Open Source im professionellen Einsatz

Windows 10 S ohne Linux

23.05.2017

Gerade feierte Windows die Verfügbarkeit von Linux-Distributionen im Windows-Store, da rudert das Unternehmen für Windows 10 S auch schon wieder zurück. Diese Version sei "optimiert für Sicherheit" und nimmt das zum Anlass, "unsichere" Windows-Store-Anwendungen zu sperren, unter anderem Linux-Distributionen.

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Windows 10 S richte sich an "Lehrer und Grundschüler, Studierende ohne Technikkenntnisse, Content-Erzeuger, Künstler und so weiter", erklärt der Microsoft-Projektmanager Rich Turner in einem Blogpost. Und laut der deutschsprachigen FAQ ist Windows 10 S "von Studierenden, Schülern und Lehrkräften inspiriert und das beste Windows, das jemals für Bildungseinrichtungen entwickelt wurde". Mit eingebauten Bildungslücken, wie es scheint.

Windows 10 S sei auf Sicherheit optimiert, schreibt Turner und unterstütze daher nicht alle im Windows Store erhältlichen Anwendungen. Nur weil Apps im Windows-Store stecken,  seien diese nicht automatisch sicher. Und damit nicht automatisch geeignet, unter Windows 10 S zu laufen. Während Anwendungen, die zur Universal Windows Platform (UWP) gehören, in einer Sandbox laufen und nur begrenzten Zugriff auf Hardwareressourcen haben, gehöre Linux zu einer "exotischen Art von App-Paketen", wie Turner es ausdrückt.

Diese Exoten stammen zwar ebenfalls von Microsoft-Partnern und werden ebenfalls als UWP-App installiert. Doch die Kommandozeile laufe mit den Rechten des lokalen Users und habe damit mehr Zugriffsrechte als eine "gewöhnliche" UWP-App, so seine Erklärung. Das betreffe aber auch die Windows-Kommandozeile, die Powershell.

Auf die Frage eines Nutzers, ob denn wenigstens SSH unter Windows 10 S laufe, antwortet Turner ausweichend: Es gebe Putty und SSH-Client-Apps im Store, die vielleicht auch unter Windows 10 S laufen. Der Fragende solle ihn doch informieren, wenn er eine SSH-App findet, die unter Windows 10 S läuft. Eine recht merkwürdige Antwort für einen Projektmanager, der sein Produkt in und auswendig kennen sollte.

Doch nicht nur Linux dürften Windows-10-S-User vermissen. Auf dem System läuft als Standardbrowser Edge, der Browser von Microsoft und als Standardsuche Bing. Laut deutscher FAQ lassen sich andere Browser und Suchmaschinen herunterladen, die im Windows Store verfügbar sind. Der Store akzeptiert allerdings nur solche Apps, die zum Browsen die HTML- und Javascript-Engines der Windows-Plattform verwenden.

Auch externe Spiele-Plattformen wie Steam dürfen ihre Software nicht auf Windows 10 S anbieten. Wer solche Software vermisst, hat dann nur die Möglichkeit, für einen Aufpreis zu Windows 10 Pro zu wechseln.

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