Der Nachteil am Open Stack vom Hersteller: Die gesamte Integration bleibt am Admin hängen, zum Beispiel auch die Konfiguration der einzelnen Dienste. Zum Lernen mag das beim ersten Mal nützlich sein, aber produktiv einsetzbar ist das so nicht. Vermutlich ist das Deployment-Tool Devstack ([13], auf der DELUG-DVD) auch deshalb so beliebt, weil es ein sauberes Open Stack aus der Taufe hebt, es aber gleich mit Konfigurationsdateien ausstattet.
Wer ein Original-LTS mit den Open-Stack-Paketen von Ubuntu kombiniert, kann aber wenigstens auf die Puppet-Module für die Open-Stack-Teile ausweiche. Dann steht zwar immer noch das Schreiben eines Site-Manifests auf dem Plan, aber dafür erhält der Admin ein reproduzierbares Setup. Gar nicht vorgesehen sind in dieser Variante Themen wie Hochverfügbarkeit. Immerhin liefert Ubuntu einige der benötigten Werkzeuge wie MaaS (Metal as a Service, Canonicals Bare-Metal-Deployment) kostenlos. In Form von Juju steht auch ein eigenes Deployment-Werkzeug bereit, das ähnliche Aufgaben erfüllt wie Puppet oder Chef.
Ubuntu Cloud
Es stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, ein sauberes Ubuntu zu nehmen und es dann mittels MaaS, Open Stack, Juju und anderen Komponente aufzupeppeln – wenn man das ganze auch fertig kaufen kann. Denn Ubuntu Cloud ist genau das: Ein fertiges Open Stack aus der Dose, also eine Open-Stack-Distribution, so wie Red Hat und Suse sie ebenfalls bereitstellen.
Der große Unterschied zwischen jenen und Ubuntu ist also zuerst die Tatsache, dass Ubuntu die Open-Stack-Pakete auch separat bereitstellt und der Admin basteln kann, wenn er möchte. Möchte er nicht, greift er zu Ubuntu Cloud und erhält ein vergleichbares Ergebnis. Die Ubuntu Cloud besteht im Wesentlichen aus vier Komponenten: Dem letzten Ubuntu LTS, MaaS, Juju sowie Landscape, dem zentralen Management-Werkzeug, über das Ubuntu auch den Distributionssupport abwickelt.
Anders als bei Suse oder Red Hat kommt Ubuntu Cloud bislang nicht als fertige CD. Stattdessen gibt Ubuntu per Anleitung bekannt, wie Admins am schnellsten zu ihrer Cloud kommen. Das funktionierte im Test zwar sehr gut, wirkt allerdings nicht gerade Enterprise-tauglich. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Canonical das Produkt auf CDs oder USB-Sticks verteilt und einen bunten Installer dazuheftet, der im Anschluss alles noch einfacher macht.
Allerdings müsste die Firma dann auch die HA-Frage lösen, denn mehr als eine FAQ gibt es dazu bisher nicht. Preislich orientiert sich Canonical auf jeden Fall am oberen Ende, schlägt doch schon das kleinste Paket mit bis zu 100 Rechnern mit mehr als 80 000 Euro zu Buche.
Das Drumherum
Was viele Admins gar nicht wissen: Ubuntu bietet einen ganzen Strauß von Dienstleistungen rund um Open Stack an. Hinter Boot Stack etwa verbirgt sich das Angebot von Canonical, für den Nutzer eine Open-Stack-Cloud zu hosten. Der Kunde übernimmt dann eine schlüsselfertige Cloud, die Rechner dazu sind gemietet. Es entstehen also keine Investmentkosten für Hardware, doch hat der Kunde keine Möglichkeit, physisch an seine Datenträger heranzukommen.
Wer sich für Open-Stack-Training interessiert, ist ebenfalls bei Canonical richtig: Die Orange Box [14] ist ein Micro-Cluster, der aus zehn Intel-NUCs und entsprechender Zusatzhardware besteht. Ubuntu vermarktet den Kasten als portable Mini-Cloud, auf der bei Trainings mehrere Kursteilnehmer eine eigene Cloud hochziehen können. Warum dazu drei virtuelle Maschinen innerhalb von Virtualbox nicht ausreichen sollen, erklärt Ubuntu nicht. In den Augen der Redaktion ist die Orange Box eher ein Marketinggag, aber immerhin ein gelungener. Den Open-Stack-Trainings von Canonical eilt ein guter Ruf voraus, sodass Admins hier wenig falsch machen.
Mirantis
Anders als die ersten Produkte ist Mirantis keine Linux-Distribution, es hat auch nicht die jahrelange Erfahrung, die die drei anderen auszeichnet. Dennoch ist Mirantis ziemlich genau am Anfang des Open-Stack-Hype entstanden und dann mit Open Stack gewachsen. Anfangs als Trainingsanbieter aktiv, verdient Mirantis bis heute einen großen Teil seines Geldes, indem es Trainings in allen Teilen der Welt veranstaltet. Die Firma will ein großer Player in Sachen Open Stack sein und dabei den etablierten Unternehmen zumindest ein Stück des großen Open-Stack-Kuchens wegnehmen.





