of=/dev/mmcblk0 bs=1M

Oder wieder kürzer:

cp Image.iso /dev/mmcblk0

Unter Windows gelingt dies ebenfalls, beispielsweise mit dem Open-Source-Programm Disk Imager [2].

Ein ISO-Image, das für das Brennen einer DVD verwendet wird, besitzt normalerweise weder eine Partitionstabelle noch einen Master Boot Record in den ersten Sektoren. Jedoch erlaubt es das ISO-9660-Format durchaus, Daten im ansonsten ungenutzten Teil des Dateisystems unterzubringen – auch eine Partitionstabelle und einen Bootrecord –, und zwar genau dorthin, wo diese sich im Falle einer Festplatte oder eines USB-Sticks üblicherweise befinden. Das mache ich mir für Knoppix 8.0 zunutze, um im ISO ein Hybrid-Format aus einer bootfähigen Knoppix-Partition und einer Datenpartition zu schaffen, ganz ähnlich zu der Konstellation, die »flash-knoppix« zusammenbaut.

Beim ersten Start von USB-Stick oder SD-Karte mit Hybrid-Image expandiert Knoppix die letzte, als Linux-Partition bereits im Image markierte Partition auf die Maximalgröße, erweitert das schreibbare Dateisystem und benutzt es, um eigene Daten zu speichern. Manuelles Einstellen und ein Neustart, wie es beim SD-Karten-Image des Raspberry Pi nötig ist, entfallen.

Einen Nachteil hat dieses Verfahren allerdings: Das ISO-9660-Dateisystem unterstützt durch seinen kompakten Aufbau keinerlei Schreiboperationen. Die erste Partition eines mit dem ISO-Image beschriebenen USB-Sticks ist also unveränderlich. Theoretisch hätte ich ins ISO-Image ein FAT32- oder ein Linux-Dateisystem platzieren können, allerdings unterstützen viele Computer, die von DVD booten, kein anderes Dateisystem-Layout für das Starten von DVD.

Auch andere Betriebssysteme könnten Schwierigkeiten bekommen, ein Nicht-DVD-Dateisystem von einer DVD zu lesen. Andere mit Hybrid-Images arbeitende Distributionen verwenden den gleichen Kompromiss und verzichten auf eine schreibbare Bootpartition zu Gunsten der Kompatibilität.

Unterm Strich bekommen Knoppix-8-Anwender die Wahl zwischen zwei Flashmemory-Layouts: Die aus der DVD mit »dd« erzeugte Hybrid-Version und die funktional bessere – weil voll schreibbare – Version, die »flash-knoppix« zusammenbaut (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Links das DVD-Bootimage nach alter Art, mittig das mit Knoppix 8.0 eingef&uuml;hrte Hybrid-Verfahren, rechts die Variante, die <code>flash-knoppix</code> produziert.

Abbildung 4: Links das DVD-Bootimage nach alter Art, mittig das mit Knoppix 8.0 eingeführte Hybrid-Verfahren, rechts die Variante, die »flash-knoppix« produziert.

Die Antwort auf Systemd

Das Für und Wider von Systemd ist hinlänglich diskutiert. Das Debian-Team jedenfalls hat mit Jessie sein Standard-Bootsystem unwiderruflich darauf umgestellt. Viele Programme lassen sich ohne Systemd auch gar nicht mehr installieren oder starten, auch der in der Taskleiste beheimatete und nicht ohne Weiteres ersetzbare Network Manager.

Die enge Verzahnung vieler Systemdienste mit Systemd hat die Komplexität des Systems gegenüber früher bedauerlicherweise stark erhöht, was vielen Distributions-Konstrukteuren wie mir das Zusammenstellen ihrer Systeme im gleichen Maße schwerer macht.

Mit ein paar Tricks ist es mir bislang gelungen, die Komplettumstellung auf Systemd zu umgehen: So laufen die Systemd-eigenen Module zwar in Knoppix ständig mit (wie Udev) oder starten bei Bedarf (Session-Manager »systemd-logind«). Aber ich lasse sie nur von solchen Programme nutzen, die ohne Systemd aufgeschmissen wären – der erwähnte Network Manager zum Beispiel. Knoppix’ Startvorgang läuft nach wie vor per Sys-V-Init mit wenigen Bash-Skripten, welche die Systemdienste effizient sequenziell oder parallel starten.

Das Startskript »knoppix-autoconfig« bleibt das Rückgrat meines Bootsystems, das die Hardware-Erkennung stemmt und den Parallelstart wichtiger Systemkomponenten veranlasst. Daher ändert sich am Start von Knoppix gegenüber früher nichts. Wer eigene Systemdienste beim Hochfahren starten will, trägt diese in die Datei »/etc/rc.local« ein, die Datei enthält entsprechende Beispiele.

Lange Ausstattungsliste

Für Systeme mit 64-Bit-CPUs startet – automatisch erkannt oder mit der Bootoption »knoppix64« – ein 64-Bit-Kernel. Möglich werden so auch Systemreparaturen in 64-Bit-Umgebungen per »chroot«. Hier eine kurz gefasste Liste mit Highlights der neuen Version:

  • Hybrid-DVD/Flash-Layout, das nach der 1:1-Kopie die Overlay-Partition automatisch aktiviert.
  • Remaster-Option für das Flashen personalisierter USB-Sticks mit komprimiertem Overlay-Image.
  • Kernel 4.9.6 mit Patches: BFQ-Scheduler (Low Latency), Cloop (Decompressing Loopback Device), AU-FS (Another Union File System), TCP Stealth, Broadcom-STA-Wifi-Treiber.
  • LXDE, der schlanke Knoppix-Standarddesktop mit dem Dateimanager Pcmanfm 1.2.3.
  • Gnome 3 (Bootoption »knoppix desktop=gnome«).
  • KDE 5 (»knoppix desktop=kde«).
  • Einfacher Desktop-Export via VNC und RDP.
  • Barrierefreie Youtube-Anbindung im Adriane Audio Desktop [3] mit Mpsyt.
  • Wine 2.0 zum Ausführen von Windows-Programmen, auch von solchen für Windows 10.
  • Qemu-kvm 2.8 für die Paravirtualisierung.
  • Einfache Tor-Browser-Installation.
  • Chromium 56.0.2924.76, Firefox 52.0 mit Adblock Plus und Noscript.
  • Libre Office 5.3, Gimp 2.8.16.
  • Blender 2.78, Freecad, Open Scad fürs 3-D-Prototyping, Slic3r für das schichtweise 3-D-Drucken.
  • Shutter, ein funktionsreiches Screenshot-Tool.

Trotz voll ausgelastetem Datenträgerdurchsatz, langsamen DVD-Laufwerken oder überlasteter Festplattenmechanik soll jedes Programm in Sekundenschnelle starten, als ob nichts sonst auf dem Rechner liefe – dieses Ziel hat sich das “Budget Fair Queing Scheduler”-Patch [4] gesetzt, das noch nicht zum offiziellen Kernel gehört.

Tatsächlich arbeitet das Desktopsystem nach meinem Eindruck damit deutlich flüssiger und Programme verharren seltener in einer Warteschleife, wenn das System parallel größere Datenmengen liest. In Knoppix 8.0 ist das BFQ-Patch integriert und als Default-Scheduler automatisch aktiv.

Rootlos und ungeskriptet

Sicherheit und Schutz der Privatsphäre besitzen Top-Priorität in Knoppix’ Architektur. Alle Benutzerzugänge in Knoppix sind gesperrt, es gibt keine Hintertüren oder Standardpasswörter, nicht mal für den unprivilegierten Benutzer »knoppix«. Daher ist ein Login auch nicht möglich. Wer einen Screenlocker startet, sperrt sich praktisch aus, da es kein gültiges Passwort zum Entsperren gibt. Daher habe ich das Absperren des Bildschirms beim Schließen des Notebook-Displays oder bei Inaktivität abgeschaltet.

Firefox ist mit dem scharfgeschalteten Noscript-Plugin [5] ausgestattet, das bis auf wenige Ausnahmen bei jeder Webseite mit aktiven Inhalten oder solchen, die auf Plugins oder die Hardware zugreifen wollen, beim Anwender um Bestätigung oder Ablehnung nachsucht.

Noscript vermutet bei Javascript- oder Flash-Inhalten oder beim Start von Plugins, welche die Kamera, das Mikrofon oder andere Komponenten aktivieren, negative Auswirkungen auf die Sicherheit und Stabilität des Browsers und blendet am unteren Rand des Browsers (oberhalb des Statusbalkens) gelbe Benachrichtigungen ein.

Der Benutzer soll dann entscheiden, ob er die Webseite permanent, nur für die Session oder gar nicht für aktive Inhalte freischaltet. Noscript macht zudem Banking und Bezahltransaktionen beim Einkaufen im Internet sicherer, da es viele Cross-Site-Scripting-Attacken erkennt und davor warnt.

Es hat sich ausgeflasht

Das proprietäre Browser-Flash-Plugin blickt auf eine lange Geschichte selbst verursachter Sicherheitswarnungen zurück. Viele Anwender kennen es zudem als unersättlichen Ressourcenfresser. Zum Glück gibt es nicht mehr viele Webseiten, die das Flash zwingend benötigen, selbst Youtube kommt ohne aus. Deswegen habe ich mit Erfolg dem Linux-Magazin vorgeschlagen, das Plugin in Knoppix 8.0 gar nicht erst zu installieren.

Wer es dennoch benötigt, kann es aber über den Knoppix-Menüpunkt »Zusätzliche Software installieren« aus Debian nachinstallieren (Abbildung 5). Zum Redaktionsschluss lief das Nachrüsten allerdings ins Leere, weil das Flashplugin-nonfree-Paket im Debian-Repository einen Fehler produzierte. Es ist zu hoffen, dass das Debian-Team den Bug per Update in Kürze erlegt.

Abbildung 5: Das Install-Extras-Utility erlaubt es, h&auml;ufig nachgefragte und aus verschiedenen Gr&uuml;nden nicht standardm&auml;&szlig;ig installierte Softwarepakete komfortabel nachzuinstallieren oder zu aktualisieren.

Abbildung 5: Das Install-Extras-Utility erlaubt es, häufig nachgefragte und aus verschiedenen Gründen nicht standardmäßig installierte Softwarepakete komfortabel nachzuinstallieren oder zu aktualisieren.

Tor zur besseren Welt

Benutzer werden oft unbemerkt durch manipulierte Webseiten oder Werbeanzeigen mit Tracing-Funktion ausspioniert. Der Betreiber sammelt durch die IP-Adressen der Besucher in Kombination mit anderen Daten Kundenprofile. Berechtigterweise ist nicht jeder Internetnutzer mit dieser Art Transparenz seines Alltags im Netz einverstanden.

Die Privacy-Erweiterung Tor [6] lässt sich durch ein Startprogramm im Knoppix-Menü in Gang setzen. Danach muss der Benutzer einen Proxy im Webbrowser einrichten. Eine Ein-Klick-Aktivierung des Tor-Proxys habe ich in Chromium und Firefox aber schon voreingestellt. Abseits davon ist auch ein spezieller Tor-Browser direkt über das Startprogramm installierbar (Abbildung 6). Den zu benutzen empfehlen die Tor-Erfinder aufgrund der geringeren Gefahr durch de-anonymisierende Plugins.

Um Knoppix auch als Virenscanner für Windows-Malware einsetzen zu können, habe ich im Knoppix-Startmenü diesmal einen Starter für den Clam-AV-Scanner integriert, der selbstverständlich als erste Aktion ein Update der Schadsoftware-Datenbank übers Netzwerk durchführt.

Abbildung 6: Wem der Browser des Tor-Projekts sicherer erscheint, als Chromium oder Firefox mit Tor zu verwenden, der installiert den Spezial-Browser nach.

Abbildung 6: Wem der Browser des Tor-Projekts sicherer erscheint, als Chromium oder Firefox mit Tor zu verwenden, der installiert den Spezial-Browser nach.

Schutz vor Portscans

Das in einem IETF-Draft beschriebene Verfahren TCP Stealth dient der Autorisierung beim Verbindungsaufbau, mitgeschickt im ersten SYN-Paket, also bevor die eigentliche Datenübertragung zwischen Client und Server stattfindet. Die Autorisierung erfolgt mit einer relativ schwachen Schlüssellänge und eignet sich daher nicht als Ersatz für Challenge-Response-Authentifikation mit starker Verschlüsselung. Dennoch erschwert sie das Scannen von offenen Ports bereits erheblich, da Linux Pakete ohne den korrekten Zugangsschlüssel abweist – der Portscanner sieht die auf den Ports laufenden Dienste nicht.

Um Linux mit TCP Stealth auszurüsten, ist das Knock-Kernelpatch [7] erforderlich, das neue Socket-Optionen bereitstellt, die wiederum Server- und Clientprogramme für den autorisierten Zugriff nutzen. Neben dem Kernelpatch sind in Knoppix 8.0 SSH-Server und -Client mit TCP-Stealth-Unterstützung ausgerüstet. Zur Aktivierung sind in »/etc/ssh/sshd_config« nur die Option »TCPStealthSecret« und eine Art Passwort für die Autorisierung von Clients nötig:

TCPStealthSecret "1234"

Auch nach dem SSH-Server-Start (»sshstart«) gelingt auf Port 22 kein Connect:

$ ssh localhost
ssh: connect to host localhost port 22: Connection refused

Ist der Client dagegen mit der gleichen »TCPStealth«-Konfigurations-Option in »/etc/ssh/ssh_config« konfiguriert, überträgt er das Autorisierungs-Token beim Verbinden und der Port lässt sich öffnen:

$ ssh localhost
knoppix@localhost's password:

Hier klappt das Anmelden per SSH wieder – auszuprobieren wie viele andere Innovationen in Knoppix 8.0. (jk)

Der Autor

Knoppix-Erfinder Klaus Knopper mailto:[email protected], Jahrgang 1968 und Dipl.-Ing. der Elektrotechnik, arbeitet als selbstständiger IT-Berater und Entwickler, ist Professor an der Hochschule Kaiserslautern (Grundlagen der Informatik, Softwaretechnik und Software-Engineering) und gibt Kurse zu freier Software. Angeregt durch Erfahrungen seiner blinden Ehefrau entwickelte Knopper die in Knoppix integrierte Lösung Adriane [3], die Blinden den Umgang mit Linux-PCs vereinfacht.

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