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James Utzschneider, bei Microsoft für Open Source zuständig.

Interview mit James Utzschneider, General Manager Open Source bei Microsoft:

Open Art - Microsoft und Open Source

von Britta Wülfing
 

Der Softwaregigant Microsoft wirbt weiter intensiv für sein Engagement im Open-Source-Umfeld und geht dabei auch ungewöhnliche Wege: Bei einem „OpenArt Event“ in München unternimmt das Unternehmen den Versuch, heterogene Landschaften sichtbar zu machen und lässt dafür auch James Utzschneider, den General Manager Open Source, aus Seattle einfliegen. Im Gespräch mit Linux-Magazin Online hatte der Manager mit der Unterstützung von CentOS durch Hyper-V auch echte Neuigkeiten im Gepäck.

LMO: Auch wenn Microsoft aktuell intensiv für Open Source wirbt, ist unser Eindruck, dass nicht alle Mitarbeiter diesen Kurs vertreten. Ist der aktuelle Open-Source-Kurs eine zentrale Vorgabe oder können das die einzelnen Abteilungen selbständig entscheiden?

Utzschneider: Es ist keine Vorgabe von oben, es ist einfach gesunder Menschenverstand. Seit vielen Jahren werden wir offener, ich selbst habe schon 1997 den Quellcode für einige einfache Applikationen veröffentlicht. Grundsätzlich kann das jedes Produkt unterschiedlich handhaben, aber es kommen von vielen Seiten Beiträge. Da muss man sich nur unsere Codeplex-Plattform anschauen, die Beiträge zu Java, PHP, Linux und vielem mehr. Es ist einfach ein natürlicher Schritt, wenn man Teil des Ecosystems sein will.

LMO: Wie kamen Sie denn auf die Idee, das mit einer Kunstausstellung zu verbinden?

Utzschneider: Da müssen Sie schon die PR-Abteilung fragen, ich bin nur hier, um das zu präsentieren. Aber gerade habe ich außerdem eine echte Neuigkeit: Unser Virtualisierungs-Hypervisor Hyper-V kommt jetzt auch mit Unterstützung für CentOS, das wird auch Sandy Gupta (General Manager Open Source Solutions Group, Anm. d. Red.) auf der Open Source Business Conference in San Francisco bekannt geben.

LMO: Als Sie Ihre ersten Tools 1997 veröffentlicht haben – welche Lizenz haben Sie denn da genutzt?

Utzschneider: Das kann ich gar nicht mehr sagen, aber es gibt ja jede Menge Open-Source-Lizenzen, die mit den Microsoft-Richtlinien übereinstimmen.

LMO: Die GPLv3 gab es da ja noch nicht, aber als die FSF 2007 die Neuauflage der GPL herausbrachte, kam von Ihrem Unternehmen heftiger Gegenwind: Ihr Unternehmen verkündete, gewisse Klauseln hieraus nicht zu akzeptieren. Hat Microsoft seine Meinung dazu geändert?

Utzschneider: Sicher nicht, die GPLv3 hat sich ja nicht geändert.

LMO: Wir gehen davon aus, dass Microsoft mit dem Kauf des umfangreichen Patentpakets von Novell im Dezember 2010 sicher auch Software unter der GPLv3 erworben hat. Wie steht Ihr Unternehmen dazu?

Utzschneider: Das ist eine gute Frage, das kann ich so gar nicht sagen, kann mich aber gern mal dazu informieren. Insgesamt gibt es zum Glück so viele Open-Source-Lizenzen, dass wir bei Microsoft auch die finden, die zu uns passen. Das entscheiden bei uns die Juristen, was für uns in Ordnung ist.

LMO: Warum hat Microsoft denn das Patentpaket gekauft? Was wollen Sie damit anfangen?

Utzschneider: Wir glauben unbedingt an den Wert geistigen Eigentums, und auch unsere Kunden wissen das sehr zu schätzen. Die Leute wissen die rechtliche Sicherheit zu schätzen, die wir Ihnen durch unser Portfolio geben können.

LMO: Microsoft und Novell arbeiten seit einigen Jahren eng zusammen. Wird sich durch den Verkauf Novells an Attachmate etwas ändern?

Utzschneider: Die Geschäftsbeziehung wird sich auch nach dem Verkauf an Attachmate fortsetzen, das ist auf jeden Fall unser Ziel.

LMO: Kooperation mit Nokia, Einkauf von Skype – aktuell investiert Microsoft strategisch ins mobile Web. Wohin geht die Reise?

Utzschneider: Ja, wir glauben, dass dieser Markt schnell wächst. Ich selbst bin ein großer Fan von Skype und freue mich über den Kauf. Grundsätzlich bin ich aber zu weit weg von dem Thema, als dass ich zur allgemeinen Strategie etwas sagen könnte.

LMO: Wie beurteilen Sie die Konkurrenz durch Google, die aktuell mit dem Chromebook Schlagzeilen machen? Wie will Microsoft Paroli bieten?

Utzschneider: Google will ganz offensichtlich Marktanteile erobern, aber ich denke, das können wir gelassen sehen. Wir haben 350 Millionen Lizenzen verkauft, Google gerade mal ein paar Tausend.

LMO: Kommen wir nochmal auf den Anlass Ihres Besuchs zu sprechen. Wo sehen Sie die Verbindung zwischen Kunst und Software und Open Source im Besonderen?

Utzschneider: Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Alle Technologie hat das gemeinsame Ziel, coole neue Dinge zu schaffen, das Design ist wichtig. Es geht auch darum, wie Kreativität in Software ausgelebt wird, Software ist auch Kunst. Ich komme aus Seattle, und Seattle ist vor allem für Musik bekannt, Jimi Hendrix, Nirvana, um nur ein paar zu nennen. In meiner Freizeit engagiere ich mich in einem Musikprojekt namens KEXP, das war früher mal ein Radiosender. Heute ist das ein Projekt, das eine Kunstsammlung im Internet bietet, viele hundert Konzerte live im Internet überträgt. Der Künstler steht dabei im Mittelpunkt, und wie er kommunizieren will. Auch hier spielt geistiges Eigentum eine wichtige Rolle: Manche Künstler geben ihre Musik frei zum Download, andere wollen CDs verkaufen. Auch hier gibt es heterogene Welten. Der Künstler, der hier ausstellt (Ekkeland Götz, Anm. d. Red.), zeigt auch heterogene Landschaften. Seine Bilder sind aus Erde und so verbindet er verschiedene Welten.

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Kommentare (6)
von
Peter K.,
27.11.2011 14:36
Ein Statist und nichts weiter.
Das ist ja lächerlich, was der von sich gegeben hat. Der scheint keine Ahnung von OpenSource zu haben - das haben die Juristen bei MS. MS ist und wird niemals Interesse an OS haben - sie wollen die ganze Idee nur kompromittieren. Das zeigt ganz klar die Aussage: "Wir glauben unbedingt an den Wert geistigen Eigentums." Wie kann ein Unternehmen sich Idee oder Wissen aneignen? Wie ist das Möglich? Warum können Menschen mit gleichen Ideen, diese dann nicht umsetzen? Der Begriff "Geistiges Eigentum" ist an Perversität nur schwer zu überbieten und das derzeit praktizierte Modell bremst ganze Volkswirtschaften. Hätte man in China sowas zugelassen wären die Chinesen noch immer hinter Europa - nun ist es umgekehrt. Die EU ist dank ihrem "Geistigen Eigentum" technologisch im "Mittelalter" hängen geblieben.
von
Attila Mathe,
18.06.2011 08:43
Belanglose Worthülsen eines Lobbyisten
Ich hatte erwartet etwas konkretes zu erfahren. Was war ich doch für ein Narr zu glauben von MS in Sachen Open Source etwas interessantes zu erfahren. Lediglich belanglose Worthülsen, absolut tauglich für die Politik. Gebt dem Mann ein Mandat im Bundestag, den hat er redlich verdient. "Unter welcher Lizenz ich meine selbst geschriebene Software 1997 der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hatte weiss ich nicht mehr ..." Erinnerungslücken sind die beste Verischerung für eine lange und erfolgreiche Politkarierre, also gebt diesem Mann nun endlich ein politisches Amt!!
von
Mathias Huber,
20.05.2011 15:32
Re: fliegt einfliegen
korrigiert, danke.
von
u.n. wichtig,
19.05.2011 10:59
fliegt einfliegen
"und fliegt dafür auch James Utzschneider, den General Manager Open Source, aus Seattle einfliegen."

fliegt einfliegen -> liess einfliegen?
von
Michael Stehmann,
19.05.2011 07:50
Ahnungslos?
Der Mann tut so, als wüßte er nicht, was Googles Kerngeschäft ist. Der Verkauf von Softwarelizenzen ist es eindeutig nicht. Google ist ein Datenhändler.

Wenn Google Software oder Hardware-/Software-Kombinationen entwickelt geschieht dies nicht, um an den Lizenzen zu verdienen, sondern um das Kerngeschäft zu stärken.
von
Herz-von-Hessen,
18.05.2011 21:02
Viel gesprochen.....
....und doch nichts bewegendes ausgesagt!
Das jedenfalls ist mein Eindruck dieses Interviews.
Da wird Google, wie schon viele Sachen vorher auch, von Microsoft unterschätzt. Auch die Aussage über die gekauften Lizenzen ist alles nur wischiwaschi und verschleiert, wie man es von M$ kennt, wie es in Zukunft mit diesen Lizenzen weiter gehen soll.
lieben Gruß aus Hessen