Open Source im professionellen Einsatz

W3C billigt umstrittenen Kopierschutzstandard EME

10.07.2017

Trotz teils heftiger Kritik empfiehlt das World Wide Web Consortium die Standardisierung von Encrypted Media Extensions (EME) und somit von Digital Rights Management (DRM) als Internetstandard.

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Das World Wide Web Consortium (W3C) will das Kopierschutzverfahren EME (Encrypted Media Extensions) als Standard im Internet etablieren. Trotz Bedenken von Netzaktivisten hat sich das Gremium um den WWW-Erfinder Tim Berners-Lee nun dazu entschlossen, den Standard für ein verschlüsseltes digitales Rechtemanagement (DRM) zur Standardisierung zu empfehlen. EME ist direkt in den Browser integriert und soll problematische Browser-Plugins wie Microsoft Silverlight oder Flash überflüssig machen. Die eigentliche Empfehlung soll in Kürze folgen.

Die gängigen Browser wie Chrome, Edge, Safari oder Firefox unterstützen EME bereits seit einigen Jahren. Dies ermöglichte es dem Videostream-Anbieter Netflix beispielsweise, den für den Dienst genutzten Player zu einem HTML-5-Player umzubauen. Für Nutzer dürfte sich nach der Entscheidung daher gefühlt wenig ändern.

Scharfe Kritik von der EFF

Kritik an der Entscheidung des W3C äußerte Cory Doctorow von der Electronic Frontier Foundation (EFF) in einem Blogbeitrag. Seiner Ansicht nach wurden die von zahlreichen Institutionen geäußerten Einwände nicht berücksichtigt. Dabei ging es unter anderem um eine Möglichkeit, legal die Sicherheit zu überprüfen und den Datenschutz der Nutzer, die Unterstützung von Open-Source-Browsern, den Zugang von Menschen mit Behinderungen sowie die Archivierung von Inhalten.

Die EFF findet DRM prinzipiell nicht gut, da Computernutzer als Gegner behandelt würden. So fordert sie unter anderem Ausnahmen für Menschen, die aus legalen Gründen den Kopierschutz umgehen wollen. "Das schadet Menschen, Firmen und Projekten, und es werden IT-Experten und ihre Anwälte, einschließlich der EFF sein, die den Scherbenhaufen zusammen kehren müssen. Wir haben gesehen, was passiert, wenn Menschen und kleine Startups den Zorn der großen Konzerne auf sich ziehen.", warnte Doctorow.

Berners-Lee verweist auf Vorteile von EME

W3C-Direktor Berners-Lee hält die Bedenken für unbegründet. "Die Spezifikation für Encrypted Media Extensions bleibt eine bessere Alternative für die Nutzer als andere Plattformen, was Sicherheit, Datenschutz und Zugangsmöglichkeiten einschließt", sagte der W3C-Direktor. EME habe den Vorteil, dass sämtliche Interaktion innerhalb des Browsers passiere und nicht innerhalb eines Plugins. Daher bedeute EME eine bessere Nutzererfahrung und liefere eine größere Interoperabilität. Obwohl der Nutzer weiterhin mit einem so genannten Content Decryption Modul (CDM) interagieren müsse, stelle dies einen Fortschritt gegenüber der früheren Situation dar. Solche CDMs sind etwa Primetime von Adobe, Widevine von Google oder Playready von Microsoft.

Berners-Lee räumte jedoch ein, dass es beispielsweise in der Debatte um die Ausnahmeregelungen für Sicherheitsforscher keine Einigung innerhalb der W3C-Mitglieder gegeben habe. Es sei seiner Ansicht nach aber nicht angemessen, wenn die Forderungen einer Minderheit das gesamte Projekt blockieren.

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