Nach dem Einrichten eines Superadmin durch den Aufruf von »/usr/share/doc/vboxadm-common/examples/mkadmin.pl –username [email protected]« steht dem Login in das Web-GUI nichts mehr im Wege. Und dies macht einen sehr vertrauten Eindruck: Vboxadm implementiert genau wie Postfixadmin eine sauber benutzbare Verwaltung von Domains, Postfächern und Weiterleitungen. Beide Projekte unterscheiden sich nur in kleinen Details.
Perl statt PHP
Die Vaterschaft von Postfixadmin ist nicht zu übersehen, sodass sich die Frage stellt, wieso die Welt Vboxadm überhaupt benötigt. Auf diese Frage des Linux-Magazins benennt Vboxadm-Autor Dominik Schulz seine Unzufriedenheit über das in seinen Augen unübersichtliche und duplizierende Datenbanklayout von Postfixadmin, das er für seine eigenen Erweiterungen als ungeeignet empfand. Zudem habe er Sicherheitsbedenken bezüglich des PHP-Code von Postfixadmin und würde daher lieber seiner eigenen Perl-Entwicklung trauen.
Doch unabhängig davon ist Vboxadm mehr als nur ein Verwaltungs-GUI, das Projekt bringt auch noch einige weitere, eigene Programme mit.
Antispam mit Vbox-sa und Spamassassin
Mit »vbox-sa« steht zum Beispiel ein eigener SMTP-Proxy zum Anbinden von Spamassassin an Postfix zur Verfügung (Abbildung 8). Er soll den sehr oft eingesetzten und mächtigen Amavisd-new ersetzen, ist aber im Funktionsumfang vergleichsweise schmalbrüstig. Vbox-sa führt lediglich eine Spam-Prüfung mit Spamassassin durch und ist, anders als Amavis, für den Einsatz als DKIM-Signierer oder zum Einbinden eines Virenscanners nicht vorgesehen.

Abbildung 8: Integriert Spamassassin: Vboxadm regelt bei Bedarf auch Spam-Score und Auto-Responder für jeden User individuell.
Ob der Admin Vbox-sa nun Amavisd-new vorziehen soll, stellt sich als Frage der Anforderungen im Einzelfall. Den großen Vorteil von Vbox-sa sieht Schulz in der Tatsache, dass dieser natürlich die Vboxadm-eigenen MySQL-Tabellen abfragt und sich so viel einfacher als Amavis an die Userverwaltung anflanscht. Zudem kann der Admin hier die maximale Größe einer E-Mail für jeden User individuell festgelegen. Das mag kein Killer-Feature sein, ist aber für Unternehmen oder ISPs mit unterschiedlichen Postfach-Angeboten sicher interessant, weil es nicht zu den üblichen Standards gehört.
Pluspunkte sammelt Vboxadm durch seinen eigenen, übers Vboxadm-Datenbankschema gesteuerten Vacation-Responder sowie ein Plugin für den beliebten Webmailer Roundcube ([8], Abbildung 9) Damit darf jeder User bequem seine Einstellungen zu Passwort, Abwesenheits-Responder oder zu seinem Spam-Score selbst steuern, ohne sich in das eigentliche Vboxadm-GUI einzuloggen.

Abbildung 9: Vboxadm ist für normale Roundcube-User transparent. Sie greifen einfach auf einen extra Menü-Eintrag im Webmailer zurück.
Fazit
Die Installationsdokumentation und der Programmcode von Vboxadm sind tatsächlich noch in einem Alphastatus. Dass das Projekt für den produktiven Einsatz noch Zeit und Reife braucht, ist aber kaum dem Autor anzulasten. Hier und da treten noch kleinere Bugs auf, doch für weniger als drei Monate Entwicklungszeit ist das Projekt schon erstaunlich umfangreich und es funktioniert. Die Integration mit Roundcube kommt dem Anwender entgegen.





