Aus Linux-Magazin 05/2014

Aus den Ruinen von Maemo und Meego entstanden Jolla und Sailfish OS (Seite 5)

Kontakte- und Kalender-Applikationen sind ausreichend für die Zwecke eines Telefons. Allerdings fehlt noch praktisch jede Möglichkeit, diese Daten mit einem anderen Dienst zu synchronisieren. Einzig die Daten eines Google-Kontos lassen sich herunterladen und einbinden, eine Zweiwege-Synchronisation findet dabei aber noch nicht statt.

Als weiterer Kontotyp kann ein XMPP-Konto dienen. Eine spezielle Jabber-Chat-Applikation (XMPP) fehlt allerdings, und wie Jabber-Nachrichten über die normale Nachrichten-Applikation (SMS/MMS) verschickt werden können, erschließt sich nicht unmittelbar.

Silica

Im Silica-UI des Sailfish OS müssen Applikationen das Umschalten der Display-Orientierung explizit unterstützen und freigeben. Apps, die dies nicht können, bleiben immer hochkant. Diese bei anderen System übliche Funktion bei Sailfish OS nicht mehr zur Verfügung zu haben, ist gewöhnungsbedürftig.

Gerade wenn der Benutzer Texte auf der virtuellen Tastatur tippen muss, etwa beim Erstellen einer Kurznachricht, wäre eine Ansicht im Querformat deutlich praktischer, damit die Bildschirmtastatur etwas mehr Platz für die Tasten und der Benutzer für seine vielleicht auch etwas größeren Finger bekommt.

Privatsphäre gesucht

Abzüge bekommt der Browser in puncto Schutz der Privatsphäre. Hierzu bietet er, außer einer Funktion zum Löschen aller persönlichen Daten, keinerlei Optionen an – es gibt keine Kontrolle von Cookies, Javascript oder Do-not-track. Auch das restliche System schützt den Benutzer leider nicht sonderlich vor dem Abgriff von Daten durch Konzerne oder Dienste. Als einzige Suchmaschinen sind Google, Yahoo und Bing verfügbar, eigene lassen sich offenbar nicht hinzufügen.

Bedenklich ist auch, dass schon alleine für das Herunterladen kostenloser Applikationen aus Jollas App-Shop [8] ein Account mit E-Mail-Adresse angelegt werden muss. Ohne diesen erhält das Telefon auch keine Systemupdates. Eine Option, wie bei einigen Android-Geräten verfügbar, zum Verschlüsseln der Daten auf dem Telefon fehlt gänzlich.

Auch die GPS-Funktion des Telefons leidet unter einem Problem, das die Privatsphäre empfindlich stören kann. So lässt sich das eingebaute GPS erst nach Zustimmung zur Nutzung der Positions- und Netzdaten durch Nokia Here einschalten. Wer den GPS-Empfänger, den er als eigenständige Hardware im Gerät gekauft hat, benutzen will, muss dem Nokia-Here-Dienst uneingeschränkt seine Positionsdaten sowie die Daten der gerade in Reichweite befindlichen Funknetze zur Verfügung zu stellen.

Alien Dalvik

Jede neue Smartphone-Plattform der vergangenen Jahre wurde auch anhand der Anzahl der verfügbaren Applikationen gemessen. Völlig verständlicherweise kann keine Pattform vom Start weg mit dem Angebot eines I-OS oder Android konkurrieren, auch Jolla nicht. Da jedoch die Laufzeitumgebung für Android-Applikationen als Open-Source-Software zur Verfügung steht, hat Jolla mit Hilfe von Myriads Alien Dalvik [9] eine Abkürzung genommen.

Alien Dalvik ist eine Laufzeitumgebung für Android, die getrennt vom eigentlichen System läuft und nur über definierte Schnittstellen Zugriffe auf das Hostsystem erlaubt – also eine so genannte Sandbox. Innerhalb dieser Sandbox ist der Funktionsumfang für darin laufende Applikationen vollständig. Es gibt keine Abstriche bei Funktionen oder APIs, sodass eine weitgehende Kompatibilität im Vergleich zu einem normalen Android-Gerät gegeben ist.

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