Open Source im professionellen Einsatz

Moblin ist toll. Oder nicht?

Heute lade ich mir das neue Moblin 2.1 herunter. Auf den IT-Sites und Blogs im Internet gibt es dazu genügend Lob, dass ich mir denke, das neue Release könnte die Probleme gelöst haben, die mein Netbook mit älteren Moblin-Versionen hatte. Also das Image heruntergeladen, auf einen USB-Stick geschrieben und gebootet. Und tatsächlich zeigt es nun auch auf meinem Netbook ein WLAN an, der Treiber scheint also zu funktionieren. Ein Klick auf "Connect" und die GUI fordert zur Eingabe der WPA-Passphrase ein. Ich tippe sie ein und klicke "OK". Funktioniert aber leider nicht, vermutlich habe ich mich vertippt. Blöderweise komme ich aber nicht zurück zur Eingabe, denn Moblin hat die Passphrase gespeichert.

Nach ein bisschen Überlegen komme ich darauf, das rote Kreuz auf der rechten Seite anzuklicken. Ein Dialog öffnet sich, der mich fragt "Do you really want to remove the wifi network? This will forget the password ..". Sehr gut, also richtig geraten. Bei den ersten Versuchen bleibt der Dialog einfach stehen, egal ob ich "Ok" oder "Cancel" drücke, bei den anderen verschwindet er zwar, aber offensichtlich passiert nichts. Das Programm versucht immer weiter, sich zu verbinden. Ein Blick ins Logfile zeigt mir schließlich: "r8190: Setting SW wep key".

Aha, WEP .. ich habe aber doch ein WPA-Netz! An der Stelle breche ich ab, denn für weiteres Forschen ist mir meine Zeit zu schade. Auf den einschlägigen Sites lese ich "Der Connection-Manager kommt neben Ethernet- und Wifi- auch mit Wimax und 3G-Geräten klar." Gewissermaßen *der* Netzwork-Allrounder, fast wie ein Cisco-Router. Wie genau er mit denen "klarkommt" ist mir nach meinen Erfahrungen nicht ganz klar, funktionieren tut es jedenfalls nicht.

Der allgemeinen Begeisterung über das GUI-Neuland, das Intel mit Moblin betritt, tut das keinen Abbruch. Da reicht es schon, auf einer rechteckigen Fläche ein paar Widgets anzuordnen und die Menge jubelt. Die Icons am oberen Rand des Bildschirms haben jede Metaphorik hinter sich gelassen, anhand deren man sich ihre Funktion erschließen könnte oder sich an sie erinnern könnte. Zwei konzentrische Kreise stehen für Internet, eine Tortengrafik für das Pasteboard. Kreis, Pluszeichen und Tortenstück bedeutet "Applikationen", und eine gepunktete Linie schließlich "Netzwerk". Es muss schon sehr erfrischend sein, sich von allen Konventionen zu verabschieden. Gut, ich übertreibe, die beiden Umrisse von Menschen stehen tatsächlich für "People". Was lese ich in den Rezensionen? "Zusätzlich wurde die Clutter-Oberfläche überarbeitet und die Lokalisierung erweitert und verbessert." Dass manche Dialoge auf dem Bildschirm kleben bleiben, weil die Buttons nicht funktionieren? Davon ist nichts zu lesen, dazu müsste man die Software vermutlich ausprobieren.

Wieso sind eigentlich fast alle Artikel zu Linux-Software nur affirmativ? Funktioniert alles so gut, dass es nichts zu monieren gäbe? Vermutlich ist es einfach zu aufwändig, so eine Linux-Live-Distribution herunterzuladen und zu booten, von einer Installation auf Festplatte ganz zu schweigen. Stattdessen werden Pressemeldungen und Absichtserklärungen wiedergegeben.
"Intel greift mit Moblin Windows an" kann man da lesen "Moblin: Intels perfektes Netbook-Betriebssystem?" und so weiter. Brav referieren die Artikel die Release Notes, "ein neuer Media-Player wurde integriert". Spielt der auch irgendwelche relevanten Formate ab? Keine Ahnung, ist das denn so wichtig? Aber ein Ausblick auf die Zukunft fehlt nicht, da "soll Moblin dann gar Unterstützung für UMTS und Bluetooth" mitbringen. Die Icons dafür gibt es nun ja tatsächlich. Ob es aber auch funktioniert, müssen Sie leider selbst ausprobieren.

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