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Abwarten und Tee trinken

Ist man den Forderungen nachgekommen, löst das Installationsskript sämtliche Paketabhängigkeiten auf. Bei einem jungfräulichen Ubuntu 9.04 saugt es dazu ungefähr 319 MByte aus dem Internet, die Festplatte ist anschließend um fast 700 MByte voller. Je nach Geschwindigkeit der Internetanbindung kann man sich jetzt schon in Ruhe eine Tasse Tee aufbrühen. Während er zieht, meldet sich kurz die Postfix-Konfiguration. Wer den Mail Transfer Agent jetzt nicht vollständig einrichten möchte, kann die Postzustellung vorerst auf das lokale System beschränken ("Nur lokale").

Ein paar Minuten später braucht das Installationsskript erneut Sudo-Rechte, um Apache 2 zu installieren. Ist auch das geschehen, initialisiert es ein Bazaar-Repository und zieht den Entwicklerzweig des Launchpad-Repositories. Dabei wandern noch einmal fast 280 MByte über die Datenleitungen. Wie lange dies dauert, lässt sich aufgrund der extrem schwankenden Übertragungsraten des Launchpad-Servers nur schwer bis gar nicht voraussagen. Irgendwann fragt das Installationsskript wieder nach dem "sudo"-Passwort, führt danach noch weitere Downloads durch und löst schließlich alle noch verbliebenen Abhängigkeiten des Quellcodes auf. Dabei scheint es immer mal wieder so, als sei der Rechner eingefroren. Das Ende der gesamten Downloadorgie verkündet eine Auflistung mit nützlichen Hilfsskripten.


Das Ende der Kopierorgie - aber nicht das der Installation - verkündet diese Aufstellung der zur Verfügung stehenden Hilfsskripte. "rocketfuel-get" hält Launchpad beispielsweise auf dem aktuellen Stand.

Innerhalb von "~/launchpad" sollten jetzt die zwei Unterverzeichnisse "lp-branches" und "lp-sourcedeps" existieren. Fehlt letzteres, schickt man noch die folgenden zwei Befehle hinterher:

./lp-branches/devel/utilities/rocketfuel-get
./lp-branches/devel/utilities/link-external-sourcecode

Damit steckt jetzt in "lp-branches" der Launchpad-Quellcode, während "lp-sourcedeps" die Abhängigkeiten, also im Wesentlichen alle Bibliotheken von Drittanbietern enthält.

Datentresor

Als nächstes gilt es, Launchpad in Betrieb zu nehmen. Dazu wechselt man ins Verzeichnis "lp-branches/devel" und bereitet per "./utilities/launchpad-database-setup $USER" die benötigte Postgres-Datenbank vor (das "$USER" ist übrigens nicht etwa zu ersetzen, sondern gehört wörtlich zum Befehl). Das Hilfsskript geht allerdings ziemlich rabiat zu Werke, indem es einfach alle vorhandenen Datenbanken wegwirft und die nun wieder jungfräuliche Umgebung exklusiv für Launchpad einrichtet. Wer seine Datenbanken behalten möchte, folgt daher besser der Anleitung aus dem Kasten "Sichere Datenbankeinrichtung".

Sichere Datenbankeinrichtung

Wer seine Postgresql-Datenbanken behalten möchte, verwendet anstelle des Hilfsskripts "launchpad-database-setup" folgende Prozedur:

Sofern man noch eine ältere PostgreSQL-Version bis 8.2 betreibt, hält man diese zunächst an. Im Fall von PostgreSQL 8.2 beispielsweise per

sudo -u postgres pg_ctlcluster 8.2 main stop

Jetzt stellt man sicher, dass alle existierenden PostgreSQL Cluster nicht auf Port 5432 lauschen. Dazu öffnet man in jedem Unterverzeichnis von "/etc/postgresql/<version>/" die Datei "postgresql.conf" und setzt in ihr die "port = "-Angabe auf einen von 5432 verschiedenen Wert, also beispielsweise 5433, 5434, etc.

Nachdem die alten Datenbanken in Sicherheit gebracht wurden, kann man sich der vom "rocketfuel"-Installationsskript eingespielten PostgreSQL Version 8.3 zuwenden. Dort wirft man zunächst die Standarddatenbank über Bord und erstellt sie mit der von Launchpad eingeforderten Locale neu:

sudo pg_dropcluster 8.3 main --stop-server
LC_ALL=C sudo pg_createcluster 8.3 main --start --encoding UNICODE

Sofern man bereits die Standarddatenbank von PostgreSQL 8.3 für eigene Zwecke verwendet, sollte man die darin enthaltenen Daten besser vorher umtopfen, selbst dann, wenn die Locale bereits passt.

Im nächsten Schritt fügt man am Anfang der Datei "/etc/postgresql/8.3/main/pg_hba.conf" die folgenden Zeilen hinzu:

local all all   trust
local all all 127.0.0.1/32 trust

Damit erhalten alle Benutzer des Computers vollen Zugriff auf PostgreSQL. Das gleichzeitig entstehende Sicherheitsrisiko erzwingt Launchpad leider. Wer es nicht eingehen kann, muss bei Canonical um individuelle Hilfe bitten.

Weiter geht es mit der Datei "/etc/postgresql/8.3/main/postgresql.conf". In ihr setzt man die folgenden Einstellungen beziehungsweise kommentiert sie aus:

search_path='"$user",public,ts2'
add_missing_from=off
#enable_seqscan=on
log_statement='all'
log_line_prefix='[%t] %q%u%d '
fsync = off
max_fsm_relations = 2000

Mit den neuen Einstellungen fährt man den PostgreSQL Server (wieder) hoch:

sudo invoke-rc.d postgresql-8.3 restart

Abschließend stellt man noch sicher, dass der PostgreSQL Standardbenutzer Superuser-Rechte besitzt:

sudo -u postgres dropuser $(id -un)
sudo -u postgres createuser -s -d $(id -un)

Eine etwaige Fehlermeldung des ersten Befehls darf man ignorieren.

Anschließend erstellt "make schema" das notwendige Datenbankschema, was eine weitere Tasse Tee beschert. Damit sind nun endgültig alle Vorbereitungen abgeschlossen. Das Launchpad-System startet auf das Kommando "make run".

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