Gnucash ist die leistungsfähigste Open-Source-Software zum Verwalten privater Finanzen, Konto- und Wertpapierdepot-Inhaber haben so jederzeit die Übersicht. Durch den Gegencheck mit Kontoauszügen und dank doppelter Buchführung erkennt das Programm Fehlbuchungen sofort.
Ein oder mehrere Depots mit Aktien, Aktien-, Renten- und Immobilienfonds, festverzinslichen Wertpapieren in verschiedenen Währungen, dann das Girokonto und die Kreditkarte – bereits Normalverdiener haben Probleme damit, ihre Bankgeschäfte zu überblicken. Gnucash liefert eine übersichtliche Aufstellung der gesamten Vermögenswerte, aktualisiert Werte von Aktien, Fonds und Anlagen in Fremdwährungen aus dem Internet und kontrolliert alle Depot- und Kontoauszüge. Die freie Software stillt aber auch des Kontobesitzers verständliche Neugier daran, was mit seinen Einnahmen jeden Monat passiert.
Dem Artikel liegt die Ende Mai erschienene Version 1.8.4 von Gnucash auf einem Debian-Linux-3.0-System zugrunde. Die Version erweist sich im Test durchgängig als stabil. Negativ fällt auf, dass die Lokalisierung noch unvollständig ist (teilweise nicht übersetzte Einträge in Menüs). Wie beim Linux-Kernel zeigt auch bei Gnucash die zweite Ziffer in der Versionsnummer (hier die Acht), ob es sich um eine Entwicklerversion oder um eine stabile handelt. Eine Entwicklerserie 1.9 war zum Redaktionsschluss noch nicht gestartet.
Die wichtigsten Neuerungen in der 1.8-Serie von Gnucash sind die Unterstützung von Daueraufträgen mit Erinnerungsfunktion und terminierten Buchungen sowie des Homebanking Computer Information (HBCI-)Protokolls. Neu sind auch die Finanzbuchhaltung für kleine Unternehmen und das einfachere parallele Verwalten mehrerer Währungen.
Gnucash misst sich mit den etablierten Produkten
Trotz der dynamischen Entwicklung von KMymoney 2[1] bleibt Gnucash 1.8 das leistungsfähigste Open-Source-Finanzverwaltungsprogramm und braucht den Vergleich mit proprietären Alternativen wie Moneyplex ([2] und Artikel ab Seite 39), Moneydance oder dem mit Crossover Office unter Linux lauffähigen Klassiker Quicken nicht zu scheuen. Das rechtfertigt einen langen Artikel in diesem Linux-Magazin-Schwerpunkt.
Gnucashs Leistungsfähigkeit beim Verwalten von Girokonten und Depots sowie beim Onlinebanking manifestiert sich (noch) nicht bei geschäftlichen Prozessen: Obwohl Gnucash auch das Verwalten von Kunden- und Zuliefererdaten beherrscht und Rechnungen und Mahnungen verfertigen kann, ist der Bereich Finanzbuchhaltung für kleine Firmen recht fragmentarisch[3]. Dieser Artikel beschränkt sich daher vor allem auf den privaten Einsatz von Gnucash.
Installation
Gnucash ist derzeit in den meisten Linux-Distributionen in der Version 1.6.6 enthalten. Für Red-Hat-8-Nutzer liegt die aktuelle Version auf dem Gnucash-Server[4], in SuSE 8.2 ist Gnucash 1.8.0 enthalten, Debian-Unstable-(Sid-)Nutzer finden üblicherweise die aktuelle Version auf[5]. Nutzer anderer Distributionen erstellen mit »configure« und »make« die Pakete selbst aus dem Quellcode[6]. Das Archiv hat ein Größe von nahezu 7 MByte. Beim Entpacken mit
tar xvfz gnucash-1.8.4.tar.gz
entsteht ein »gnucash-1.8. 4«-Verzeichnis. Die darin enthaltene Readme-Datei gibt Aufschluss über die für ein erfolgreiches Kompilieren von Gnucash erforderlichen Pakete – beispielsweise Guile ab der Version 1.3.4 – und deren Bezugsquellen. Die meisten Pakete sind in aktuellen Distributionen enthalten und brauchen nur mit deren Paketverwaltung installiert zu werden.
Die in Debian 3.0 nicht oder in älterer Version enthalten Pakete sind »g-wrap-1.3.4« und »openhbci-0.9.6«. Debian-Gewöhnte kompilieren beide Pakete selbst und installieren sie in ein separates Verzeichnis, etwa »/opt/gnucash-1.8. 4«. Dann kann die Deinstallation durch bloßes Löschen dieses Verzeichnisses erfolgen. Da die Installation nicht als Superuser geschehen sollte und User in »/opt« meist nicht schreiben dürfen, führt Root für den Gnucash-User aus:
# mkdir /opt/gnucash-1.8.4 # chown User-ID /opt/gnucash-1.8.4
Unter der normalen User-ID wird G-wrap entpackt, kompiliert und installiert:
tar xvfz g-wrap-1.3.4.tar.gz cd g-wrap-1.3.4 ./configure --prefix=/opt/gnucash-1.8.4 make install
Das Gleiche mit der Openhbci-Bibliothek:
tar xvfz openhbci-0.9.6.tar.gz cd openhbci-0.9.6 ./configure --prefix=/opt/gnucash-1.8.4 make install
Als Letztes folgt Gnucash selbst:
cd gnucash-1.8.4 export LD_LIBRARY_PATH=/opt/Ugnucash-1.8.4/lib:$LD_LIBRARY_PATH ./configure --prefix=/opt/gnucash-1.8.4 --with-g-wrap-prefix=/opt/gnucash-1.8.4 --with-openhbci-prefix=/opt/gnucash-1.8.4 --enable-hbci make install
Die PATH-Umgebungsvariable wird mit
export PATH=/opt/gnucash-1.8.4/bin/:$PATH
gesetzt, danach startet Gnucash von der Kommandozeile mit »gnucash«.
Erste Schritte: Konten anlegen
Im Startup-Fenster wählt der Benutzer zwischen dem Assistenten-gestützten Anlegen neuer Konten, dem Import einer bestehenden Datei im Quicken-Format QIF[7] und einem Tutorial für neue Nutzer, das sich auch aus dem Hilfemenü von Gnucash starten lässt. Wählt er »Konten erstellen«, fragt ihn der Assistent nach Details und legt eine Reihe von Konten an. Jede der Angaben ist im Nachhinein editierbar.
Zunächst hat der Gnucash-User die Kontowährung auszuwählen; in Deutschland und Österreich wird das »Euro« sein. Als Beispiel für die anzulegenden Konten zeigt Abbildung 1 den Typ »Geldanlagen«, gewählt aus den verfügbaren Vorlagen. Im Fenster rechts unten sind jene Konten dargestellt, die aus dieser Vorlage automatisch erstellt werden. Sie setzt sich aus Konten für die Geldanlagen selbst (»Aktiva«) sowie Einkommen und Ausgaben zusammen.
Nachdem eine Vorlage gewählt und mit »Weiter« bestätigt ist, werden die Anfangsbestände der Konten eingegeben. In Abbildung 2 sind 5000 Euro der Anfangsbestand des Bausparvertrags. Normalerweise wird der Anwender später weitere Konten hinzufügen oder Konten löschen, was die Angabe eines Anfangsbestands in dieser Phase häufig schwierig gestaltet. Dennoch sollte mindestens ein Bestand seinen Weg in die Eingabemaske finden, damit Gnucash automatisch ein Konto für die Anfangsbestände anlegen kann.
Sobald der Rahmen des Kontos fertig ist, erscheint das in Abbildung 3 dargestellte Hauptfenster von Gnucash mit der gewählten Kontenvorlage. Alle Konten darin sind hierarchisch geordnet. Der Saldo eines Kontos in der Hierarchie entspricht der Summe der Saldi aller Konten, die in der Hierarchie unterhalb des Kontos stehen (der so genannten Unterkonten). Beispielsweise geht der Wert des Bausparvertrags in Höhe von 5000 Euro in das »Geldanlagen«-Konto ein, dieser in die »Aktiva«.
Die dritte und vierte Spalte unterscheiden sich nur, wenn die Geldanlage nicht in Euro, sondern in einer Fremdwährung beziehungsweise in Wertpapieren erfolgt und es einen Devisen- beziehungsweise Wertpapierkurs gibt. Dann zeigt die dritte Spalte der Wert in der Anlagewährung beziehungsweise als Wertpapierzahl, die vierte Spalte zeigt den in Euro umgerechnete Wert. Über den »Optionen«-Knopf im Hauptfenster ist konfigurierbar, welche Spalten das Hauptfenster darstellt.
Depotkonten
Angenommen der Anwender besitzt Aktien von der Lufthansa und Web.de und will dieses Depot mit Gnucash verwalten. Zunächst richtet er im Hauptfenster unter »Geldanlagen« ein neues Konto für das Aktiendepot ein. Dazu wählt er »Geldanlagen« und legt mit »Neu« ein Depot an. Bei »Kontoart« entscheidet er sich für »Depot«, bei »Hauptkonto« für »Geldanlagen« (siehe Abbildung 4). Das Feld »Bemerkungen« benutzt der Autor dieses Beitrags gern für Depotnummer und Kontaktdaten der depotführenden Stelle, damit alle Daten parat liegen, um schnell eine Verbindung aufnehmen zu können.
Im Depot ist je ein Konto für die Web.de- und Lufthansa-Aktien anzulegen. Dazu wählt der Anleger das »Depot«-Konto und drückt den Knopf »Neues Konto«. Klickt er im neuen Konto auf »Aktie/ Währung«, erscheint ein Auswahlfenster (Abbildung 5). Das Benutzen der Terminbörse Eurex hat nur dokumentierende Funktion. Per »Neu«-Knopf gelangt die Web.de-Aktie ins Depot.
Im »Neue Währung/Aktie«-Fenster (Abbildung 6) trägt der Aktienbesitzer das Tickersymbol in »Symbol/Abkürzung« ein. Über dieses Symbol ermittelt er beim Online-Update den aktuellen Wert der Aktie. Der Abschnitt “Online-Abruf von Aktien- und Fondskursen” beschreibt, wie man das Tickersymbol einer Aktie oder eines Fonds findet.
Anfangsbestände
Gnucash benutzt stets eine kaufmännische doppelte Buchführung, das heißt: Ein Betrag wird immer von einem Konto auf ein anderes Konto gebucht. Wird Geld angelegt, bucht es der Benutzer vom Konto »Einkommen« ins Anlagekonto. Zweckmäßigerweise legt er beim Konto »Einkommen« ein Unterkonto »Neuanlage« an.
Läuft eine Geldanlage aus, wird von der Geldanlage auf das Ausgabenkonto gebucht. (Das Ganze hat besonders dann Sinn, wenn Gnucash auch die Ausgabenseite komplett verwalten darf.) Besaß der Anleger schon vor Gnucash Aktien in seinen Depots, muss er sie als Anfangsbestände in seinem Programm verbuchen. Um beispielsweise 35 Web.de-Aktien einzutragen, öffnet er das Web.de-Depot mit Doppelklick. Im »Kassenbericht«-Fenster in Abbildung 7 gibt er unter »Buchen« und »Anfangsbestände« seine bereits vorhandenen 35 Anteile und den aktuellen Kurs als Preis ein. Nach diesen manuellen Eingaben bestimmt er den Wert des Anfangsbestands.
Öffnet er danach das Konto »Anfangsbestände« wieder durch Doppelklick, sind dort die Buchungen für den 5000-Euro-Anfangsbestand des Bausparvertrags, der beim Einrichten des Kontos angegeben wurde, und 176,25 Euro für die Web.de-Aktien (Abbildung 8) zu finden. Die Eingaben des Anfangsbestands über den Assistenten (wie beim Bausparvertrag) oder als explizite Buchung (wie beim Web.de-Konto) sind äquivalent.
Aktienkauf: Transaktionskosten verbuchen
Ähnlich ist das Vorgehen beim Kauf von Aktien. Erwirbt der Anleger zum Beispiel weitere 250 Web.de-Aktien, bucht er den Posten auf die gleiche Weise, nur gibt er »Einkommen/Neuanlage« als Buchen-Konto an. Besonders wenn man die Ausgabenseite berücksichtigt, sind zusätzlich die Transaktionskosten zu verbuchen. Dazu wird bei geöffnetem Einkommenkonto diese Buchung selektiert. Der Auswahlknopf »Mehrteilig« verknüpft weitere Buchungen damit.
Bei doppelter Buchführung sind die Transaktionskosten als negative Einnahmen zu bewerten (siehe Spalte »Kauf« und die Aktion-Zeilen »Kauf« in Abbildung 9) und als »Ausgaben/Bankgebühren« wie in Abbildung 10 zu verbuchen. Bisher ist der Wert des Depots in Gnucashs Hauptfester noch gleich dem vor dem Aktiennachkauf. Um ihn zu aktualisieren, müssen aktuelle Wertpapierkurse entweder abgerufen (siehe unten) oder eingegeben werden.
Online-Abruf von Aktien- und Fondskursen
Durch Kursschwankungen bei Aktien und Investmentfonds ändert sich fortlaufend der Wert eines Depots. Über das Backend »Finance::Quote«[8] ermittelt Gnucash den tagesaktuellen Wert eines Depots selbstständig – sofern gültige Online-Updatequellen in den einzelnen Konten eingetragen sind.
Die Online-Updatequellen werden über »Konto bearbeiten« aus dem Kontextmenü eines Kontos (rechte Maustaste auf das Konto im Hauptfenster) eingetragen. Die Abbildung 11 zeigt »Yahoo Europe« als Kursquelle für die Web.de-Aktien. Damit die Online-Abfrage funktioniert, muss für die Web.de-Aktie das korrekte Tickersymbol nach den Yahoo-Europe-Konventionen eingetragen sein (vergleiche Abbildung 6).
Das Tickersymbol ist auf einer europäischen Yahoo-Seite wie [http://de.finance.yahoo.com] zu finden, sobald man nach dem Namen »web.de« sucht. Das Tickersymbol im Xetra-Handel für die Web.de-Aktie ist »529650.DE« (Abbildung 12). Damit wird nun per Online-Update der Kurs identifiziert. Als Zeitzone ist die der Datenquelle einzutragen – hier Yahoo in London.
Abbildung 13 zeigt die von Gnucash zur Verfügung gestellten Online-Updatequellen. Wer in letzter Instanz wissen will, von welcher Internetseite die Informationen und damit das Tickersymbol kommen, muss den Perl-Quellcode des »Finance::Quote«-Moduls bemühen, das Gnucash als Backend verwendet.
Wer beispielsweise im »DWS.pm«-Modul von »Finance::Quote« nach http, sucht, der findet die Codezeile »http://www.dws.de/aktuell/dws”.$wday.”.csv« als Kurslieferantin für die Investment-fonds der Gesellschaft DWS. An anderer Stelle in »DWS.pm« ist zudem nachzulesen, dass »$wday« für Montag bis Freitag die Werte 1 bis 5 annimmt; so liefert zum Beispiel [http://www.dws.de/aktuell/dws.1.csv] die Kurse der DWS-Fonds vom letzten Montag und die passenden Tickersymbole.
Das Online-Update startet mit dem Knopf »Kurse abrufen« im Preiseditor des »Werkzeuge«-Menüs. Abbildung 14 zeigt den Preiseditor mit den aktuellen Kursen, Abbildung 15 das Hauptfenster mit dem aktuellen Wert des Web.de-Depots. Die 285 Web.de-Aktien haben bei dem abgerufenen Kurs von 5,91 Euro pro Aktie einen Wert von 1684,35 Euro. Der beschriebene Mechanismus erlaubt tagesaktuell den Überblick über den Wert der eigenen Geldanlagen.
Konten in Fremdwährungen
Gnucash kann auch Konten in Fremdwährungen verwalten und mit demselben Mechanismus wie beim Online-Update von Aktien- und Fondskursen die Wechselkurse aktualisieren. Das Anlegen eines US-Kontos mit US-Dollar als Währung erfolgt wie das Anlegen eines Depotkontos mit dem »Neu«-Knopf im Hauptfenster. In Abbildung 16 wurde als Kontoart »Währung« ausgewählt und als Währung »US Dollar«.
Da Wechselkurse jenseits des Euroraums schwanken, ist ein regelmäßiges Online-Update der Wechselkursliste anzuraten, wenn Gnucash einen Mix aus Fremdwährungs- und Euro-Konten zu verwalten hat. Die Wechselkurse kennt Yahoo in Großbritannien, was mit dem Eintrag für die Zeitzone »Europe/London« korrespondiert. Damit das Online-Update funktioniert, ist das Perl-Modul »Finance::Quote« in der Version 1.07 oder höher unabdingbar.
Kenntnis des Quellbetrags ist nicht zwingend
Bei Buchungen zwischen Konten mit verschiedener Währung erlaubt Gnucash die Angabe eines Wechselkurses und des Zielbetrags. Kennt der Anwender den Quellbetrag nicht, muss er die Buchung mit negativem Betrag von dem Ziel- auf das Quellkonto tätigen.
Abbildung 17 zeigt eine solche Überweisung über »Buchen« aus dem Kontextmenü des US-Kontos, bei der 100 US-Dollar zu einem Wechselkurs von 0,8415 Euro/US-Dollar ihren Weg vom dem auf Euro lautenden Girokonto auf das US-Konto finden. Nach der Eingabe des Wechselkurses zeigt das Buchungsfenster ganz unten sowohl diesen Kurs als auch den reziproken Kurs an.
Ausgaben, Einkommen und ein Girokonto
Gnucash verwaltet nicht nur die Geldanlagen, sondern auch die Ausgabenseite von Haushalten. Dazu sind Ausgabenkonten anzulegen. Für Aktienkäufe wurde bereits das Konto für »Bankgebühren« eingerichtet. Weitere Konten für Ausgaben entstehen über den »Neu«-Knopf. Ist das Konto »Ausgaben« im Hauptfenster gewählt, muss der Benutzer im »Neues Konto«-Fenster nur die Kontoart »Aufwendung« selektieren.
Abbildung 18 zeigt, wie auf diese Weise ein »Telefon & Internet«-Konto entsteht, hinzu kommen »Essen&Trinken«, »Wohnen« und »Sonstiges«. »Wohnen« hat zudem Unterkonten für »Miete«, »Nebenkosten«, »Möbel« und »Sonstiges«. Analog zu den Konten für Ausgaben lassen sich Konten für Einkommen erzeugen, beispielsweise das Einkommenkonto »Gehalt« (nicht zu verwechseln mit dem Gehalts-(Girokonto), das Gegenstand des nächsten Abschnitts ist). Abbildung 19 zeigt das neue Gehaltskonto.
Zuletzt werden ein Girokonto unter »Aktiva« und ein Konto für die Geldbörse angelegt. Abbildung 20 zeigt die entstandene Kontenstruktur im Hauptfenster von Gnucash. Zunächst wird der Kauf eines mit EC-Karte bezahlten Sofas für 1374 Euro gebucht. Abbildung 21 listet die Buchung vom »Girokonto« auf das Ausgabenkonto »Möbel«. Die 200 Euro vom Geldautomaten werden vom Girokonto auf die »Geldbörse« gebucht, die Gehaltszahlung (2000 Euro) vom Konto »Gehalt« aufs Girokonto.
Regelmäßige Buchungen
Für regelmäßige Buchungen wie Gehalt, Miet- oder Nebenkosten kennt Gnucash terminierte Buchungen. Eine Gehaltszahlung wird zur terminierten Buchung, wenn man im Kontorahmen für das Girokonto »Terminiert« im Kontextmenü (rechte Maustaste) der entsprechenden Buchung wählt. Im sich öffnenden Fenster ist die Option »Erweitert« für die Konfiguration der Buchung wie in Abbildung 22 zuständig.
Die wichtigsten Parameter sind Anfangsdatum und die Häufigkeit. Für die Gehaltszahlung wird der »28.06.2003« und »monatlich« angenommen. Es sind noch der Name der Buchung und der Buchungstext zu ändern. Der Name der Buchung erscheint in der Liste der terminierten Buchungen und sollte daher beispielsweise »Gehaltszahlung« sein. Der Buchungstext ist in jeder monatlich eingefügten Buchung identisch, bei »aktueller Monat« ist der Monat aus dem Buchungsdatum ableitbar.
Im »Optionen«-Feld wurde eingetragen, dass die Buchung automatisch erfolgt. Der »Seit letztem Aufruf«-Agent erzeugt alle terminierten Buchungen, die seit seinem letzten Lauf fällig sind. Der Agent startet automatisch beim Programmaufruf, er ist aber auch manuell über das Menü »Aktionen | Terminierte Buchungen | Seit letztem Aufruf« erreichbar.
Es ist auch möglich, die Buchungen einige Tage im Voraus einfügen zu lassen. Damit behält der Kontoinhaber die Übersicht über regelmäßige, in den nächsten Tagen anfallende Kontobewegungen. Zudem kann er sich bei jedem Lauf des Agenten detailliert anzeigen lassen, welche Buchungen eingefügt wurden (siehe Abbildung 23). Abbildung 24 zeigt eine Übersicht über alle terminierten Buchungen, nachdem noch Daueraufträge für Miete und Nebenkosten in gleicher Weise hinzukamen. Die Ausführungstermine sind gelb im Kalender markiert.
HBCI-Konten
Mit der Version 1.8 unterstützt Gnucash OpenHBCI. Eingerichtet wird ein HBCI-Konto unter »Werkzeuge«. Dann erfolgt die Verknüpfung des Kontos mit dem zugehörigen Girokonto. Neben dem Abholen der Kontoauszüge (siehe nächster Abschnitt) kann der Online-Kontoinhaber in »Aktionen | Online-Aktionen« auch Überweisungen tätigen. Gnucash überträgt sie gleich in seinen Konto-Datenbestand.
Kontoabgleich
Mit dem Kontoabgleich checkt Gnucash die Konto- und Depotauszügen sowie Kreditkarten-Abrechnungen mit seinem Datenbestand. Sendet die Bank einen Kontoauszug fürs Girokonto, startet der Benutzer den Kontoabgleich beispielsweise im Kontextmenü (rechte Mausklick auf das Girokonto im Hauptfenster) per »Abgleichen«. Dann gibt er im »Girokonto-Abgleichen«-Fenster die Daten des Kontoauszugs sowie Datum und Schlusssaldo ein und bestätigt.
Abbildung 25 zeigt den Abgleichvorgang. Jede vom Kontoauszug gelieferte Position erhält im Abgleichfenster einen grünen Hacken. Ist am Ende des Abgleichvorgangs alles okay, erscheint eine Differenz von null und der »Fertig«-Knopf wird aktiv. Sind aber über das Girokonto unautorisierte Abbuchungen gelaufen, zeigt das Abgleichfenster keinen Eintrag für diese Buchung, was sofort auffällt und bei der kontoführenden Bank reklamiert werden kann.
Wer ein HBCI-Konto eingerichtet hat, wird Kontoauszüge natürlich online abholen und Umsätze und Saldo nicht abtippen. Dazu besitzen HBCI-Konten im »Aktionen«-Menü den Punkt »Online-Aktionen«. Das weitere Vorgehen entspricht dem beim Kontoabgleich.

Abbildung 22: Terminierte Buchung erstellen. Die wichtigsten Parameter sind Anfangsdatum und Häufigkeit.
Berichte
Gnucash fertigt bei Bedarf Berichte, die Vermögen, Ausgaben und Geldfluss vielgestaltig dokumentieren. Sobald man im Menü etwa »Berichte | Erträge&Aufwendungen | Aufwendungen Tortendiagramm« wählt, öffnet sich im Hauptfenster eine zweite Ansicht: »Aufwandskonten«. Abbildung 26 zeigt diese Ansicht mit der Verteilung der Aufwendungen. Hinter dem »Optionen«-Knopf verbergen sich Einstellungen für Tortendiagramme, beispielsweise die Verschachtelungstiefe angezeigter Konten. Bei Abbildung 26 ist es die Standard-Verschachtelungstiefe »2«: Konten der Ebene 2, zum Beispiel »Aufwendungen | Wohnen«, enthalten auch ihre Unterkonten.
Konfigurierbar ist, welche Konten der Bericht in welchem Zeitraum berücksichtigt. In Grenzen lassen sich auch Parameter spezifizieren, die das Layout des Diagramms beeinflussen, etwa Breite, Höhe und die maximale Zahl der Segmente im Tortendiagramm. Obwohl das Layout der Diagramme gelegentlich mangelhaft ist, sind die Informationen in der Regel gut les- und interpretierbar.

Abbildung 24: Übersicht über terminierte Buchungen. Die Ausführungstermine sind im Kalender gelb markiert.

Abbildung 26: Verteilung der Aufwendungen. Eingestellt ist die Standard-Verschachtelungstiefe »2«, die auch Unterkonten einbezieht.
Fazit und Informationen
Mit Version 1.8 macht Gnucash einen großen Schritt und spielt fortan in der Liga von Moneyplex und Quicken. Gnucash verwaltet Giro-Vorgänge und Depots, was dank doppelter Buchführung, terminierter Buchungen, HBCI und Online-Wertpapierkursen gut gelingt.
Der Artikel konnte nur einen ersten Einblick in seine Funktionsvielfalt geben. Zum Weiterlesen eignet sich die Dokumentation auf Gnucashs Homepage[9], die auch als Archiv im Download-Bereich[10] liegt. (Die Versionsnummern der Dokumentation sind aber nicht identisch mit denen der Software!) Neben englischsprachigen Mailinglisten für Benutzer und Entwickler[11], gibt es seit Januar 2003 auch eine aktive deutsche Mailingliste[12]. (jk)
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Infos |
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[1] KMymoney2: [http://sf.net/projects/kmymoney2/ ] [2] Th. Drilling, ” Heimspiel – HBCI mit Moneyplex”: Linux-Magazin 10/01, S. 54 [3] Gnucash für die Finanzverwaltung kleiner Firmen: [http://lwn.net/Articles/16833/] [4] Gnucash-RPMs: [http://www.gnucash.org/pub/gnucash/redhat-8.x/] [5] Gnucash-DEBs: [http://packages.debian.org/cgi-bin/search_packages.pl?keywords= gnucash&searchon=names&subword= 1&version=unstable&release=all] [6] Gnucash-Quellen: [http://www.gnucash.org/pub/gnucash/sources/stable/] [7] Quicken: [http://www.quicken.de] [8] Backend für Online-Updates: [http://finance-quote.sourceforge.net] [9] Gnucash-Homepage: [http://www.gnucash.org] [10] Gnucash-Dokumentation: [http://www.gnucash.org/pub/gnucash/sources/stable/gnucash-docs-1.8.1.tar.gz] [11] Mailingliste für Entwickler: [gnucash-devel@gnucash.org], Mailingliste für Benutzer: [gnucash-user@gnucash.org] [12] Deutschsprachige Mailingliste: [gnucash-de@gnucash.org] |




























