Auswärtiges Amt: Virtualisierung in der Desktop-Migration
Abschied von Windows-Nischen
von Jan Rähm
31.01.2008
Seit 2001 betreibt das deutsche Außenministerium - das Auswärtige Amt - die Umstellung von Windows und proprietären Anwendungen hin zu Open Source und GNU/Linux. Nachdem im letzten Jahr nahezu alle Rechner auf friedliche Koexistenz beider Welten umgestellt waren, setzt die IT-Abteilung des Ministerium nun alles daran, Windows in die virtuelle Welt zu verbannen. In seinem Vortrag im Berliner New Thinking Store erklärte Torsten Werner, wie das Amt die Virtualisierung bewerkstelligt.
Server auf Linux migrieren - das ist Torsten Werner nicht mehr spannend genug. Der stellvertretende Leiter IT-Strategie im Auswärtigen Amt und aktive Debian-Entwickler sieht seine Herausforderung in der Migration von Linux auf Desktop-Arbeitsplätze. Die 11.000 Arbeitsplatzrechner des Amts und seiner weltweiten Außenstellen sollen vollständig auf GNU/Linux umgestellt werden.
Sorgenkind-Anwendungen
Bereits seit Jahren arbeiten Torsten Werner und seine Kollegen an dieser Aufgabe (Das Linux-Magazin berichtete). Dabei war das Problem zu lösen, dass es noch immer Anwendungen gibt, die zwingend ein funktionierendes Windows voraussetzen und für die es (noch) keine Alternativen gibt. Die Lösung für den IT-Stab hieß Virtualisierung. Dabei kamen nur zwei Produkte in Frage, die die IT-Fachleute als ausgereift und anwenderfreundlich ansehen: Die kommerzielle Lösung Vmware und das größtenteils frei verfügbare Virtualbox. Ganz im Sinne der IT-Strategie des Amtes fiel die Wahl auf das mittlerweile dual-lizenzierte Virtualbox, das bereits seit vier Jahren entwickelt wird. Es ist der Nachfolger des an Microsoft verkauften Produkts "VirtualPC" und seit gut einem Jahr fast vollständig quelloffen. Lediglich einige wenige Module sind der kommerziellen Variante vorbehalten.
Sicherheitsrisiko Office
Neben den Spezialanwendungen des Ministeriums gibt es noch eine weitere Anwendung, die zwingend Windows voraussetzt: Microsoft Office. Dieses Produkt wird in wenigen Fällen noch immer benötigt, beispielsweise bei hoch-komplexen Tabellenkalkulationen oder bei Anwendern, die sich nicht mit Open Office anfreunden können. Es birgt aber für die ansonsten abgesicherte und sehr sensible IT-Umgebung des Außenministeriums schwere Sicherheitsrisiken: Vor gar nicht langer Zeit hätten sich diese sehr medienwirksam gezeigt, erläutert Werner. So sei das "Chinesische Rootkit", das im letzten Jahr die deutsche Regierung verärgerte, vor allem in Form von manipulierten Office-Dokumenten auf staatliche Rechner gelangt. Das Problem, das dieses Format mit sich bringt, sei das binäre Format. Die Gefahr ließe sich aber sehr gut in den Griff bekommen, wenn das proprietären Office in einer abgesicherten, virtuellen Umgebung laufe. Open Office und das offene Dokumentenformat ODF seien von den Gefahren nicht betroffen. Dank ihrer XML-basierten Struktur ließen sich in ihnen Gefahren und Manipulationen schnell entdecken und herausfiltern, erklärt der IT-Spezialist.
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