Aus Linux-Magazin 05/2015

Semiprofessionelle Video-Editoren (Seite 6)

Der Bluescreen-Filter enttäuscht auf den ersten Blick. Anwender wählen über »Color key« lediglich die Hintergrundfarbe und stellen unter »Variance« die Farbtoleranz ein. Selbst mit dem größtmöglichen Wert, bei dem noch keine Löcher in der darüber eingeblendeten Szene erscheinen, bleiben am Rand der Silhouette leuchtend grüne Ränder stehen (siehe Abbildung 9, kleines Bild). Allerdings ist Kdenlive mit seinem Latein hier noch nicht am Ende: Benutzer sollten zusätzlich den Filter »Key Spill Mop Up« bemühen. Mit den Einstellungen »De-Key« und »Desaturate« unterdrückt er die grünen Farbsäume. Die letzten Zacken im Umriss entfernt schließlich »Alpha Operations« (siehe Abbildung 9, großes Bild).

Abbildung 9: Kdenlive bringt ganz ansehnliche Blue-/Greenscreen-Effekte zustande.

Abbildung 9: Kdenlive bringt ganz ansehnliche Blue-/Greenscreen-Effekte zustande.

Reif für den Oscar?

Im Test kamen selten Zweifel auf, dass Lightworks ganz oben aufs Siegertreppchen gehört. Das Programm überzeugte mit seiner Stabilität, mit seinen Schnittwerkzeugen sowie den beigelegten Filtern. Die Anzahl der Effekte ist zwar kleiner als bei der Konkurrenz, aber dafür liegen sie in exzellenter Qualität vor. Wer andere Formate als Mpeg 4/H.264 (1280 mal 720 Pixel) exportieren möchte, muss in die Tasche greifen und die Lightworks-Pro-Variante erwerben. Diese hat zwar ihren Preis, gemessen an den Budgets der Filmstudios fällt er aber recht moderat aus. Anwender sollten einige Zeit einplanen, um sich mit der Software vertraut zu machen, denn die Entwickler legen mehr Wert auf Effizienz als auf laienverständliche Bedienkonzepte. Lightworks Algorithmen und Techniken sind dafür Hollywood-reif.

Auch Cinelerra spielt trotz eher schleppender Weiterentwicklung im letzten Jahrzehnt in der Profiliga. Zwar müssen sich Anwender mit einer extravaganten Benutzerführung und einer Programmoberfläche aus der Stummfilmzeit herumschlagen, wer sich aber einmal eingearbeitet hat, entlockt dem Urgestein der freien Videobearbeitung in Rekordzeit sehr gute Ergebnisse. Gelegenheitsanwender dürfte das Programm dagegen vermutlich noch mehr frustrieren als Lightworks.

Kdenlive taugt am ehesten für Nutzer, die nicht Tage oder Wochen an Einarbeitungszeit investieren möchten. Technisch gesehen kann es mit Lightworks und Cinelerra nicht mithalten, wie der Greenscreen-Test zeigte. Für hochwertige Hobbyprojekte reicht das KDE-Programm jedoch allemal. Den Testern gefiel vor allem die intuitive Benutzeroberfläche. Die teils verspielten Effekte sind inzwischen so zahlreich, dass Vorstadt-Fellinis mehr als einen verregneten Nachmittag zum Ausprobieren aller Features benötigen.

Wer Kdenlive noch zu komplex findet, der werfe einen Blick auf Openshot [10], das genau wie Pitivi [11] im Casting zu diesem Test ausgeschieden ist. Während Pitivi sich mit mangelhafter Stabilität in der aktuellen Version 0.94 disqualifiziert hat und dauernd den Dienst quittierte, eignet sich Openshot durchaus für Anfänger in Sachen Videoschnitt.

Es ist das Programm der Wahl, wenn es darum geht, schnell einen Film zurechtzuschneiden oder einfache Effekte einzubauen. Im Vergleich mit den hochkarätigen Testkandidaten fällt die Software jedoch weit zurück, da sie weder Keyframes für im Zeitverlauf wechselnde Effektparameter noch Bluescreen-Maskierung unterstützt.

DELUG-DVD

Auf der DELUG-DVD dieses Magazins befindet sich der Quellcode von Cinelerra 4.6. Außerdem liegen die beiden Kurzfilme aus dem Test bei: “Tears of Steel” und “The Visual Effects of Betty Boom”.

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Mike
5 Jahre her

Ein neuer Artikel zu diesem Thema wäre sehr wünschenswert. Was Cinelerra angeht, es gibt mittlerweile deutliche Verbesserungen. Die neuste Version Cinelerra GG Infinity hat Features wie 8K Editor, LV2 Support (Calf Studio Gear), Arbeitet mit Smart Foldern, hat FFmpeg integriert, kann Motion Tracking, Motion Graphics, usw. Ist echt ein Blick wert. https://www.cinelerra-gg.org

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