Beteiligungsmodell
Max21: Open Source und die Börse
von Jan Rähm
"Open Source ist kostenlos, damit kann man kein Geld verdienen." Das sei die überwiegende Meinung klassischer Investoren, wenn es gilt Unternehmen, die sich mit Linux und Open Source beschäftigen, zu fördern, sagt Walter Erl, Vorstand der Investment-Gesellschaft Max21. Die Aktiengesellschaft will zeigen, das diese Meinung nicht zwangsläufig stimmt.
Die 2003 gegründete Gesellschaft hat sich auf die Teilhabe und Förderung von Unternehmen spezialisiert, die sich vorrangig mit der (Weiter-)Entwicklung von Open Source-Technologien beschäftigen. Damals kamen die Gründer Oliver Michel und Metin Dogan auf die Idee, diesen Wachstumsmarkt auch finanziell nutzen zu können. Bis dahin hatten sich die beiden einen Namen mit der Organisation und Durchführung von Linux-Schulungen gemacht. Das Konzept des neu gegründeten Unternehmens schien aufzugehen und so wurde es nur drei Jahre später an die Börse gebracht. Bei der Erstemmission brach die Aktie ein. Doch die Gründer sind hartnäckig geblieben, investierten weiter Kapital und machten das Konzept in der Fachwelt bekannt. Heute steht der Kurs bei knapp 4,20 Euro je Aktie, Tendenz steigend.
Max21 hält derzeit Anteile an 15 Unternehmen, bei sieben davon 49 Prozent. Diese unterstützt Max21 nicht nur finanziell, sondern arbeitet aktiv mit. Sie übernehmen Teile der Geschäftsführung und kümmern sich um das Management sowie teilweise um Marketing und Logistik. "Wir sehen uns als Investitionsscouts. Wir können nur relativ kleine Beträge investieren. Dafür helfen wir den Firmen mit der Vorbereitungen auf größere Investoren oder auf einen eventuellen Börsengang," erklärt Walter Erl die Vorgehensweise im Gespräch mit dem Linux Magazin Online. Die jüngste Beteiligung hält Max21 seit Mitte April an dem Coburger Unternehmen "Seat-1 Software GmbH".
Ziel von Seat-1 Software ist es, die Software-Module für Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM), Content Management System (CMS) und Dokumenten Management System (DMS) weiter zu standardisieren und zu einer Open-Source-basierten Unternehmenssoftware zu vereinen. Mit der Lösung sollen Unternehmen ihre gesamten Unternehmensprozesse planen, steuern und verwalten können. Vom Kundenerstkontakt bis zur Rechnungsstellung in der Finanzbuchhaltung soll die Software ohne großen Integrationsaufwand die gesamte Wertschöpfungskette eines mittelständischen Unternehmens bis zu einer Größenordnung von etwa 5000 Mitarbeitern abdecken können.
Anhand von Seat 1 lässt sich die Max21-Philosophie zeigen. Max21 investiert in das Unternehmen um fortschreitende Entwicklung der Software zu fördern. Die Ergebnisse dieser Entwicklung werden im Gegenzug wieder der Linux-Community zur Verfügung gestellt. Walter Erl betont nachdrücklich, dass sie Unternehmen fördern wollen, die auf Basis von Linux und Open Source arbeiten und auch gewillt sind, die Ergebnisse wieder zurück an die Gemeinschaft zu geben. Schon mehrfach hätte Max21 Anfragen von Gründern und Unternehmen abgelehnt, die Open Source eher als Mittel zum Zweck auf dem Weg zum schnellen Geld gesehen hätten, als als Chance für die Zukunft.
Max21 ist in Weiterstadt bei Darmstadt beheimatet und an der Frankfurter Börse notiert. Die Aktiengesellschaft fördert sowohl technologieorientierte Unternehmen als Idee des Dienstleitungsgewerbes, jedoch nur, insofern mit oder auf Basis freier Software gearbeitet wird. Mehr Informationen zu Max21 und seinen Beteiligungen finden sich auf der Homepage des Unternehmens.