Open Source im professionellen Einsatz

Wettbewerbsrecht: Windows 7 in Europa ohne IE

12.06.2009

Das Urteil der Europäischen Kommission zeigt Folgen: Microsoft will sein neues Betriebssystem in Europa ohne den Internet Explorer ausliefern.

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Im Firmenblog erklärt Microsoft-Anwalt und Vizepräsident Dave Heiner: "Wir arbeiten daran, unsere rechtlichen Verpflichtungen in Europa für Windows 7 zu erfüllen". Der Jurist formuliert, ein laufendes Verfahren verursache Bedenken über den ausreichenden Wettbewerb unter den Webbrowsern, die für Windows-Nutzer in Europa verfügbar sind. "Wir müssen uns nach dem Europäischen Wettbewerbsrecht richten", so Heiner: "Wir haben uns entschieden, den Internet Explorer in Windows 7 in Europa separat anzubieten."

Um das angepeilte Startdatum 22. Oktober zu halten, will das Unternehmen nun die Computerhersteller informieren. Zur Unterscheidung sollen die Versionsbezeichnungen für Windows 7 mit einem "E" ergänzt werden. Damit der europäische Anwender dennoch sofort im Internet surfen kann, sollen die Computerhersteller einen Browser ihrer Wahl auf den Windows-7-Rechnern installieren.

Im Interview mit der Juristenplattform Groklaw bezeichnet ein Mitarbeiter der Europäischen Kommission diese Lösung als "Schritt in die richtige Richtung, aber längst nicht ausreichend". Auch dem Microsoft-Juristen scheint das bewußt zu sein, denn er schreibt : "Unsere Entscheidung, nur den IE separat von Windows 7 in Europa anzubieten, kann natürlich Möglichkeiten nicht vorweg nehmen, die im weiteren Prozess der Kommission noch aufkommen."

Im Februar 2008 hatte die Europäische Kommission den Konzern wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht zu der Rekordstrafe von 900 Millionen US-Dollar verdonnert . Anlass war die enge Verknüpfung des Betriebssystems mit Software-Anwendungen, die es Wettbewerbern erschwert Alternativen anzubieten. Im Januar 2009 bemängelte die Europäische Kommision erneut, dass der Browser Internet Explorer zu eng mit Windows verknüpft sei. Anlass war die Beschwerde des Browser-Herstellers Opera, die bei der Free Software Foundation Europe, Google und Mozilla Unterstützung fand.

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