Open Source im professionellen Einsatz

W3C und der Umgang mit DRM

17.03.2016

In Sachen DRM gehen die Meinungen zwischen der Electronic Frontier Foundation (EFF), der Free Software Foundation (FSF) und dem World Wide Web Consortium (W3C) stark auseinander. Nun wollen die EFF und das W3C aufeinander zugehen.

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Das W3C hat die Free-Software-Aktivisten aufgefordert, in einen direkten Dialog zu treten, anstatt, wie es die FSF fordere, Protest-Selfies vor dem Gebäude der Standardisierungsbehörde aufzunehmen. Die EFF will den Vorschlag annehmen und mit einem eigenen Vorschlag zu einem in Boston geplanten Treffen des Advisory-Kommitees erscheinen. Die Free Software Foundation hat zu Demonstrationen aufgerufen.

Streitpunkt ist das vom W3C standardisierte Digital Rights Management (DRM). Das Konsortium argumentiert, dass die Rechteinhaber DRM ohnehin eingeführt hätten, allerdings außerhalb der Organisation und verschiedenen Vorstellungen folgend. Das hätte gravierendere Folgen für die Sicherheit gehabt. Mit der Umarmung von DRM hofft das W3C, die mit der Technologie verbundenen Risiken zumindest zu minimieren. In der EME Working Group arbeiten unter anderem Google, Microsoft, Apple und Netflix an DRM.

Die FSF und auch die EFF lehnen DRM rundweg ab. Der schädlichste Teil von DRM lasse sich nicht mit Hilfe von Technologie lösen, schreibt die EFF in einem Post. Auch wer DRM aus legalen Zwecken umgehen möchte, um etwa Sicherheitskopien von Medien zu erstellen, müsse in vielen Ländern mit drastischen Strafen rechnen. DRM werde so zudem zu einer Blackbox auf den Rechnern der Nutzer.

Eine Zwischenlösung könnte sein, dass die W3C eine Vereinbarung unterschreibt, keine Prozesse gegen Personen zu führen, die DRM umgehen oder untersuchen möchten und ihre Untersuchungen zu DRM-Mechanismen veröffentlichen. Die Non-Agression-Vereinbarung könnte auch eine Voraussetzung für die Weiterarbeit der EME Working Group werden, die zurzeit am DRM-Standard arbeitet, schreibt die EFF. Der Vorschlag habe einige Zustimmung innerhalb und außerhalb des W3C gefunden. In Boston wird sich also zeigen, ob die beiden Seiten aufeinander zugehen können.

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