Open Source im professionellen Einsatz
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Foto: Reinhard Eisele

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Gewonnen: Trophees du Libre 2009

Die kleine große Freiheit

09.06.2009

Der französische Open-Source-Wettbewerb Trophees du Libre vergibt drei Dutzend Preise zwischen 500 und 3000 Euro. Das ist eine Menge Geld. Was zählt ist Schaffensgeist und der Open-Source-Gedanke - berühmte Projekte aber haben wenig Chancen.

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Preise gibt es in den sieben Kategorien Medien, Professional, Sicherheit, öffentliche Verwaltung, Wissenschaft, Hobby/Freizeit und Bildung. Der erste Preis beträgt in jeder Kategorie 3000 Euro, Zweitplatzierte bekommen 1000 Euro und die Dritten im Bunde 500. Sinn der Sache ist laut Veranstalter, "die besten Erfindungen freier Software-Produkte zu belohnen" und "die Kreativität der Entwickler und Institutionen deutlich hervorzuheben". Dem Veranstalter Cetril (Centre Européen de Transfert et de Recherche en Informatique Libre), eine nicht-profitorientierte Organisation, zu deren Unterstützern Mandriva und IBM zählen. Die Jury rekrutiert sich aus mehr oder weniger exponierten Vertretern, Programmierern und Unternehmen freier Software.

Zur Bewertung der Gewinner gibt es eine Reihe Kriterien, deren Gewicht ein Faktor Ausdruck verleiht. Am Ende gewinnen Projekte mit den meisten Punkten. Am wichtigsten ist im Wertungssystem der Trophées du Libre die implementierte Funktionalität, also die Möglichkeiten, die die Software bietet. Für die Bewertung gibt sie den Faktor 5 her. Darauf folgen Qualität und Nützlichkeit jeweils mit Faktor 4. Nicht so wichtig findet der Veranstalter die einfache Installation und Einrichtung, was nur den Faktor 1 erhält. Und es gibt eine Eigenschaft, die sich stark negativ auswirkt und die erklärt, warum allgemein erfolgreiche Projekte wie Amarok, die wiederholt Teil nehmen, keine Trophee du Libre gewinnen: Der Wertungsfaktor für Berühmtheit beträgt minus fünfzehn. Der Effekt: Die Bewerber sind fast alle wenig bekannt.

Gosa2 und Sit, Ksplice, Linea 21

Den ersten Preis für Open-Source-Software im professionellen Bereich räumte das PHP-basierte LDAP-Interface Gosa2 ab (Galerie). Den zweiten Platz verdiente sich in der Berufe-Kategorie das praktische Programm Sit (Support Incident Tracker), der hilft, technischen Support via Telefon und E-Mail webbasiert im Griff zu haben. Die Kategorie IT-Sicherheit entschied der Live-Kernelpatcher Ksplice für sich. Für die öffentliche Verwaltung hat sich nach Meinung des französischen Veranstalters Linea 21 qualifiziert. Die Software begreift sich als eine Art Projektmanagementtool für Umwelt- und Entwicklungspolitik (daher die 21), kann aber auch darüber hinaus eingesetzt werden und stellt außerdem CMS-Funktionalität zur Verfügung.

Gosa2 war auch unter den Projekten, die auf dem Open-Source-Forum der Cebit 2009 ausstellen durften. Auf Linux-Magazin Online gibt es deshalb ein Kurzprofil des Projekts mit Galerie. Außerdem stellt für 1 Euro ein PDF-Artikel aus dem Linux-Magazin Gosa und andere LDAP-verwaltungstools gegenüber. Auch Ksplice ist kein Unbekannter: Erst kürzlich erhielt das im MIT entstandene Projekt von seiner Heimatorganisation 100.000 Dollar Innovationspreis als Finanzspritze für eine Unternehmensgründung.

Math GL, Vallect, Uniconvertor, Pychess

Als wissenschaftliche Software erhielt Math GL die Erster-Platz-Trophäe, eine aus Russland stammende Bibliothek zur grafischen Darstellung von Daten, die sich in andere Programme einbetten lässt. Im Bereich Bildung erhielt den ersten Preis Vallect, eine Art Portal-Software für Schulen und Bibliotheken, auf der private Rezensionen und E-Books getauscht werden können. Die Webseite ist allerdings nur in französisch und es bleibt etwas unklar, woraus die Software eigentlich besteht. Der zweite Platz ging an Oscar (Outil Systéme Complet d'Assistance Réseau), wohinter sich im wesentlichen die System Rescue CD verbirgt. Die Software ist eine Deploymenthilfe für Rechnerumgebungen speziell in Schulen oder Verwaltungen, die wenig technisches Fachwissen voraus setzt.

Als bestes Medien-Tool galt den Preisverleihern die kommandozeilenbasierte Konvertierung namens Uniconvertor. Sie steht als Quelldatei, RPM und Windows-Installer zur Verfügung und wandelt zum Beispiel in beide Richtungen die Dateiformate von Adobe Illustrator (AI) und Windows Metafile (WMF) in PDF um, sowie um in SVG, SK, SK1, CGM, und Postscript. Unerkannt, aber vielverwendet ist das Tool in Inkscape und Scribus anzutreffen, wo es für den Import von Corel Draw Dateien sorgt. In der letzten Kategorie - Freizeit, Hobby, Familie - siegte der Spieltrieb. Den ersten Preis gewann das in Python geschriebene Schachspiel Pychess.

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