Open Source im professionellen Einsatz
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Dietmar Wieser, Fotolia.com

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Open-Source-Software für E-Book-Freunde

Desktop-Bibliothek

24.07.2009

Auch wer nicht zu Sonys E-Book-Reader oder ähnlichen Geräten greift, kann elektronische Bücher lesen. Mehr als ein Netbook mit passender Software braucht es nicht, um sich durch die Massen elektronischer Bücher im Internet zu schmökern.

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Trotz der großen Auswahl an kostenlosen E-Books im Web konnte sich das Bücherlesen am Computer bislang nicht richtig durchsetzen. Vielleicht liegt es einfach daran, das Desktoprechner und teilweise auch Laptops einfach nicht so handlich sind wie ein Buch aus Papier. Das konnte sich mit den Netbooks ändern. Die Geräte sind klein, leicht und vergleichsweise, fehlt nur noch die passende Software. Dieser Artikel stellt die Open-Source-Programme FBReader, GutenPy und Calibre vor.

Schnörkellos: FBReader

Das Programm FBReader wurde ursprünglich für den Linux-Handheld Zaurus von Sharp entwickelt, mittlerweile ist es aber für etliche Plattformen erhältlich, beispielsweise auch für Linux. Viele Distributionen haben das Leseprogramm im Paketsortiment, wer frischere Versionen bevorzugt, lädt den Quelltext von der FBReader-Homepage oder bindet das dortige Debian-/Ubuntu-Repository in seine Paketquellen ein.

FBReader präsentiert sich mit einer schlichten Oberfläche, die nicht vom Lesestoff ablenkt.

Trotz seiner eher spartanisch anmutenden Oberfläche bietet FBReader viele nützliche Features. Dazu gehört die Unterstützung für die Mehrzahl der üblichen E-Book-Formate, beispielsweise, Epub, Fiction Book (FB2), Open Reader, RTF, OEB sowie unverschlüsselte Mobi-Dateien und selbstverständlich Plaintext.

Vor dem Lesen steht bei FBReader das Importieren von Büchern. Dazu dient der Menüpunkt "Add File to Library". Standardmäßig sucht das Leseprogramm automatisch in den Verzeichnissen "~/Fbooks/" und "~/Books" nach E-Book-Formaten. Wer seine Büchersammlung allerdings in Unterverzeichnisse einsortiert hat, muss das dem Programm in den Einstellungen mitteilen.

Wer noch keine E-Books auf dem Rechner hat, findet bestimmt das Feature "Network Library" nützlich. Es sucht in Online-Archiven nach Büchern, derzeit auf Feedbooks.com, wo es neben englischsprachiger auch etwas deutsche Literatur gibt, und auf LitRes, das auf russische Bücher spezialisiert ist.

Das Suchfeld dient zum raschen Nachschlagen von Titeln, die erweiterte Netzwerksuche erlaubt weitere Suchkriterien wie Autor, Reihe und Kategorie. Die Ergebnisliste enthält neben dem Buchtitel auch eine kurze Beschreibung, Icons signalisieren die verfügbaren E-Book-Formate. Ein Klick auf ein solches Symbol lädt das Buch in FBReader.

Mit der Netzwerksuche findet FBReader auch E-Books in Online-Archiven und kann sie per Mausklick zum Lesen herunterladen.

Beim Lesen steht FBReader dem Benutzer mit einem Inhaltsverzeichnis zur Seite, aus dem der Anwender per Hyperlink ins passende Kapitel springen kann. Weitere Buttons dienen zur Volltextsuche und dazu, die Buchseite zu drehen - ein praktisches Feature für Leser, die das Laptop-Display hochkant stellen möchten. Beim Beenden speichert das Leseprogramm die aufgeschlagene Stelle und öffnet sie automatisch beim nächsten Programmstart.

FBReader kann auch mit eingebetteten Grafiken und Hyperlinks umgehen, vorausgesetzt, das verwendete E-Book-Format unterstützt diese Features. Das Leseprogramm öffnet Links im als Standard eingestellten Webbrowser, E-Book-Dateien lädt FBReader dagegen selbst herunter und fügt sie der Bibliothek hinzu.

FBReader kann E-Books nach Tags sortieren.

Das Programm FBReader unterstützt Tags, mit denen sich eine E-Books-Sammlung strukturieren lässt. Bei geöffnetem Buch zeugt die die Taste [I] Informationen zum Buch an, im Abschnitt "Tags" lassen sich die Schlagwörter eingeben. In der Bibliotheksansicht, erreichbar mit [L] (für "Library") zeigt FBReader die Sammlung nach Autoren sortiert an. Icons neben den Buchtiteln dienen zum Bearbeiten der Buchinformationen oder zum Entfernen von E-Books.

Beim Schmökern auf dem Laptop kann die Mausbenutzung ziemlich unpraktisch sein. Daher kennt FBReader folgende Tastatur-Shortcuts:

Tastatur-Shortcuts für FBReader:

[Enter] Vollbild an/aus
[R] Ansicht drehen (<strong>R</strong>otate book)
[A] Buch hinzufügen (<strong>A</strong>dd book)
[L] Bibliothek anzeigen (Show <strong>L</strong>ibrary)
[I] <strong>I</strong>nformation zum Buch zeigen
[O] <strong>O</strong>ptionen anzeigen
[C] Inhaltsverzeichnis (Show table of contents)
[F] Suchen (<strong>F</strong>ind)
[-] Schrift verkleinern
[=] Schrift vergrößern

Der Button "Preferences" öffnet den Dialog für die Einstellungen. In den Abschnitten "Format" und "Style" kann der Anwender Schriftarten, Zeilenabstand und Textausrichtung seinen Vorlieben anpassen. Unter "Colors" lassen sich Text- und Hintergrundfarbe einstellen, Die Einstellung unter "Web" teilt dem Leseprogramm mit, welchen Webbrowser es bei Bedarf aufrufen soll.

FBReader lässt zwar Features wie Wörterbuch, Bookmarks und Anmerkungen vermissen, wer aber nur ein einfaches Leseprogramm sucht, ist mit der schnörkellosen Software gut bedient.

Pforte zum Archiv: GutenPy

Das Archiv des Project Gutenberg ist eine wahre Fundgrube für passionierte Bücherwürmer. Das Open-Source-Programm GutenPy macht diese riesige Sammlung auf dem Desktop verfügbar. GutenPy ist nicht nur ein Leseprogramm sondern eine Kombination aus einem Katalog-Browser für das Gutenberg-Projekt und einem schlanken E-Book-Reader. Wie der Name andeutet ist es in Python geschrieben, und auf der Projektseite gibt es sowohl ein Debian-Paket als auch eine Quelltext-Distribution als Tar-Gz-Archiv. Nach dem Auspacken des Tarballs genügt die Kommandozeile "python setup.py install", als Root innerhalb des Quelltext-Verzeichnisses ausgeführt, zur Installation.

Gutenpy bietet eine Suchmaske für den Buchkatalog des Gutenberg-Projekts. Gefundene E-Books lassen sich für den Download markieren und herunterladen.

Der nächste Schritt besteht darin, den Katalog herunterzuladen und zu durchsuchen, und zwar mit dem Button "Browse the Catalog". Beim ersten Mal fragt das Programm nach, ob es den Katalog herunterladen soll, danach verwendet die Suche eine lokal zwischengespeicherte Version, die man auch offline durchsuchen kann, und die man gelegentlich aktualisieren sollte. Der erste Download der umfangreichen Liste kann einige Minuten dauern.

Das Programm GutenPy holt das riesige E-Book-Archiv des Gutenberg-Projekts auf den Desktop.

Die GutenPy-Suche erlaubt das Filtern nach Titel, Autor, Thema und Sprache. Ist das gesuchte Buch ausfindig gemacht, fügt der Anwender es seiner Buchliste mit dem Button "Add To Booklist" hinzu. Nach der Recherche lädt ein Klick auf "Download Booklist" alle in die Liste übernommenen Bücher herunter.

Als Leseprogramm bringt GutenPy ein paar nette Features mit. Es kennt beispielsweise Lesezeichen, mit denen man vorgemerkte Stellen in Büchern wiederfindet. Die Funktion "Dictionary Lookup" schlägt Begriffe per Internet auf einem Wörterbuch-Server nach, der sich in den Einstellungen konfigurieren lässt. Ähnlich wie FBReader bietet GutenPy Tastatur-Shortcuts, beispielsweise [F], um den Vollbildmodus ("Full Screen") an oder aus zu schalten. [D] schlägt auf dem Dict-Server nach, und der Schrägstrich [/] dient zur Volltextsuche. Daneben blättert die Leertaste zur nächsten Seite um, die Backspace-Taste geht eine Seite zurück, [Pos1] und [Ende] springen zum Anfang beziehungsweise zum Ende eines Buchs.

Durch die enge Verzahnung mit dem Gutenberg-Projekt ist GutenPy nicht so sehr ein E-Book-Reader als vielmehr ein Frontend für dieses Archiv. Wer gerne Klassiker verschiedener Sprachen und Genres liest, wird gerne zu dem kleinen Programm greifen.

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