Quelle: Opensuse.org
Opensuses Community-Manager Jos Poortvliet zur Strategie-Diskussion
"Strategien sind blöd"
von Anika Kehrer
08.09.2010
Das Strategie-Team von Opensuse hat in den Opensuse-News einen Reboot der Diskussion ausgerufen, die es erst vor einigen Monaten angeregt hatte: Die Community erging sich in Flames und bezweifelte sogar, dass es überhaupt eine Community gibt. Community-Manager Jos Poortvliet sorgt im Kurz-Interview mit Linux-Magazin Online für etwas Klarheit.
Linux-Magazin Online: Das Posting auf News.opensuse.org lässt manchen etwas ratlos zurück - das Strategie-Team hat die Diskussion gerade erst angestoßen, jetzt rudert es schon wieder zurück. Für die Verwirrten: Wer genau soll denn jetzt was tun?
Jos Poortvliet: Das Strategieteam wird ein neues Dokument veröffentlichen, das sich aus all den Diskussionen und Chatgesprächen speist, die sowohl ich als auch das Strategie-Team in den letzten Monaten hatten. Das neue Dokument wird einen viel kleineren Fokus haben: beschreiben, wo wir stehen. Das eine und andere wird natürlich etwas mehr betont. Das Ziel ist, unsere Stärken zu beschreiben.
In den nächsten Wochen wird der Text Stück für Stück zur Diskussion gestellt. Bei der Opensuse-Konferenz im Oktober stellt das Strategie-Team eine vereinheitlichte Version vor, die wir mit den Leuten dort diskutieren und am Ende präsentieren. Kurzfristig wird es also übergreifendere Statements geben, die die verschiedenen Meinungen und Dialoge einbeziehen
Linux-Magazin Online: Es hieß doch "Strategie ist blöd"?
Jos Poortvliet: Über die Jahre hinweg hat es viele Diskussionen gegeben - KDE versus Gnome, Führungsfragen, alles mögliche. Letztes Jahr zum Beispiel wurde KDE auf Community-Wunsch zurück zum Default-Desktop bestellt. Auf der Opensuse-Konferenz gab es dann eine Menge Diskussion in Fragen der Projektführung, genauso wie zu bekannten KDE-Gnome-Themen. Der darauffolgende "Kampf" veranlasste einige Leute zu fragen: "Was wollen wir denn eigentlich?"
Das ist eine sehr philosophische Frage - oder auch eine einfache, je nachdem, wen man fragt. Ein Mac-Donalds-Kunde wird darauf schneller eine Antwort finden als ein auch nur durchschnittlicher Philosoph. Es ist aber eine wichtige Frage. Opensuse hat in den letzten Jahren eine Menge durchgemacht - fünf Jahre zuvor waren wir eine total geschlossene Novell-Organisation, jetzt sind wir fast völlig offen. Wir haben eine Reihe neuer Community-Mitglieder gewonnen, wachsen aber immer noch, lernen einander kennen, lernen zusammen zu arbeiten. Eine Identität zu haben hilft - aber die haben wir nicht wirklich. Darum war das die initiale Frage des Strategie-Teams: Wer wir sind.
Linux-Magazin Online: Was ist schief gegangen?
Jos Poortvliet: Das Team hat sich eine Menge angelesen, und eines der Teammitglieder hat sogar Hintergrundwissen, wie man Strategie in einem unternehmerischen Rahmen definiert. Im Ergebnis haben sie dann eine recht genaue und geschäftstüchtige Definition vorgelegt - und sind damit wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen. Auch andere Sachen liefen nicht so gut. Vor allem nicht, wie sie ihr Papier vorgestellt haben. Sie fassten die Ergebnisse sehr, sehr eng. Das war mit Absicht: Sie wollten sie als Ausgangspunkt der Diskussion setzen. Sie haben dabei aber den falschen Ton getroffen. Jeder dachte, dass aus den vorgeschlagenen Richtungen gewählt werden müsse.
Im Ergebnis fühlten sich viele aus der Community verprellt, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Novell. Sie wurden es müde und ließen die Diskussion links liegen. Alle waren sich einig, dass "Strategie blöd" sei.
Linux-Magazin Online: Du bist ja der neue Community-Manager von Opensuse. Welche Rolle hast Du dabei gespielt?
Jos Poortvliet: Um gegenzusteuern, drängte ich das Team, eine Art Entschuldigungsbrief zu schreiben. Ich verfasste eine erste Version, die das Team dann zu der veröffentlichten Version auf News.opensuse.org umarbeitete. Er zeigt in eine neue Richtung: Zurück zu den Grundlagen.
Linux-Magazin Online: Okay. Was passiert als nächstes?
Jos Poortvliet: I habe mit dem Team schon an einem neuen Entwurf gearbeitet, das unsere Anwender beschreibt, unser "Produkt", was gut daran ist und so weiter. Wegen der vielen Kommentare, die ich bekam, glaube ich ganz ehrlich, dass wir das diesmal hinkriegen. Es wird vielleicht nicht ganz so ambitioniert ausfallen, aber es wird mit dem übereinstimmen, was die Leute wollen und brauchen. Einige Teile fehlen noch, aber ich weiß, dass das Strategie-Team sich reinkniet und über mehrere Monate Erfahrung verfügt. Wir haben auf die Community gehört und uns geändert - das Ergebnis wird Opensuse sicherlich weiterhelfen.
Ach, noch eine Sache. Mit dem jetzigen Entwurf und dem ganzen Feedback der letzten Wochen haben wir, glaube ich, etwas sehr Deutliches und Kraftvolles in der Hand. Opensuse ist dafür bekannt, etwas Stabiles zu bieten - sowas wie "deutsche Wertarbeit". Dazu kommen Auswahlmöglichkeit und Flexibilität. Ich glaube, das sind Eigenschaften, die zu einem professionellen, wertvollen Produkt taugen, mit dem man seine Arbeit erledigen kann. Ich glaube, das ist alles an Identität, was wir brauchen, und zusammen mit tollen Technologien wie dem Opensuse Build Service haben wir eine Distribution, für die wir arbeiten können. So ist das, kurz und gut - und ich glaube, die Community wird diese Beschreibung begrüßen und helfen, sie zu verfeinern. Als Hintergrundinformation, warum es eine Strategie geben sollte, empfehle ich meinen Blogeintrag, vor allem die Abschnitte "was sie kann" und "was sie nicht kann".
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Walter Munz,
29.09.2010 17:21
OpenSUSE muss raus aus dem Probierstadium, dann schaffen wir es zu einem Ersatz von Windows XYZ!