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(c) Luxuz:: photocase.com

Openinkpot, eine freie Linux-Distribution für E-Book-Reader

Lesefreude mit Open Source

von Mathias Huber
 

Spätestens seit Amazon den Kindle2 bewirbt, hat fast jeder schon einmal von Lesegeräten für elektronische Bücher gehört. Nicht nur auf Amazons E-Book-Reader, auch auf vergleichbaren Geräten läuft fast ausschließlich Linux. Und das bedeutet, dass man auch selbst eine geeignetes Linux mit Open-Source-Programmen installieren kann. Dieser Artikel stellt Openinkpot vor, eine freie Linux-Distribution für E-Book-Reader.

Das Projekt nahm seinen Anfang auf dem russischen IRC-Kanal des Debian-Projekts. Der Informatiker Mikhail Gusarov aus Nowosibirsk beklagte sich dort Ende 2007 über die Unzulänglichkeiten der Firmware auf seinem E-Book-Reader LBook V3. So lernte er Yauhen Kharuzhy kennen, und beide machten es sich zur Aufgabe, eine Open-Source-Firmware für das Gerät zu schaffen.

Auch heute ist das V3, das unter zahlreichen Handelsnamen wie Digibook, Walkbook oder Bebook verkauft wird, die wichtigste Hardware-Plattform für das Projekt. Beim chinesischen OEM-Fabrikanten Jinke heißt sie Hanlin V3.

Tolle Tinte

Wie zahlreiche Konkurrenzprodukteverwendet es ein E-Ink Vizplex-Display von der E-Ink Corporation, die für die elektronische Tinte sozusagen ein Anbieter-Monopol hält. Die Displays besitzen keine Hintergrundbeleuchtung, was Akku-Energie spart, und reflektieren wie normales Papier das Licht der Umgebung. Sie lassen sich daher anders als etwa LCD-Displays auch im prallen Sonnenlicht lesen. Daneben sorgt die höhere Auflösung von rund 160 dpi für scharf und detailreich dargestellte Schriften. Auf Geräte mit dieser Anzeigetechnik ist Openinkpot spezialisiert, weshalb sich auch der Name mit dem Begriff E-Ink spielt.


E-Ink-Displays lassen sich auch im prallen Sonnenlicht lesen.

Das Hanlin V3 besitzt einen mit 200MHz getakteten ARM9-Prozessor und läuft im Auslieferungszustand bereits mit Linux und einigen proprietären Anwendungen: E-Book-Reader, Bücherregal, PDF-Viewer, Bildbetrachter und MP3-Player.

Der USB-Anschluss dient zum Laden des eingebauten Akkus (Nokia-Handy-Akku) und zum Datentransfer (USB-Storage). Bedient wird das Gerät über 10 nummerierte Funktionstasten, Sondertasten zum Umblättern, eine Ok-/Back-taste und Plus-/Minus-tasten für Schriftgröße und Musik-Lautstärke. Zum Musikhören gibt es einen 3,5mm Klinkenanschluss. Ein Slot nimmt SD-Speicherkarten auf, worüber sich neue Daten aufs Gerät spielen lassen - oder ein neues Betriebssystem.

Vorsichtiges Ausprobieren

Neben der Installation auf dem internen Flash-Speicher des Hanlin (64 MByte beim V3, 512 MByte beim V3ext) lässt sich Openinkpot auch wie eine Live-CD von der SD-Karte betreiben, ohne dass die Original-Firmware angetastet wird.

Und das ist gut so: Openinkpot befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, sodass es gute Gründe gibt, das Original-Betriebssystem zu behalten. Dieses unterstützt beispielsweise Microsofts DOC-Format sowie die DRM-Technologie des E-Book Mobipocket. Zudem bietet Openinkpot derzeit keinen Musik-Player.

Wer aber den Reader hauptsächlich für DRM-freie Materialien, etwa aus dem Gutenberg-Project, dem Linux Documentation Projekt (LDP) und aus sonstigen Quellen verwendet, sollte sich Openinkpot ansehen. Die Leseprogramme FBReader und Coolreader 3 (dessen Entwickler ist Projektmitglied) bieten praktische Features und mehr Einstellungsmöglichkeiten als die proprietäre Software. Sie lesen neben Plaintext die Formate Fb2, HTML, CHM, Plucker, TCR, RTF,OEB, OpenReader sowie die DRM-freie Mobipocket-Variante. Die Programme öffnen auch mit Tar, Zip, Gzip und Bzip2 komprimierte Dateien.

Daneben ermöglichen sie, eigene Fonts zu verwenden, was das Auge erfreut. Für PDFs kommt die Eigenentwicklung LocoPDF zum Einsatz, auch das Bücherregal Madshelf ist selbstgemacht, genauso wie der Bildbetrachter Madeye. Letzterer kann allerdings noch nicht mit seinem proprietären Pendant mithalten, das per Dithering trotz der nur vier Graustufen des E-Ink-Panels ansehnliche Ergebnisse liefert.

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