Zweifel ob der Praxistauglichkeit und die unbeantwortete Frage, wie sich eine Cloud mit der bestehenden Infrastruktur integrieren lässt, waren die Hauptgründe der Cloud-Ablehner: Klare Kommunikation von Kosten und Nutzen sowie veranschaulichende Referenzprojekte haben ihnen laut der IDC-Befragung gefehlt. Ähnliche Hemmungen äußerten die Gruppe der noch Unentschiedenen. Auch Datensicherheit und Compliance gehören zu den meistgenannten Informationsdefiziten. IDC-Analyst Matthias Kraus, der die Studie leitete, fasst zusammen, dass Cloud-Anbieter ihre Hausaufgaben noch machen müssen.
805 leitende IT-Angestellte aus einem repräsentativen Querschnitt aller Branchen gaben im März dem Marktforschungsunternehmen telefonisch Auskunft, ob und wie Cloud Computing für sie ein Thema ist. Drei Viertel der angefragten Firmen haben sich demnach noch überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt. IDC-Forscher Matthias Kraus, der die Studie leitete, stellt fest: "Cloud Computing ist in Deutschland noch nicht angekommen." Die restlichen 202 Unternehmen gaben an, sich mit dem Thema zumindest schon beschäftigt zu haben. Sie zogen es vor allem zur Kostenersparnis und optimierten Auslastung ihrer IT in Erwägung - übrigens unabhängig von der Finanzkrise, was die Studie extra erfragte. Ein knappes Drittel, also um die 60 der Cloud-interessierten Unternehmen, arbeiten bereits mit der Technik, ebenso viele werden im Verlaufe der nächsten ein bis zwei Jahre erklärtermaßen damit beginnen. Rund 50 - etwas mehr als ein Viertel - sind noch unentschieden. Etwa 30 aus der Stichprobe, ein Sechstel, haben die Idee wegen unklarem Nutzen wieder verworfen.
Fehlendes Knowhow
Die Unsicherheit der ablehnenden Cloud-Interessenten zeigt sich auch darin, dass sie nur einzelne Aspekte der Cloud-Technologie als wichtigen Vorteil begreifen. Installationen vereinfachen ist ihnen beispielsweise wichtiger, als die Zusammenarbeit im Unternehmen zu vereinfachen. Auch die Unentschiedenen finden einzelne Aspekte irrelevant. Die hingegen, die Cloud-Computing nutzen oder nutzen werden, bewerten sämtliche Aspekte eher gleichmäßig wichtig, begreifen Cloud Computing also eher als Gesamtlösung.
Die Gruppe der tatsächlichen oder entschiedenen Cloud-Nutzer rekrutiert sich hauptsächlich aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Sie stellten fast zwei Drittel derer, die sich überhaupt schon mit Cloud Computing beschäftigt haben, also von IDC intensiveren Telefoninterviews unterzogen wurden. Vor allem Großunternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern identifiziert IDC in Deutschland als derzeitige Cloud-Kundenschaft. Man kann sagen, dass der gehobene Mittelstand die Technologie insgesamt als tendenziell vorteilhaft begreift und ausrollt, während Kleinere in der Bewertung stark schwanken.
Widerstände der Kleinen
Bei den von den Kleineren, also den Unentschiedenen und Ablehnern, genannten Widerständen ergeben sich entsprechend ähnliche Prioritäten: Ihre Bewertung der Hemmfaktoren ist fast kongruent, zum Beispiel die offenen Fragen der Sicherheit, des Kontrollverlustes und des Kostenvorteils. Allerdings sind interne Hindernisse für die, die sich nach der Recherche gegen Cloud Computing entschieden haben, durchgängig weniger wichtig als bei den noch Unentschiedenen. Diese hadern zum Beispiel noch etwas stärker mit fehlendem Know-how und Zeitmangel der IT-Abteilung, während die Ablehner intern etwas weniger Probleme sehen. Die Antworten zeigen, dass die Ablehner eher den Sinn des Ganzen nicht erkennen und es gut sein lassen.
IDC hat die Studie, die für Dritte nicht erhältlich ist, im Auftrag mehrerer Unternehmen durchgeführt, darunter Red Hat, IBM, T-Systems und Microsoft. Als sich diese Unternehmen nach der Ergebnispräsentation vorstellten, amüsierte der für Red Hat anwesende Jan Wildeboer die Anwesenden mit seinem roten Hut, zu dessen Tragen er "vertraglich verpflichtet" sei. Er wechselte entschlossen den Rechner aus, auf dem die Vortragenden ihre Präsentationen abspielten, und bedauerte, dass Powerpoint sein Präsentationsdokument - also einen offenen Standard - nicht akzeptiert hatte. Weiter schlug er die Bresche für Open-Source-Technik und offene Standards insbesondere hinsichtlich Modularität des Open-Source-Stacks und Unabhängigkeit auch in einer Rechenwolke: Jederzeit können Kunden einzelne Teile ihrer Cloud ersetzen, auch durch proprietäre Lösungen, so Wildeboer. Das unterscheide des offenen Ansatz von der Lösung aus einer Hand, bei der auch in der Wolke die Gefahr des Vendor-Lock bestehe.