Open Source im professionellen Einsatz

X-Server 1.6 mit überarbeiteter DRI

27.02.2009

Mit über einem Monat Verspätung hat das X.org-Projekt Version 1.6 des X-Servers freigegeben.

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Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen bei der Entwicklung des X-Servers kam, hatte sich das Team noch im November letzten Jahres einen strickten Zeitplan auferlegt. Demnach sollte der neue X-Server 1.6 bereits im Januar erscheinen. Einige kritische Fehler vereitelten jedoch auch diesmal wieder eine pünktliche Veröffentlichung.

Als größte Neuerung bietet der X-Server eine kernsanierte Direct Rendering Infrastructure. Sie gestattet Anwendungen den direkten Zugriff auf die Grafikhardware und ermöglicht so erst eine beschleunigte 3D-Ausgabe. Gegenüber ihrem Vorgänger wurde für die neue DRI-Version 2 der grundlegende Aufbau überarbeitet, der Programmcode entschlackt und so die Leistungsfähigkeit erhöht. Durch die geänderten Schnittstellen müssen jedoch neue, beziehungsweise angepasste Treiber her. Vorreiter ist hier Intel, dessen Grafiktreiber bereits mit DRI2 umgehen können.

Zu den weiteren Neuheiten zählen X Input 1.5, das die Einrichtung und Abfrage von Eingabegeräten erleichtert, die Predictable Pointer Acceleration, die eine verbesserte beschleunigte Darstellung des Mauszeigers bietet und die Resize and Rotate Erweiterung (RandR) in Version 1.3. Dessen neue Funktionen, wie projektive Transformationen oder Panning (Verschieben von Bildinhalten), demonstriert ein Video auf der Internetseite Phoronix. Darüber hinaus wurden am X-Server noch kleinere Detailverbesserungen vorgenommen und zahlreiche Fehler entfernt.

Das ursprünglich ebenfalls für den X-Server 1.6 angekündigte X Input 2 wurde genau so auf eine nachfolgende Version verschoben, wie die Erweiterung Multi-Pointer X (kurz MPX), an der die Entwickler bereits seit über einem Jahr arbeiten. Mit MPX darf man neben Tastatur und Maus beliebig viele weitere Eingabegeräte gleichzeitig einsetzen.

Weiterhin wurde erwartet, dass die maßgeblich von Intel entwickelte 2D-Beschleunigungsarchitektur UXA in den X-Server wandert. Sie basiert auf dem bislang für diese Zwecke genutzten EXA. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger nutzt UXA den Graphics Execution Manager (kurz GEM) zur Speicherverwaltung und sollte aufgrund der dadurch erzielten Leistungssprünge ursprünglich sogar wieder mit EXA verschmelzen. Wie es mit UXA und EXA weitergeht, ist im Moment noch offen, immerhin erhielt EXA ein paar kleinere Verbesserungen.

Der jetzt veröffentlichte X-Server 1.6 bildet den Kernbestandteil des X.Org-Pakets, einer Referenzimplementierung des X-Window-Systems, die in jeder modernen Linux-Distribution die Fenster auf den Bildschirm zaubert. Obwohl das Gesamtpaket keinen Versionssprung auf Version 7.5 erfahren hat, wurden dennoch einige weitere Bestandteile aufpoliert. In erster Linie reparierten die Entwickler bekannte Fehler, hoben den Treiber xf86-video-ati auf Version 6.11 und aktualisierten sogar noch einmal die Treiber für alte Voodoo-Karten. Wann es ein neues X.Org 7.5 geben wird, ist nach der bisherigen Veröffentlichungspolitik noch nicht klar. Beobachter wie die Seite Phoronix vermuten, dass sich die Anwender noch mindestens bis zum Herbst gedulden müssen.

Der neue X-Server lässt sich jedoch problemlos mit dem derzeit aktuellen X.Org 7.4 verheiraten. Einzig an den Treibern könnte es scheitern: Während die aktuellen, proprietären Nvidia-Treiber bereits mit dem neuen X-Server zurecht kommen, bietet die AMD/ATI-Konkurrenz noch keine Unterstützung.

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