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Project Photos

Überblick über Projektvorstände bei Fedora, Opensuse und Debian

Vorstandsetagen

von Anika Kehrer
 

Wie besetzen Red Hat alias Fedora, Novell alias Opensuse und Debian ihre Projekt-Boards? Wer werkelt zur Zeit an offiziellen Positionen der freien Distributionen und welche Aufgaben kommen diesen Gremien zu? Anlässlich der jüngsten Neubesetzung bei Fedora vor einige Tagen gibt dieser Artikel einen Überblick über die derzeitige Projekt-Vorstandslandschaft der drei freien Distributionen.

In einer Gruppe ist ein Vorstand oder zumindest ein Sprecher ab einer gewissen Anzahl Teilnehmer nötig, um zielführend zusammenarbeiten zu können. Aber wer gibt die Ziele vor? Und wie rekrutiert ein Projekt seinen Vorstand? Bei unternehmensgestützten Projekten, die sich auf ein freies Entwicklungsmodell berufen, ist zudem die Frage naheliegend, wie unabhängig das Team an der Spitze und damit der ganze Rest tatsächlich arbeitet. Wahlen begegnen recht häufig in den News - hier ein Überblick, wer was macht.

Eifriges Fedora: Europa-Gesandter, Projektleiter und Vorstand

Das 2003 entstandene Fedora-Projekt hat seit Frühjahr 2006 (ab Fedora Core 5) ein "Project Board", also einen Vorstand. Jedes Vorstandsmitglied behält seinen Posten für zwei Major-Releasezyklen der Distribution. Damit standen zuletzt Mitte 2008 Wahlen und Ernennungen an, als Fedora 9 erschien, und nun im Anschluss an das neue Fedora 10 von November 2008.

Die jüngsten Veränderungen im Fedora-Board gingen dieser Tage über die Announce-Mailingliste. Diesmal waren Ernennungen dran. Red Hat machte Dimitris Glezos und Christopher Aillon. Aillon ist bei Red Hat angestellter Browser-Entwickler, während Glezos anscheinend freier Entwickler ist, der sich besonders als Fedora-Dokumentierer profiliert hat.

Fedora

Der Vorstand von Fedora ist für alle operativen Entscheidungen einschließlich Budget und Strategie verantwortlich. Das Fedora-Wiki hat auch zum Vorstand eine deutsche Seite eingerichtet. Der von Red Hat bezahlte Fedora-Projektleiter (FPL) fungiert als Vorstandsvorsitzender ("Chairman") mit Vetorecht. Der FPL sucht außerdem die ernannten Vorstandsmitglieder aus einer Liste Nominierter aus, die Red Hat zuvor aufstellte. Allgemein heißt es, der FPL soll die Rolle eines Vermittlers zwischen Vorstand und Community einnehmen.

Balance-Halter

Glezos ist der 'Balance-Halter', den Red Hat erst nach der Community-Wahl bekannt gegeben hat. Denn abhängig vom Ausgang der Wahlen wird der letzte Ernennungsposten erst im Anschluss besetzt, damit Red Hat die 'Balance der Fähigkeiten gewährleisten könne', wie es sinngemäß in der Fedora-Ablaufbeschreibung heißt. Die anderen beiden ernannten Mitglieder sind seit Juli 2008 Harald Hoyer von Red Hat und Chris Tyler, der an einem kanadischen College Programmierung lehrt. Damit ist die Ernannten-Gruppe paritätisch mit Red-Hat-Mitarbeitern und nicht-Red-Hat-Mitarbeitern besetzt, während bei den Gewählten vier der fünf ihr Geld bei Red Hat verdienen.

Das aktuelle Fedora-Vortandsgremium beschreibt seine Mitglieder auf einer eigenen Wiki-Seite, auf der aber die neuesten Zugänge noch fehlen. Als gewählte Mitglieder traten zuletzt im Dezember 2008 der Dell-Entwickler Matt Domsch (wiedergewählt seit April 2006) und Bill Nottingham hinzu. Nottingham arbeitet seit 1998 bei Red Hat und war vor seiner Wahl ernanntes Vorstandsmitglied. Seit Juli 2008 amtieren die drei anderen gewählten Mitglieder, alle bei Red Hat angestellt. Seth Vidal war zuvor ebenfalls ernanntes Mitglied und davor wiederum bis zum Ende der ersten Wahlperiode im April 2007 gewähltes Mitglied. Vierter im Bunde ist Engineering-Manager Tom Callaway, und der letzte Gewählte ist Jesse Keating, Release-Manager bei Red Hat.

Der FPL ist seit Februar 2008 Paul W. Frields. Der bisherige Projektleiter Max Spevack wechselte in eine andere Position bei Red Hat, in der er ebenfalls bezahlte Community-Arbeit betreibt: Seit März ist er eine Art Europa-Gesandter von Red Hat für die Community.

Der neue Projektleiter Frields veränderte im Mai 2008 die Stimmengewichte im Fedora-Vorstand, sodass die gewählten Mitglieder fortan eine Person mehr sind und damit die Stimmenmehrheit haben. Der Fedora-Vorstand hat also wie vor neun Vorstands-Mitglieder, davon sind aber fünf durch die Community gewählte und nur vier von Red Hat ernannte. Im Fedora-Projekt kann jeder wählen, der die Contributor Licence Agreement unterschrieben hat. Die Wahlkandidaten präsentieren Ziele und Backround auf einer Wahl-Wikiseite. Gewählte Vorstandsmitglieder sind immer Community-Mitglieder, während Red Hat bei den ernannten Mitgliedern auch auf Red-Hat-Mitarbeiter zurückgreifen kann.

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