Bereits Anfang Juni veröffentlichte Microsoft die Software als hauseigenes Open-Source-Projekt unter der Microsoft Public License (MS-PL). Allerdings wurde das Produkt seinem Namen "Sandburg" gerecht: Die Quellen wurden nicht mit veröffentlicht. Daraufhin zog Sam Ramji, der Leiter Plattformstrategie bei Microsoft, das Projekt von der Microsoft-eigenen Open-Source-Seite Codeplex zurück und entschuldigte sich im Namen des Unternehmens bei der Open Source Initiative (OSI).

Nun soll alles anders werden und das Projekt ist wieder auf der Webseite zu finden. Microsoft Sandcastle ist ein Compiler für Klassenbibliotheken und liefert Software-Werkzeuge, mit denen Dokumentation im MSDN-Stil mit XML-Dokumentkommentaren generiert werden kann. Laut Ramjis Blogeintrag wird der komplette Quellcode sofort freigegeben, und er kommentiert: "Dies war keine triviale Leistung (...) Ich glaube, diese Aktionen zeigen Microsofts Wunsch, der Open-Source-Definition der OSI zu entsprechen in Bezug auf Quellcode, wenn wir Open Source-Projekte auf Codeplex freigeben."

In seiner Funktion ist Ramji einer von Microsofts Hauptakteuren bei den Bemühungen des Unternehmens um Open Source. Die Rücknahme des Projekts im Juni begründet er damit, dass an Microsoft höhere Maßstäbe angelegt werden als an andere: "Ich glaube, während wir unternehmensweit praktische Vorgehensweisen entwickeln, wie wir uns an der Open-Source-Entwicklung beteiligen können, müssen wir nach den höchstmöglichen Standards streben." Ramji meint, das Unternehmen habe aus dem fehlgeschlagenen ersten Anlauf einige Lehren gezogen: Die hauseigenen Richtlinien und Prozesse bei Open Source sollen besser organisiert werden. Seit dem Lapsus im Juni hätte das Team weitere Microsoft-Projekte gefunden, die zwar unter der MS-PL lizensiert waren, aber den Quellcode nicht veröffentlicht hatten. Dies soll nun nachgeholt werden, und Ramji münzt den Vorfall zur Chance um: "Wir haben eine großartige Gelegenheit, mehreren Teams dabei zu helfen, den praxiserprobten Regeln von Open Source zu folgen."

Die Microsoft Public License ist zusammen mit der Microsoft Reciprocal License (Ms-RL) im Oktober 2007 von der OSI als Open Source anerkannt worden (Linux-Magazin Online berichtete).