Linux-Magazin: Wie ist Ihre Erinnerung an die ersten Tage von Red Hat und Linux?
Bob Young: Liebevoll. Es war eine großartige Gelegenheit, mit so vielen talentierten und innovativen Leuten rund um den Globus in den frühen Tagen des Internet zusammen zu arbeiten. Das war einer der wichtigsten Gründe, der mich zu dem Kosmos hinzog, der damals als Freie Software bekannt war.
Linux-Magazin: Viele Open-Source-Unternehmen der letzten Jahre sind in der Dotcom-Ära gescheitert – wie in vielen anderen Branchen auch. Haben Sie als erfolgreicher Unternehmer einen Tipp für ein heutiges Startup-Unternehmen im Open Source-Umfeld?
Bob Young: Natürlich trug zu unserem Erfolg auch Glück bei, und dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort waren, den größten Anteil am Erfolg war aber sicher unser Fokus auf unsere Kunden.
Anders als viele in der Open-Source-Welt haben die meisten von uns bei Red Hat Open Source nicht als so etwas Einmaliges oder anderes verstanden. Uns schien vielmehr die Welt der geschlossenen, proprietären Software als merkwürdig.
Weite Teile der Weltwirtschaft funktionierten so wie auch Open Source arbeitete: Rechtsanwälte konnten auf der Arbeit von anderen in der Juristerei aufbauen; Kfz-Mechaniker konnten mit den Herstellern der Autos um die Wartungsarbeiten an den Autos konkurrieren. Nur in der proprietären Software-Welt war der Hersteller in der Lage, dem Kunden zu diktieren, was der Kunde mit der Technologie tun oder nicht tun durfte, für die er Tausende Dollar gezahlt hatte und von der seine ganze Organisation abhing.
Dank Open Source konnte Red Hat den Technologie-Nutzern einen Vorteil bieten, den unsere milliardenschweren Konkurrenten nicht anbieten wollten: Sie bekamen Kontrolle über die Technologie, die sie einsetzen. Als Marc (Ewing, Anm. d. Red.) und ich 1994 aus seinem Apartment in Durham, North Carolina, eheraus anfingen, schien uns das die offensichtliche Geschäftsstrategie, und dies scheint auch heute noch die offensichtlich richtige zu sein.
Linux-Magazin: Was sind Ihre aktuellen Zukunftspläne? Gibt es noch eine Verbindung zur Open Source Community?
Bob Young: Meine aktuellen Zukunftspläne sind weiterhin sehr aktiv mit der Open-Source-Welt verbunden. Ich unterstütze Projekte wie Public Knowledge und Creative Commons. Bei Lulu.com schaffen wir einen Marktplatz, auf dem jeder Autor, Trainer, Programmierer oder andere kreativ Schaffende ihre Arbeit auf den Markt bringen können, ohne die Erlaubnis von der Verlagsindustrie einzuholen. Sehr ähnlich zu Red Hat verkauft Lulu.com „Kontrolle“. In diesem Fall geben wir den Autoren und Inhalteschaffenden die Kontrolle über ihre Werke.
Ich bin weiterhin sehr stolz auf das, was wir bei Red Hat geschafft haben, und was Red Hat Incorporated heute noch tut: Die offenen und kollaborativen Ideen rund um Open Source zu nutzen, um die Software-Industrie effektiv besser zu machen für Technologieanwender auf der ganzen Welt.