Open Source im professionellen Einsatz

Das einzig wahre Linux-Handy.

Ich geb es zu, ich bin kein neutraler Tester mehr. Nokias N900 hat mich völlig verdorben. Zwei Wochen lang war ich der glückliche Besitzer, Kollegen und Freunde bettelten, um sich das Gerät mal für ein, zwei Stunden ausleihen zu dürfen. Nur neidvolle Blicke blieben ihnen, als Sie es mir zurückgeben mussten.
Richtig: Es geht um Nokias sagenumwobenes Linux-Handy. Ein echtes Debian-Gerät, kein degeneriertes oder verbrandetes Java- oder Web-OS, kein Multitouch für effektverliebte Macintosh-Rubinsammler, aber dafür Apt-get, ein Terminal, SSH und die X-, KDE- oder Gnome-Anwendungen vom Desktop-PC auf dem Handy-Display. Wow.
Der Mini-Monitor mit seinen 800x480 Pixeln setzt neue Standards an Farbe und Brillanz, und wer mal eben die Freunde mit ihren I-Phones neidisch machen will, der zeigt Ihnen, wie 3D-Spiele mit der mobilen Variante von OpenGL aussehen. Ach ja, Multimedia. Das Handy kann schon im Standardsetup mit seinem 600 MHz-ARM-Prozessor DivX-Filme von seiner 32 GByte großen eingebauten "Festplatte" /dev/sda abspielen, die Codecs sind eingebaut. Nach zwei Stunden DVD-Qualität ist der Akku immer noch halb voll, der Video-Abend also vielleicht schon mit dem Handy gerettet. Video- und Audio-Out sind natürlich selbstverständlich, dank mitgeliefertem Standard-Cinch-Adapter (gelb, weiss, rot). Oder soll der Sound lieber per UKW-Sender aus dem Autoradio kommen? Alles eingebaut.
Und wie konvergente Kommunikation funktioniert, zeigt Nokia gleich mit. Kontakte aus fast beliebigen Quellen lassen sich zusammenführen, Unterhaltungen medienübergreifend (Chat, SMS,...) als Thread anzeigen, überall kann das Gerät Bilder und Metainformationen dazu speichern. Und das Beste ist: Wer die Vorgänger kennt, der weiß, was da noch alles von der Community an Software kommen wird. Schon beim N800 und N810 gab es innerhalb weniger Monate fast alles, was der mobile Anwender braucht, hoffentlich bald auch Syncml über IP und nicht nur lokal am PC.
Ob Nokia mit seinem Shop-Konzept Erfolg hat spielt angesichts der aktiven Community wahrscheinlich eh keine Rolle. Kostenlose Navigationssoftware ist im N900 übrigens auch schon enthalten, dazu noch eine echte Tastatur, mit der sich innerhalb kürzester Zeit auch Linux-Magazin-Redakteure mit ungeschickteren Fingern zurecht finden.
Wirklich schwierig, hier neutral zu bleiben...

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