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Webhostingday 2009: "Fragt nicht, sondern verlangt nach IPv6!"

18.03.2009

Rackspot, ein Spinoff des portugiesischen Internetserviceanbieters NFSI, richtete an Webhoster auf dem Webhostingday 2009 ein Plädoyer für IPv6. Der Webhostingday findet derzeit im Phantasialand bei Köln statt.

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Manuel Coelho, CIO der Ausgründung von NFSI Telecom, referierte die üblichen Argumente wie Adressknappheit und technologische Vorteile. An Hoster und Contentprovider richtete er den Appell umzusteigen, da die Umstellung sonst schmerzhaft schnell gehen müsse. Er zeigte anhand verschiedener Diagramme, dass derzeit noch rund 12 Prozent der IPv4-Adressen verfügbar seien. Als Howto für die Umstellung gab er an, zunächst den DNS IPv6-fähig zu machen, dann den E-Mail-Service und zum Schluss den Webservice. Bei seinen ISPs solle man nicht nur nach IPv6 fragen, sondern es geradezu verlangen. Als populäres Beispiel eines IPv6-Anwenders nannte Coelho Google.

Eine praktische Frage aus dem Publikum mussten Coelho und sein ebenfalls anwesender CTO Nuno Vieira jedoch enttäuschend beantworten. Coelho nannte zwar diverse Beispiele für IPv6-fähige Betriebssysteme und Anwendungen (zum Beispiel Mozilla, Apache und PHP). Ein Zuhörer fragte jedoch nach Administrationspanels. Da gäbe es noch keine, bedauerte Coelho: NFSI stehe zwar im Gespräch etwa mit Parallels, aber konkret liege noch nichts vor. "Im Moment muss man genau wissen, wie man es konfiguriert", bestätigte Vieira, "es gibt keine komfortable Oberfläche. Aber es ist nur eine Frage der Zeit. Je mehr danach fragen, desto schneller wird es losgehen".

NFSI alias Rackspot fördert seit einigen Monaten die Verbreitung von IPv6 durch das Angebot, mit einer IPv6-Adresse im Dual-Stack parallel zur IPv4-Nutzung statt 2,5 TByte 5 TByte Traffic für die IPv6-Adresse zu erhalten, sagte Coelho zu Linux-Magazin Online. In größeren Traffic-Bereich gelte das Angebot allerdings nicht, denn NFSI wolle IPv6 verbreiten, "aber nicht die Firma ruinieren" sagte Coelho. NFSI und die neue Ausgründung Rackspot betrachten das als Investition in die Zukunft: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem IPv6 notwendig ist, und dann sollen sowohl NFSI als auch die Kunden keine Schmerzen haben, so Coelho. "30 Prozent der Kunden haben das Angebot wahrgenommen", bezifferte er.

Mehr als 70 Prozent der rund 850 Server laufen in Coelhos Datenzentrum mit Linux. Das Unternehmen nimmt Debian und Cent OS. Seit 2003 bietet NFSI IPv4 und IPv6 im Dual-Stack an. Eine Arbeitsgruppe der Linux Foundation meldete Ende 2008, das der Kernel nach den Standards der amerikanischen Regierung IPv6-fähig sei (wir berichteten). Es gibt außerdem eine eigene Webseite für Linux und IPv6.

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