Mit zwei Fingern auf dem Touchscreen Fenster größer ziehen, mehrere Regler auf dem virtuellen Mischpult gleichzeitig verschieben oder mit allen fünf Finger ein Bild ziehen – das wird wohl in Zukunft mit Multipointer-Unterstützung (MPX) für den X-Server möglich sein.
Noch schaffte MPX es nicht in den jüngst veröffentlichten X Server 1.5. Doch steckt sie bereit im Mainline-Entwicklungszweig und kommt somit voraussichtlich in den X-Server 1.6, aber nicht mehr in X.Org 7.4.
MPX-Chefentwickler Peter Hutterer hat nun in seinem Blog berichtet, dass er den Code von Compiz so angepasst habe, dass man auch unter dem 3D-Desktop mit mehr als einem Zeiger arbeiten kann. Um das zu erreichen, hat Hutterer den Windowmanager manipuliert und Teile von Compiz Core neu geschrieben. Er ersetzte einige Funktionen und erreichte so, dass nicht mehr Compiz “Core Events”, sondern “X Input Events” die Mauszeigerbewegungen registiert.
Der veränderte Code befindet sich seinem persönlichen Git-Repository. Perfekt sei er aber noch lange nicht, schreibt Hutterer in seinem Beitrag. Die Compiz-Plugins würden teilweise mit MPX nicht funktionieren und auch viele weitere Details seien noch unfertig und bedürften weiterer Entwicklungsarbeit. Er selbst müsse die Arbeit aus Zeitgründen leider einstellen und ruft dazu auf, den Code weiterzuentwickeln. Wer nicht weiß, wie er beginnen soll, dem stehe Hutterer gern per E-Mail zur Verfügung.
MPX ist eine Änderung am X-Server. Während der in seiner bisherigen Version nur ein Keyboard und eine Maus zulässt, erlaubt die MPX-Technik den Einsatz mehrerer dieser Geräte. Derzeit ist es so, dass selbst zwei angeschlossene Zeigegeräte nur einen Mauszeiger steuern. Dies ist sinnvoll, wenn der Anwender zum Beispiel aus Ergonomiegründen eine Maus und einen Trackball nutzt. Mit aktiviertem MPX steuern zukünftig beide Zeigegeräte jeweils einen Zeiger unabhängig voneinander. Das gleiche gilt für Tastaturen. Diese können dann zeitgleich in verschiedenen Anwendungen schreiben. Wie man MPX auf dem eigenen System installiert und aktiviert, erfahren testwillige Linux-Nutzer auf der X.org-Homepage und auf einer Wiki-Seite.



