Aus Linux-Magazin 05/2015

Semiprofessionelle Video-Editoren (Seite 2)

Zahlreiche Videos, Onlinetrainings und ein Demoprojekt sind über die Abteilung »Tutorials« der Lightworks-Webseite erhältlich. Insgesamt warten hier etliche Stunden Lernmaterial. Die meisten Filme fahren ein gemächliches Tempo und richten sich an absolute Einsteiger. Wer bereits Vorkenntnisse hat, findet hier wenig Neues. Anleitungen für Fortgeschrittene, die beispielsweise auf die Effekte näher eingehen, wären wünschenswert.

Sollte Lightworks abstürzen, geht maximal die letzte Operation verloren, denn das Programm schreibt alle Änderungen sofort auf Platte. Da bei einer nicht linear arbeitenden Software mit Undo/Redo-Funktion der »Speichern« -Button tatsächlich seinen Sinn verliert, ist das eine gute Lösung, und Anwender müssen sich nicht um das regelmäßige Sichern kümmern.

Einschneidend

Ein eigenes Playerfenster bildet einen Schneidetisch nach. Anwender spielen den Film im oberen Teilfenster bis zum Anfang des Bereichs ab, den sie ausschneiden möchten. Mit den Pfeiltasten regeln sie die Position Frame-genau. Die Knöpfe mit den Rauten markieren entweder Start- oder Endpunkt; als zweite Markierung gilt der parkende Wiedergabecursor. Die Auswahl landet im Bereich »Edit« (Abbildung 1) als virtueller Clip ohne Gegenstück auf der Festplatte. Ein »Edit« nimmt beliebig viele Schnipsel und Effekte auf, sodass die Software auf eine gesonderte Trackansicht für die endgültige Montage verzichten kann.

Abbildung 1: In »Edit« (Teilfenster mit dem roten Rand) landen die ausgewählten Bereiche.

Abbildung 1: In »Edit« (Teilfenster mit dem roten Rand) landen die ausgewählten Bereiche.

Das Unterfenster »Edit« zeigt in einer Spuransicht die Audio-Waveform an. So können Benutzer Schnitte bequem mit Sprache oder Geräuschen synchronisieren. Weitere »Inserts« aus einem Player fügt Lightworks an der Cursorposition ein. Wenn es im »Edit« -Fenster eine Bereichsmarkierung gibt, dann überschreibt »Replace« diese mit der aktuellen Playerauswahl. Darüber hinaus bietet das Programm Buttons zum händischen Löschen von Markierungen.

Lightworks kann jedes »Edit« exportieren. So benötigt die Software keine zentrale Montage-Zeitleiste wie etwa Cinelerra und Kdenlive. An ihre Stelle tritt einfach ein weiteres »Edit« . Jedes von diesen nimmt beliebig viele Ausschnitte aus anderen Edits oder direkt aus Rohvideos auf. Das Konzept erlaubt somit, Projekte in beliebig viele Hierarchie-Ebenen zu gliedern.

Ein Klick in die Nähe einer Schnittfuge erweitert das »Edit« -Fenster zur Doppelbildansicht. Es zeigt die Frames vor und nach dem Schnitt an. Der Abspielbutton oder die Pfeiltasten verschieben entweder die Schnittkanten des rechten oder des linken Clips respektive beide – je nachdem, ob der Nutzer rechts oder links neben die Fuge oder darauf geklickt hat. Dieses direkte Gegenüberstellen der Szenen-Enden erleichtert das passgenaue Aneinanderfügen verschiedener Takes sehr. Keiner der anderen Testkandidaten bietet Vergleichbares. Hinzu kommt die intuitive Markierungsfunktion für Video-Ausschnitte. Diese Features alleine verhelfen Lightworks zu einer Topnote in der Kategorie Schnitt.

Harte Schnitte, insbesondere zwischen Szenen mit unterschiedlicher Beleuchtung, wirken oft unangenehm. Lightworks korrigiert diese mit fünf Übergangseffekten, die ein Kontextmenü nach einem Rechtsklick auf eine Fuge offeriert: Überblenden (»Dissolve« ), Nachglühen (»Luma Wipe« ) und drei Schiebetür-Effekte. Cinelerra und Kdenlive bieten hier mehr Übergänge an; von denen hat es jedoch bisher kaum einer ins Fernsehen oder Kino geschafft.

Bühnenzauber

Rund 60 Video-Effekte hat Lightworks im Programm. Das Spektrum reicht von leistungsfähigen Farb- und Belichtungskorrektur-Filtern über Schärfe-/Unschärfefilter, Maskierungsfunktionen bis hin zu dezenten Verfremdungseffekten mit Spots oder Mosaiken. Hinzu kommen Presets für die am häufigsten genutzten Funktionen. Eigene Einstellungen speichern Benutzer auf Wunsch als Templates ab. Alle Filter sind in sehr guter Qualität umgesetzt – wie von einem Profi-Schnittprogramm zu erwarten. Im Gegensatz zu Kdenlive hält sich der erste Kandidat bei den Verfremdungseffekten dezent zurück und trägt nicht zu dick auf, was schnell amateurhaft wirkt.

Gut gemischt

Vor jedem Schieberegler in den Effekt-Einstellungen steht ein Stoppuhr-Button. Ist er aktiviert, gelten die Effektparameter nur an der aktuellen Cursorposition. Für fließende Übergänge genügt es, zu einer anderen Stelle im Video zu spulen und dort andere Werte einzutragen. Das Diagramm-Icon in der Lightworks-Konfiguration öffnet eine Kurvenansicht, die den Verlauf der Parameter visualisiert. Benutzer können hier bestimmte Frames herauspicken und ihnen gesonderte Einstellungen zuweisen.

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Mike
5 Jahre her

Ein neuer Artikel zu diesem Thema wäre sehr wünschenswert. Was Cinelerra angeht, es gibt mittlerweile deutliche Verbesserungen. Die neuste Version Cinelerra GG Infinity hat Features wie 8K Editor, LV2 Support (Calf Studio Gear), Arbeitet mit Smart Foldern, hat FFmpeg integriert, kann Motion Tracking, Motion Graphics, usw. Ist echt ein Blick wert. https://www.cinelerra-gg.org

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