Open Source im professionellen Einsatz

Wechsel auf HTTPS nützt Wikipedia

30.05.2017

Der Wechsel auf reines HTTPS Mitte 2015 tat der Erreichbarkeit der Wikipedia offenbar gut: Forscher der Universität Harvard fanden heraus, dass dank HTTPS weniger Zensur stattfindet.

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Die Forscher haben laut einem Vice-Artikel den Traffic der Online-Enzyklopädie vor und nach der Umstellung analysiert und stellten fest, dass es zwar weiterhin Zensur gibt, diese aber abgenommen habe. Im Juni 2015 hatte Wikipedia den HTTP-Zugang eingestellt, zuvor war die Website sowohl über HTTP als auch über HTTPS zugänglich.

Der Umstieg macht es schwieriger, Inhalt der Wikipedia zu zensieren. Zwar sehen die Zensoren noch immer, dass die Nutzer auf die Wikipedia zugreifen, doch sie sehen nicht, auf welchen Artikel. Als Beispiel nennt der Vice-Artikel den Eintrag zu den Tian’anmen-Protesten, den China im Vorfeld des Jahrestages zensierte.  

Der von den Harvard-Forschern eingesetzte Algorithmus suchte ab Mai 2015 nach ungewöhnlichen Veränderungen im weltweiten Servertraffic von Wikipedia. Die Forscher kombinierten die gefundenen Daten mit denen einer historischen Analyse der täglichen Anfragen von 1,7 Millionen Artikeln in verschiedenen Sprachen zwischen 2011 und 2016, um Zensurereignisse aufzuspüren. Schließlich starteten sie eine clientseitige Analyse und ließen ihre Browser verschiedene Wikipedia-Artikel in mehreren Sprachen aufrufen, wie sie auch die Einwohner eines bestimmten Landes sehen würden.

Auch wenn Länder wie China, Thailand oder Usbekistan noch immer Teile oder die komplette Wikipedia zensieren, scheinen die ersten Daten nahezulegen, dass "die Entscheidung eines Wechsels zu HTTPs eine gute war, wenn man sie vor dem Hintergrund betrachtet, den Zugriff auf Wissen zu gewährleisten."
Kritiker hatten befürchtet, dass der Wechsel auf reines HTTPS zu einer Totalblockade der Wikipedia führen könne und es besser sei, nur einige Inhalte anzubieten als gar keine. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hatte sich hingegen für die Verschlüsselung stark gemacht. Die Ergebnisse der Forscher scheinen ihm nun recht zu geben.

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