Anonyme Methoden
Linux-Magazin Online: Neben den bekannten Features unterstützt du noch "Generics" und "Lambda-Ausdrücke". Was waren deine Beweggründe Lambda-Ausdrücke in Vala einzubauen?
Jürg Billeter: Ich möchte hier zunächst anmerken, dass Valas "Lambda-Ausdrücke" im Moment erst anonyme, innere Methoden und noch keine vollwertigen "Lambda-Ausdrücke" sind. Das heißt, dass lokale Variablen der übergeordneten Methode nicht direkt verwendet werden können. "Lambda-Ausdrücke" können nützlich sein, um zum Beispiel Signal-Handler kompakter und einfacher zu implementieren.
Linux-Magazin Online: Welche Kenntnisse benötigt man um Unterstützung für Bibliotheken zu schreiben? Es gibt ja bereits ein Vielzahl. Ist es schwierig? Was muss man beachten?
Jürg Billeter: Es gibt hierzu, wie zum Beispiel auch für C# und Python, einen Generator, welcher aus dem Quellcode einer GObject-basierten Bibliothek eine API-Definition für Vala generiert. Dabei können, unter anderem von der Qualität des Quellcodes der Bibliothek abhängig, kleinere oder größere Fehler auftauchen, welche manuell korrigiert werden müssen. Im Wiki hat es eine relativ ausführliche Anleitung. Wir arbeiten an Gobject-Introspection, um viel zuverlässiger qualitativ hochwertige Bindings für Vala und auch andere Sprachen erstellen zu können.
Linux-Magazin Online: In der Regel sind es nur ein paar Zeilen, die man schreiben muss?
Jürg Billeter: Ja, wenn alles klappt, ist es ziemlich einfach.
Ausblick
Linux-Magazin Online: Ist Vala schon einsatzfähig, oder gibt es noch größere Mängel? Welche Zukunftspläne gibt es für Vala?
Jürg Billeter: Der generierte Code ist ziemlich solide, dies ist auch notwendig, da der Vala-Compiler selbst in Vala geschrieben ist. Ein Hauptproblem ist die nur minimal vorhandene Dokumentation. Die initiale Dokumentation werden wir selber schreiben, da dies für uns am einfachsten geht. Es gibt auch noch keine Stabilitätsgarantien der Sprache oder der Bindings, aber dies möchten wir in naher Zukunft ändern.
Linux-Magazin Online: Welche Teile der Syntax sind noch nicht dokumentiert, die die Einarbeitung behindern?
Jürg Billeter: Es fehlt eine komplette Sprachreferenz, die Syntax ist nur in Bezug auf ein paar wichtige Teile im Vala-Wiki dokumentiert. Ich bin aus zeitlichen Gründen noch nicht weit gekommen. Eine Programmiersprache muss aber eine Sprachreferenz haben, auch zum Aufzeigen von Stabilität. Wir sind sehr an Feedback interessiert. Wenn jemandem etwas an Vala nicht gefällt, möchten wir das lieber so früh wie möglich wissen, als dass er sich von Vala einfach wieder abwendet.
Linux-Magazin Online: Wie viele Zeilen hat Vala momentan? Wie leicht ist der Einstieg, falls man mitmachen möchte? Welche Kenntnisse außer GObject sind erforderlich?
Jürg Billeter: Der Vala-Compiler besteht zur Zeit aus circa 30.000 Zeilen Code, davon sind 4.000 in C (Bison-Parser), der Rest ist Vala. Es ist also keine ganz so kleine Codebasis mehr, aber es ist einigermaßen gut strukturiert. Wir arbeiten noch an weiterem Refactoring. Grundkonzepte von Compiler-Design sind sicher vorteilhaft, um den Aufbau schneller zu verstehen.
Linux-Magazin Online: Was ist für die nächste Version (0.1.5) geplant?
Jürg Billeter: Ein neuer C-Parser für die Bindings und vor allem die Erweiterung der Dokumentation und Korrektur von Fehlern. Größere neue Features sind für den Moment nicht geplant. (mhu)
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