Open Source im professionellen Einsatz
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Open Source im Wahlkampf - Teil 4: Andreas Steffens (Piratenpartei)

Unter der Flagge der Freiheit?

17.09.2009

Andreas Steffens (aka Therook) ist politischer Geschäftsführer der Piratenpartei im Landesverband Sachsen, 37 Jahre alt, verheiratet undhat drei Kinder. Seinen Erstkontakt mit Linux datiert er auf 1994. Von 1999 bis 2003 war er bekanntes Mitglied der Open-Source-Community und unter anderem für Suse und Mandrakesoft sowie ISP*D/PC-Ware im Bereich "Government Linux" tätig.

Heute ist Andreas Steffens selbstständiger Versicherungsmakler und
Pirat, auf seinen Produktivsystemen setzt er immer noch auf
Open-Source-Software.

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Linux-Magazin Online: Welche Bedeutung hat die Förderung von Open-Source-Software wie GNU/Linux in Ihrer Partei und für den IT-Standort Deutschland?
Andreas Steffens: Für die Piratenpartei hat die Förderung von Open Source einen hohen Stellenwert. Die Leser des Linux-Magazins kennen die Vorteile wie geteilte Entwicklungskosten, die Herstellerunabhängigkeit, die jederzeit mögliche Modifizierbarkeit, um nur einige hier kurz anzureißen.

Bei vielen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft muss dieses Konzept allerdings erst noch ankommen. Es gibt Hoffnung, als positives Beispiel möchte ich die Wirtschaftsförderung in der Region Stuttgart erwähnen, hier wird Open Source gezielt gefördert. Sobald sich solche oder ähnliche Projekte durchgesetzt haben, ist die Zukunft des IT-Standortes Deutschland gesichert.
Linux-Magazin Online: Nach einer aktuellen Umfrage machen sich 87 Prozent der Deutschen große Sorgen um das Thema Datenschutz. Welche Daten sollte der Staat, die Provider oder andere privatwirtschaftliche Unternehmen von einem Verbraucher/Kunden/Bürger speichern dürfen? Welches Auskunftsrecht steht dem Bürger zu?
Andreas Steffens: Unserer Meinung nach sollten sich ALLE Sorgen um den Datenschutz machen! Der beste Datenschutz wäre natürlich, keine Daten zu erheben. Das ist natürlich nur schwer umsetzbar und wir bevorzugen eine Reduzierung auf das notwendige Minimum.

Als negatives Gegenbeispiel ist hier die Vorratsdatenspeicherung zu nennen, diese gehört umgehend abgeschafft. Jedem Bürger sollte ein umfassendes Auskunftsrecht zugestanden werden, welche Daten über ihn gespeichert sind.
Linux-Magazin Online: Wie steht Ihre Partei zum jüngst beschlossenen Zugangserschwerungsgesetz, das Gegner als "Online- Zensur" und Einschränkung der Grundrechte bezeichnen? Halten Sie es für zielführend? Welche Alternativen sehen sie?
Andreas Steffens: Die Rücknahme des sogenannten Zugangserschwerungsgesetzes gehört zu unseren Primärzielen. Staatliche Kontrolle des Informationsflusses, also Zensur, ist ein Instrument von totalitären Regimen und hat in einer Demokratie nichts verloren. Da die Sperrungen auch Lai(ey)en innerhalb
von Sekunden umgehen können, ist dieses Gesetz alles andere als
zielführend. Die Alternative wurde schon sehr oft genannt: Löschen statt Sperren!
Linux-Magazin Online: Wie steht Ihre Partei zu Softwarepatenten? Sollten Freie Software und Lizenzen einen besonderen Stellenwert erhalten?
Andreas Steffens: Wir Piraten lehnen Patente auf Software und Geschäftsideen ab, weil sie die Entwicklung der Wissensgesellschaft behindern. Für kleinere Unternehmen oder selbständige Programmierer sind Softwarepatente eher kontraproduktiv, da meist das finanzielle Polster zur Durchsetzung der Rechte gegenüber großen Firmen fehlt. Freie Software sollte daher gefördert werden, da hier eine Monopolstellung verhindert werden kann.
Linux-Magazin Online: Stellt der "Hackerparagraph" 202c StGB Ihrer Meinung nach einen Standortnachteil und rechtliche Unsicherheit für die deutsche IT-Security-Wirtschaft dar?
Andreas Steffens: Dieser Paragraph ist wieder eins dieser Beispiele für schlechte Gesetzgebung, da unter anderem zum Beispiel Hersteller von Sicherheitssoftware kriminalisiert werden. Diese drohten bereits ins Ausland abzuwandern, wodurch der Standortnachteil offensichtlich wird. Mit der Nichtannahme
einer Klage hat zwar das Bundesverfassungsgericht dazu beigetragen die rechtliche Unsicherheit von IT-Fachkräften etwas zu verringern, Gesetze sollten das Grundgesetz beachten und nicht pauschal kriminalisieren. Die Piratenpartei ist in dieser Beziehung gerne behilflich.

Wer sich für die Aktivitäten von Andreas Steffens interessiert, findet ihn unter dem Pseudonym Therook auf Twitter und im Piratenwiki.

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