© Münchener Rück, München
Green IT in der Praxis eines Rechenzentrums
Praktische Schritte ins Grüne
von Mathias Huber
25.01.2008
Seit die Green-IT-Welle ausgerufen wurde, wimmeln Internet und Zeitschriften vor Tipps zum Energiesparen. Welche Maßnahmen sind jenseits des Langlauf-Tunings für das Privat-Notebook, im Alltagsbetrieb eines Rechenzentrums, praktikabel? Ein Gespräch mit Karlheinz Eberhardt, der bei Münchener Rück für rund 1000 Server verantwortlich ist.
Karlheinz Eberhardt ist Leiter Server Services bei der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Er ist Herr über rund 1000 Server unter Linux, Windows und HP-UX. Linux-Magazin Online hat sich mit ihm darüber unterhalten, wie sich Green IT in der Praxis eine Rechenzentrums umsetzen lässt.
Linux-Magazin Online: Herr Eberhardt, wie sieht es in Ihrem Rechenzentrum mit der "Green IT" aus, die derzeit in den Medien beworben wird?
K. Eberhardt: Energiesparen ist kein neues Thema. Zum Beispiel hat die Münchener Rück ein einziges zentrales Rechenzentrum. Es gibt zwar noch ein Desaster-Recovery-Zentrum, im Wesentlichen ist es aber ein großes Rechenzentrum. Wir hatten auch noch niemals verteilte Systeme, wir hatten von Anfang an zentrale Fileserver-Systeme und haben schon in den 90er Jahren auf SAN gesetzt, um eine Optimierung von Ressourcen zu erreichen. Das ist auch, was wir unter Green IT verstehen: Den effizienten Umgang mit den Ressourcen.
Dabei spielt aus unserer Sicht Virtualisierung die wesentliche Rolle: Zum einen führen wir mehrere Systeme auf einer Hardware zusammen, zum anderen können wir dank Virtualisierung die gleiche Hardware für Linux und Windows verwenden - das ist auch einer der Gründe, warum wir uns von HP-UX und den PA-Risc- sowie Itanium-Maschinen verabschieden.
Die Stromrechnung wird es zeigen
Linux-Magazin Online: Hat sich das Energiesparen schon gelohnt?
K. Eberhardt: Das Virtualisierungsprojekt, Mitte Oktober 2007 gestartet, soll sich nach 14 Monaten durch Einsparungen amortisiert haben. An den Stromstatistiken sehen wir bereits einen Effekt.
Im Rahmen des Projekts haben wir bereits 200 Systeme virtualisiert, insgesamt sollen es 500 auf 20 physikalischen Systemen werden. Dazu verwenden wir Vmware ESX-Server auf Racksystemen mit 64 GByte Arbeitsspeicher und vier Sockeln mit Quadcore-Intel-Prozessoren. Einige Rechner konnten wir dadurch bereits abbauen, andere laufen noch weiter, bis die Umstellung abegschlossen ist. Wir gehen davon aus, dass wir innerhalb von 5 Jahren 6 Mio KWh Strom einsparen, pro Jahr etwa 1,2 Mio KWh.
Linux-Magazin Online: Haben Sie sich auch mit den Stromspar-Mechanismen moderner Prozessoren und Kernel-Optimierungen beschäftigt?
K. Eberhardt: Damit haben wir uns auch befasst, wir sehen aber den größten Nutzen in der Virtualisierung, dem Ausnutzen der Rechnerleistung bis zu einem vertretbaren Grad. Das sehe ich ähnlich wie im Nahverkehr: Ein Bus, der den ganzen Tag hunderte Passagiere befördert, ist immer effizienter als der Individualverkehr mit dem Privat-Pkw - da kann das eigene Auto noch so umweltfreundlich hergestellt sein. So ist es auch bei großer Hardware mit vielen virtualisierten Systemen. Unter den Software-Herstellern ist übrigens die Firma SAP eine glorreiche Ausnahme, indem sie mittlerweile die Virtualisierung offiziell unterstützt. Die Softwareindustrie im allgemeinen hat die Virtualisierung aber noch nicht entdeckt.
Bei der Anschaffung neuer Systeme achten wir allerdings auch auf die anderen Einsparmöglichkeiten, etwa durch den Wirkungsgrad der Netzteile.

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Karlheinz Eberhardt ist Leiter Server Services bei der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.
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Frischer Wind fürs Rechenzentrum
Linux-Magazin Online: Bemerken Sie auch sinkenden Bedarf an Lüftung/Kühlung?
K. Eberhardt: Wenn wir viele Systeme und Racks abbauen, kann sich der Luftstrom im Rechenzentrum auch ungünstig verändern. Wir verfolgen das mit Wärmebild-Kameras, um Hotspots aufzufinden. Demnächst wollen wir überprüfen, ob unsere Aufstellung noch optimal ist.
In der Vergangenheit hat sich die Optimierung des Luftstroms und damit der Klima-Leistung auf neue Rechenzentren konzentriert, nun kommen auch bestehende Anlagen ins Blickfeld. Jetzt bieten Hersteller wie HP, IBM oder Fujitsu-Siemens so etwas als Dienstleistung an.
Mittlerweile kann man ein Rechenzentrum als Simulationsmodell nachbauen, mit der genauen Größe, den Rechnern und den Klimaanlagen, bis hin zu den Schlitzen in den Bodenplatten. Auf diese Weise kann man ein Modell des Luftdurchflusses erstellen und davon ableiten, was man verändern muss, um die Temperatur der Klimaanlage um ein paar Grad anheben zu können. So etwas fördert auch die Zusammenarbeit mit dem Facility-Management, das Räume und Strom zur Verfügung stellt. Bei uns funktioniert das gut, in vielen Firmen ist das leider nicht selbstverständlich.
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