Green IT | Cebit 2008: Es grünt so grün in Hannover

Beim Null-Watt-Monitor von Fujitsu Siemens trennt ein Schalter im Netzteil das Display im Standby-Betrieb vom Stromnetz.

Dieser Green-IT-Messeführe zeigt die grünen Fäden der IT-Messe Cebit 2008 (4. bis 9. März in Hannover). Weitere Green-IT-relevante und interessante Neuheiten aus den Segmenten Virtualisierung und Thinclients haben wir herausgepickt.

Dem grünen Trend widmet die Hannover Messe GmbH auf der Cebit 2008 drei Linien. Ein eigener “Green IT Guide” soll als Printprodukt auf der Messe ausliegen – herstellerunabhängig wird er allerdings nicht sein. Die Inhalte dieses Hefts stammen zu einem großen Teil von der Climate Savers Computing Initiative (CSCI). Das ist eine Unternehmens-Initiative, die mit den Cebit-Veranstaltern eine strategische Zusammenarbeit eingegangen ist: Sie möchte bekannter werden, denn bisher hat sie nur einen Ansprechpartner in den Vereinigten Staaten, aber zum Beispiel nicht in Europa. Unter anderem Dell, Google, HP und Intel hatten sich im Sommer 2007 mit dem World Wildlife Fund in Amerika zur CSCI zusammengeschlossen, um den Stromverbrauch von Rechnern zu reduzieren. Die Initiative wird sich im “Green IT Village” präsentieren.

Beim Null-Watt-Monitor von Fujitsu Siemens trennt ein Schalter im Netzteil das Display im Standby-Betrieb vom Stromnetz.

Beim Null-Watt-Monitor von Fujitsu Siemens trennt ein Schalter im Netzteil das Display im Standby-Betrieb vom Stromnetz.

Das Green IT Village (Halle 9) ist die zweite grüne Linie der Cebit. Der Branchenverband Bitkom gehört hier zu den Ausstellern, und er hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Er misst für die Dauer der Messe den Stromverbrauch von zwei Büroinstallationen. In einem Büro laufen aktuelle Rechner, im anderen zum Vergleich Geräte auf dem Stand von vor fünf Jahren. Im grünen Dorf stellt auch Fujitsu Siemens den Prototyp seines so genannten Null-Watt-Monitors aus. In dessen Netzteil befindet sich ein Schalter, den der Rechner beim Herunterfahren selbst auslöst und damit den Monitor komplett vom Netz trennt.

Auf Feldwegen

Aber nicht nur im grünen Dorf wollen die Aussteller mit Stromgeiz punkten, auch in die freie Flur lohnt sich ein Blick. Der hessische Anbieter Rittal zeigt zum Beispiel ein begehbares Rechenzentrum auf 13 mal 13 Metern (Halle 12, Stand B26). Von Stromversorgung über Klimatisierung bis zur Überwachung sei unter grünen Gesichtspunkten alles zu sehen, wie es auch beim Kunden aufgebaut werde, sagt eine Unternehmenssprecherin zu Linux-Magazin Online.

Der Mini-PC von Transtec misst 22,6 mal 17,2 mal 4,2 Zentimeter und soll nur 25 Watt verbrauchen.

Der Mini-PC von Transtec misst 22,6 mal 17,2 mal 4,2 Zentimeter und soll nur 25 Watt verbrauchen.

Der bescheidene Mini-PC Senyo 600 soll nur 25 Watt brauchen. Er ist nicht am Stand des Herstellers Transtec zu sehen, sondern bei Novell (Halle 2, Stand B20) und mit Suse Enterprise Linux bestückt. Transtec will ihm einen neuen Chipsatz von Intel spendieren. Apropos Intel: Zusammen mit Sun Microsystems zeigt der Chipfabrikant auf einem Truck ein begehbares Datenzentrum (Pavillon 33). Der Clou: Es ist solarbetrieben.

Suns Projekt Blackbox ist ein komplettes, solarbetriebenes Rechenzentrum mit Notstromaggregat auf 6 mal 2,5 mal 2,5 Metern.

Suns Projekt Blackbox ist ein komplettes, solarbetriebenes Rechenzentrum mit Notstromaggregat auf 6 mal 2,5 mal 2,5 Metern.

Als dritter grüner Faden auf der Cebit sind Vorträge geplant, denen Interessierte an zwei Nachmittagen lauschen können (Halle 8). Auch das Linuxforum bietet am Nachmittag des ersten Messetages Vorträge zu Green IT (siehe Kasten “Linuxforum”). So berichtet zum Beispiel Roman Hoffmann aus der Praxis. Der Geschäftsführer des Rechenzentrums der Firma Wilken erläutert, wie sich rund 30 Prozent Energie in seinem Rechenzentrum einsparen ließen.

Linuxforum
Im Linuxpark (Halle 5, Stand F60) befindet sich das Linuxforum. Auf dieser Bühne gibt es jeden Tag der Messe im Stundentakt Vorträge zu Linux und Open Source. Jeder Veranstaltungstag widmet sich einem Themenschwerpunkt: von Green IT über Software as a Service bis hin zu Alltagsfragen der Systemadministration.

Auf der Bühne des Linuxforums in Halle 5 gibt es stündlich wechselnde Vorträge zu Linux und Open Source. Daheimgebliebene können das Programm live per Videostream verfolgen.

Auf der Bühne des Linuxforums in Halle 5 gibt es stündlich wechselnde Vorträge zu Linux und Open Source. Daheimgebliebene können das Programm live per Videostream verfolgen.

Die Referenten stammen aus freien Softwareprojekten und Open-Source-Firmen. Auch bekannte Linux-Magazin-Autoren wie Charly Kühnast oder Ralf Spenneberg tragen vor und stehen danach dem Publikum Rede und Antwort.

Wer nicht nach Hannover reisen kann oder will, kommt auch in den Genuss der Vorträge. Linux-Magazin Online zeigt während der Messe einen kostenlosen Video-Livestream und berichtet tagesaktuell von der Messe. Das Vortragsprogramm hat die Linux New Media AG zusammengestellt, Herausgeberin von Linux-Magazin Online.

Virtuos virtuell

Virtualisierung ist gewissermaßen die ältere Schwester der Green IT. Anbieter virtueller Lösungen sind dieses Jahr ebenfalls auf einer gemeinsamen Fläche zusammengelegt — dem Virtualisierungsforum (Halle 2). Beispielsweise wird sich hier Avocent präsentieren, eine Firma mit Hauptsitz im südlichen US-Bundesstaat Alabama, die vor acht Jahren durch Fusion zweier Anbieter für KVM-Switches entstand. Heute hat sich die Firma auf das hard- und softwareseitige Management von Rechenzentren in Unternehmen jeder Größe spezialisiert. Entsprechend will die Firma auf der Cebit ihre neue Software DSView vorstellen: eine Management-Oberfläche, die alle Geräte und Systemumgebungen einer IT-Infrastruktur einheitlich darstellt.

Die RZ-Management-Software DSview von Avocent eine Liste der Geräte des Rechenzentrums, physische wie virtuelle.

Die RZ-Management-Software DSview von Avocent eine Liste der Geräte des Rechenzentrums, physische wie virtuelle.

Die Software erfasst durch ein Plugin für VMware sowohl physische als auch virtuelle Server eines VMware-Systems. Diese Feature hat die Software seit Version 3.5 von September letzten Jahres. Physische Geräte erreicht man in KVM-Sessions, virtuelle mit VNC, RDP oder VMware Viewer Sessions. Die Software bietet Avocent auch für Linux und andere Unix-ähnliche Betriebssysteme an. Über einen Online-Zugang zum firmeneigenen Rechenzentrum in Irland sollen Cebit-Besucher sie im Einsatz sehen und zum Beispiel eine Remote-KVM-Session aufbauen können.

DSview zeigt die ganze VMware-Infrastruktur, zum Beispiel Cluster und virtuelle Hardware-Ressourcen.

DSview zeigt die ganze VMware-Infrastruktur, zum Beispiel Cluster und virtuelle Hardware-Ressourcen.

Die Firma VMware will sich dieses Jahr zweier Schwerpunkte annehmen: Neben Desktop-Virtualisierung soll es vor allem um “Channeling” gehen – also Vertrieb. Dafür bauen die Virtualisierer ein SMB-Center (Small-Medium-Business) auf, in denen Händler ihre Eignung als Partner von VMware feststellen können. Auch Vmware hat sich einen Platz im Virtualisierungsforum gesichert. Das Forum beherbergt weiterhin unter anderem Bea Systems, gegründet 1995, Hauptsitz in San Jose, vor Kurzem von Oracle gekauft. Bea zeigt seine Weblogic Server Virtual Edition, einen für virtualisierte Umgebungen optimierten Applikationsserver. Insgesamt stellen im Forum rund zehn Unternehmen ihre Produkte zur Schau.

Ein Blick über die Dorfgrenze lohnt auch hier. Da gibt es zum Beispiel die gesammelte Hardware von HP zu begutachten, wofür der HP-Reseller MCL sorgt (Halle 5, Stand D23). “Wir haben alles vor Ort, was es von HP an Server- und Storage-Systemen gibt”, sagt der Stuttgarter HP-Partner nicht ohne Stolz. Darauf wird aber fast nur Windows laufen, obwohl Linux “immer mehr gekauft wird”, wie ein Firmensprecher bestätigte. Der Besucher kann sich VMware Infrastructure auf HP-Bladeservern ansehen. Diese Lösung migriert Storage im laufenden Betrieb.

MCL führt VMware VI auf HP-Blades der C-Klasse vor. Der neueste seiner Art ist der hier abgebildete HP Integrity BL870c.

MCL führt VMware VI auf HP-Blades der C-Klasse vor. Der neueste seiner Art ist der hier abgebildete HP Integrity BL870c.

Der Xen-Eigentümer Citrix (Halle 4, Stand B04) führt den Xen-Server 4.1 vor, der auch als 64-Bit-Version vorliegt. Die Xen-Desktop-Virtualisierung, die Citrix ebenfalls präsentiert, virtualisiert allerdings nur Windows-Desktops, wie ein Sprecher einschränkte.

Hart aber sparsam

An der Server-Front wird es die neueste energiesparende Generation von Fujitsu Siemens am Intel-Stand zu sehen geben (Pavillon 33). In Hannover dabei sind die neuen Industrie-Standard-Server der Primergy-Reihe, die besonders sparsam mit der Energie umgehen sollen. In Aktion sieht der Besucher die Bladeframe-400-Systeme mit RHEL 5.0, SLES 10 oder Windows. Der BX600-Bladeserver ist als Showsystem ebenfalls dabei, verrät eine Sprecherin. Und besonders handlich präsentiert sich der TX120, der ungefähr so groß ist wie ein Leitz-Ordner.

Für den kleinen Primergy TX120 gibt Fujitsu Siemens 163 Watt Wirkleistung und maximal 31 Dezibel Lautstärke an. Zum Vergleich: Das Rascheln von Blätter bewegt sich zwischen 20 und 40 Dezibel.

Für den kleinen Primergy TX120 gibt Fujitsu Siemens 163 Watt Wirkleistung und maximal 31 Dezibel Lautstärke an. Zum Vergleich: Das Rascheln von Blätter bewegt sich zwischen 20 und 40 Dezibel.

Von Asus (Halle 26, Stand D39) sind diverse Neuerungen auf Linux-Basis zu erwarten. Der Konzern will – so sagen Gerüchte – dem günstigen Subnotebook Eee-PC eine Desktop-Ausgabe folgen lassen (zum Eee-PC siehe den Testbericht von Jan Rähm im Linux Magazin 01/2008, der auf Linux-Magazin Online verfügbar ist). Auch mit einer TV-Multimedia-Lösung will Asus das Eee-Segment erweitern.

Dünn gespart

Thinclients sparen Ressourcen, womit sie am Dunstkreis der Green IT nicht vorbeikommen. Der Bremer Thinclient-Hersteller Igel ist da zum Beispiel am Gemeinschaftsstand der Bitkom (Halle 4, Stand A04) mit voller Ausrüstung vertreten: Er will sieben Serien von Thinclients aufbauen, auf denen jeweils sowohl Linux als auch Windows XP läuft. Jede Thinclient-Installation kann sich der Besucher mit den Virtualisierungsprogrammen VDI, DDI, Xen, VDM und Leostream ansehen. Das neueste Igel-Produkt ist der integrierte Thinclient-Monitor Elegance mit 19 Zoll. Als weiteren Highlight bezeichnet Igel die neue Version der Linux-Firmware mit neuem RDP-Client und erweitertem Remote-Windows-Management, der mehrere Applikationen entfernter Rechner auf den Bildschirm holt.

Igel präsentiert seinen integrierten Thinclient der Elegance-Serie mit 19-Zoll-Display von Samsung. Auch die Linux-Firmware ist renoviert.

Igel präsentiert seinen integrierten Thinclient der Elegance-Serie mit 19-Zoll-Display von Samsung. Auch die Linux-Firmware ist renoviert.

Bei den Thinclient-Anbietern plant die Firma Levigo, sich auf der Cebit mit einer neuen Marke zu positionieren (Halle 4, Stand A04). Die 30-köpfige Mannschaft aus hat im Oktober 2007 ihre Thinclient-Software quelloffen gemacht (dazu gibt es eine Meldung auf Linux-Magazin Online). Jetzt hat sie wiederholt angekündigt, auf der Cebit 2008 unter dem Namen Aranto eine Thinclient-Suite für Geschäftskunden vorzustellen.

Die Firma Levigo gab im Herbst 2007 ihre Thinclient-Software frei, die sie auf der Cebit in einer Business-Version unter der Marke Aranto vorstellt.

Die Firma Levigo gab im Herbst 2007 ihre Thinclient-Software frei, die sie auf der Cebit in einer Business-Version unter der Marke Aranto vorstellt.

Zu guter Letzt möchte der Hersteller VXL (Halle 12, Stand D57) beeindrucken, indem er seine Thinclient-Palette ausbaut. Hinzu kommt sowohl eine High-End-Serie als auch ein Niedrigpreissektor. Die bisherige Serie TC43xx soll künftig die mittlere Ausstattungsklasse bilden, die High-End-Linie mit Dual-Screen und GByte-Ethernet heißt dagegen TC7xxx. Einsteigergeräte aus der Reihe T23xx soll es zum Kampfpreis von rund 140 Euro geben. Die Ausstattung eines solchen Einstiegsmodells umfasst einen VIA-C7-Prozessor mit 1 GHz Taktrate, 32 MByte Flash, 128 MByte RAM, Management-Software und wahlweise Linux oder Windows CE als Betriebssystem.

Grüne Cebit-Sehenswürdigkeiten im Überblick
Climate Savers Computing Initiative Green IT Village, Halle 9
Bitkom, Vergleich Stromverbrauch zweier Büros Green IT Village, Halle 9
Fujitsu Siemens, Null-Watt-Monitor Green IT Village, Halle 9
Rittal, begehbares grünes Rechenzentrum Halle 12, Stand B26
Transtec: Mini-PC Senyo 600 Halle 2, Stand B20 (bei Novell)
Sun, Intel: Solar-Rechenzentrum im Truck Pavillon 33
Linux New Media AG: Linuxforum Halle 5, Stand F60
Avocent: DSview Virtualisierungsforum, Halle 2
VMware: Desktop-Virtualisierung Virtualisierungsforum, Halle 2
Oracle alias Bea Systems: Server Virtual Edition Virtualisierungsforum, Halle 2
MCL: Sammlung der HP-Hardware Halle 5, Stand D23
Citrix: Xen-Server 4.1 Halle 4, Stand B04
Fujitsu Siemens: Primergy-Server Pavillon 33 (bei Intel)
Asus: Eee-PC & Co Halle 26, Stand D39
Igel: Thinclient-Serien Halle 4, Stand A04 (Gemeinschaftsstand der Bitkom)
Levigo: Thinclient-Softare Aranto Halle 4, Stand A04 (Gemeinschaftsstand der Bitkom)
VXL: Thinclient-Serien Halle 12, Stand D57
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