Aus Linux-Magazin 09/2011

Kolab, Open-Xchange, Zarafa und Zimbra im Vergleich (Seite 5)

Bei Kolab und Open-Xchange führen in der Regel Partnerunternehmen die Datenmigration durch, Zarafa bietet eine Windows-basierte Migrationsmaschine, die Daten direkt von Microsoft Exchange, Scalix oder aus PST-Dateien programmgesteuert übernimmt. Zimbra bringt Tools für den Umstieg von MS Exchange und Notes Domino sowie einen Migrationsassistenten, der die Daten direkt und inklusive Benutzerinformationen von MS Exchange transportieren soll.

Webclients

Der auf dem Horde-Framework basierende Webclient von Kolab kommt recht spartanisch und altbacken daher (Abbildung  9). Selbst die Administrations-GUI wirkt da optisch gefälliger. Er weist aber zum Beispiel im Bereich Verschlüsselung Funktionen auf, die manche Wettbewerber erst noch implementieren müssen. Das Entwicklerteam von Kolabsys arbeitet aktuell an der Adaption von Roundcube als Alternative.

Abbildung 9: Kolabs Webclient (Horde) wirkt recht altmodisch, aber die Entwickler arbeiten am Nachfolger.

Abbildung 9: Kolabs Webclient (Horde) wirkt recht altmodisch, aber die Entwickler arbeiten am Nachfolger.

Open-Xchange (Abbildung 10) und Zimbra (Abbildung 11) betrachten dagegen die Webclients als Kernbestandteile des Produktes. Nur hier erfahren die Anwender die volle Funktionalität. Zimbra sorgte ja als Ajax-Vorreiter mit seinen verspielten Zimlets für Furore, glücklicherweise lassen sich die ressourcenhungrigen Bildschirmaktivitäten vom Administrator begrenzen. Open-Xchange bietet neben umfassenden Dokumentenmanagement sogar die Synchronisation mit Facebook, Xing oder Linked In, auch wenn die Netzwerke das nicht gerne sehen [14].

Abbildung 10: Im OX Webclient gibt es erweiterte Funktionen wie Dokumentenmanagement (links).

Abbildung 10: Im OX Webclient gibt es erweiterte Funktionen wie Dokumentenmanagement (links).

Abbildung 11: Zimbras Webclient integriert auf Wunsch eigene Apps, so genannte Zimlets.

Abbildung 11: Zimbras Webclient integriert auf Wunsch eigene Apps, so genannte Zimlets.

Zarafas Webaccess (Abbildung 12)orientiert sich stark an der Benutzeroberfäche von Microsoft Outlook, der Funktionsumfang bei den nicht-administrativen Aufgaben ist (wie auch bei Open-Xchange und Zimbra) deutlich größer als der aktuelle Webzugang von Microsoft Exchange. Probleme bereiten – wie bei allen Webclients – noch das Drag&Drop von Anhängen oder die Benachrichtung über neue Nachrichten via Firefox-Addons. Die nächste Version des GUI ist schon in Arbeit: Die Zarafa Webapp setzt auf HTML 5 und Canvas und ist als Technologie-Preview im Zarafa Community Hub [11] verfügbar. Angesichts der langen Ladezeiten braucht der Anwender, der häufiger über UMTS oder WLAN-Verbindungen auf die Groupware zugreifen will, vor allem bei den Funktionsboliden unter den Webclients jedoch viel Geduld.

Abbildung 12: Zarafas Webaccess setzt auf Ajax und orientiert sich stark an MS Outlook.

Abbildung 12: Zarafas Webaccess setzt auf Ajax und orientiert sich stark an MS Outlook.

Den Standard-Client Outlook anbinden

Auch der größte Linux-Fan muss akzeptieren, dass Studien zufolge etwa 80 Prozent aller E-Mail-Anwender in Unternehmen MS Outlook nutzen. Schon die ersten Versionen von Microsoft Outlook nahmen auch zu anderen Servern als MS Exchange Kontakt auf. Die MAPI-Spezifikation sieht dafür Transport-, Adressbuch- und Speicherprovider vor, die über eine landläufig als Konnektor bezeichnete Software Outlook mit dem Server verbinden.

Das klingt viel einfacher als es in der Praxis ist, weil Microsoft regelmäßig kleinere und größere Details ändert und so die Anbieter anderer Backends zu Nacharbeiten zwingt. Auch ein Jahr nach Outlook 2010 sind die Programmierer immer noch damit beschäftigt, diverse mehr oder minder große Probleme bei der Unterstützung des PIM-Clients zu beheben. Das spiegelt sich auch in den Foren wieder. Outlook 2003 SP3 ist die Version, die alle Kandidaten unterstützen und bereitet erfahrungsgemäß nur wenige Probleme. Sowohl Outlook als auch Konnektoren sind in dieser Kombination am ausgereiftesten.

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