FSFE-Abend zu Vorratsdatenspeicherung:
Datenschutz: Zeit, aufzuwachen
von Anika Kehrer
17.12.2007
Die Free Software Foundation Europe (FSFE) lud zum Informationsabend Vorratsdatenspeicherung. Sechs Referate zu Datenschutz, Pressefreiheit, Gesetzen und Gesundheitskarte gab es am 14. Dezember in der Universität Mannheim zu hören.
Ist Datenschutz langweilig?
Den Abend zur Vorratsdatenspeicherung hat Joachim Jakobs von der Free Software Foundation Europe (FSFE) als niedrigschwellige Bildungsveranstaltung geplant. versammelte rund 50 Zuhörer, darunter Ärzte, Mittelständler und Journalisten. An diese Berufsgruppen richteten sich unter anderem auch drei der sechs Vorträge (siehe Ankündigung auf Linux-Magazin Online). Die Mehrheit der Anwesenden kam aus der Ecke der Informatiker.
Datenschutz? Theoretisch ja
Beim Datenschutz diagnostizierte Referent Thomas Lapp, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt IT-Recht, eine gewisse Schizophrenie: In der Theorie zeigen sich die Leute besorgt. In der Praxis, etwa beim Surfen, ignorieren sie ihn. Das Internet sei kein anonymes Medium, referiert Lapp und zeigt das anhand von Web-2.0-Plattformen und Google. Und die geplanten Gesetzesänderungen, welche Lapp vorstellte und die demokratische Säulen wie Fernmeldegeheimnis und Pressefreiheit einschränken, gingen mit ihrer Wikrung über den Kreis von Technik-Interessierten hinaus.
"Die Diskussion um Datenschutz und Privatsphäre kreist seit vielen Jahren sehr bequem im Kreise der Informatiker", sagte Referent Arne Wichmann. Lernziel seines Vortrags war, wie die Privatsphäre trotz Abhörmaßnahmen gewahrt werden könne. Misstrauen gegenüber Dienstleistern, abhörsichere Kommunikation und sichere Technik nannte Wichmann. Statt wie geplant dem Publikum Linux, Tor und GnuPG vorzustellen, gab Wichmann der Diskussion Raum.
Denn schon gegen die Anonymisierungssoftware Tor erhob die Informatikerin Constanze Kurz heftig Einspruch, die am gleichen Abend zur Online-Durchsuchung referierte: "Willst Du wirklich noch Tor empfehlen? Das ist doch von gestern", rief sie. "Es ist langsam, nicht skalierbar, meiner Mutter kann ich damit nicht kommen!" Wichmann zeigte sich pragmatisch und fragte nach der Alternative. "I2P", entschied Kurz. "Aber es ist leider noch nicht fertig." In Anspielung auf die vom Bundestag beschlossene Vorratsdatenspeicherung schob sie nach: "Wir brauchen es zum 1.1.2008", und der Saal lachte.

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Die Informatiker Constanze Kurz und Arne Wichmann waren sich uneins: Die Anonymisierungssoftware Tor ist lahm und unhandlich, sagt Kurz. Sie ist derzeit die einzige Alternative, sagt Wichmann.
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Constanze Kurz, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität Berlin und aktives Mitglied des Chaos-Computer-Clubs, kommt viel rum und kann einiges aus dem Nähkästchen plaudern. Über den Bundestrojaner etwa, den Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalamt als ultimativ bezeichnet habe, ohne Programmierfehler, ohne Spuren zu hinterlassen und nicht kopierbar. Das habe Ziercke bei einer Expertenrunde selbst zu ihr gesagt, erzählte Kurz zum Amüsement des Publikums.
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