Open Source im professionellen Einsatz

Ude: "Linux [in München] ist billiger, zuverlässiger, flexibler und verursacht weniger Störungen"

28.03.2012

Bergfest, Abschluss der Makromigration, gute Zahlen und ein zufriedener Oberbürgermeister, der für das höchste Amt in Bayern kandidiert: Nach langen Jahren hat sich das Limux-Projekt zum Vorzeigeerfolg für die Linux-Community entwickelt - und will jetzt in verstärkten Kontakt mit anderen Gemeinden und Organisationen treten.

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Limux kommt München 4 bis 5 Millionen Euro billiger (11 anstatt 15 Millionen Euro), das ist nur eines der Fazits, die Münchens OB und SPD-Spitzenkandidat für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten Ude über den Linux-Umstieg in München ziehen kann. In dieser Summe seien jedoch weitere Kosten, die Upgrades auf neue Microsoft-Versionen (Office, Windows) erzeugen - schätzungsweise alle vier Jahre - noch nicht eingerechnet.

Fast ein Drittel billiger

Alleine die Lizenzkosten für MS-Produkte schlagen bei den weit über 10.000 PCs der bayerischen Hauptstadt mit etwa 2,8 Millionen Euro zu Buche. Für die Kostenrechnung geht Ude einem Artikel des Branchenportals E-Government-Computing.de zufolge von 15.000 MS-Office-Lizenzen, 7500 Windows-Lizenzen (Aktualisierungen), 7500 Neuanschaffungen von Hardware (wegen der durch die neuen Windowsversionen gestiegenen Hardware-Anforderungen) sowie Schulungs-, Migrations- und Entwicklungskosten (die Formatvorlagenverwaltung Wollmux müsste für MS Office komplett neu entwickelt werden) aus.

Nicht enthalten seien Erweiterungen und Verbesserungen, die im Rahmen des Limux-Projektes dazugekommen seien, zum Beispiel das Qualitäts-, Anforderungs- und Testmanagement. So kommen die Verantwortlichen der Stadt München auf die Summe von 15,5 Millionen Euro, die ein vergleichbarer Ausbau von Microsoft-basierten Systemen auf den Stand von Limux kosten würde.

Weniger Störungen

Obwohl sich die Linux-Arbeitsplätze noch in einer Einführungsphase befänden, wo es normalerweise an vielen Ecken und Enden "hakt", können die Verantwortlichen jedoch bereits jetzt feststellen, dass in vielen Fällen (Referaten) nach Auskunft der Administratoren deutlich weniger Störungen auftreten als dies mit Windows NT der Fall war. Eine generelle Aussage dazu sei aber erst in ein paar Jahren möglich, wenn alle Linux-Arbeitsplätze in Betrieb seien, schreibt E-Government-Computing. Fakt ist jedoch, dass parallel zur zunehmenden Anzahl von Linuxrechnern im Netz eine Abnahme an Störungsmeldungen zu beobachten sei.

Office-Migration: 20.000 Makros

Auch Kirsten Böge, verantwortliche Kommunikations- und Veränderungsmanagerin bei der Landeshauptstadt München weiß von den Erfolgen zu berichten, zum Beispiel dem Abschluss der aufwändigen Makro-Migration im Februar 2012. Über 20.000 Makros, Formatvorlagen und Formulare galt es zu erfassen, analysieren und in das eigens geschaffene Open-Source-Projekt Wollmux zu integrieren. Der über die Jahre gewachsene "Wildwuchs" dabei hatte mehrfach die Office-Migration gebremst, hatte am Ende aber auch die Möglichkeit zu einer umfassenden Konsolidierung der Office-Strukturen erbracht.

An die Öffentlichkeit mit Offenen Standards

Münchens Limux fühlt sich jetzt auch so stark, um erneut und mit vielen positiven Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen: "Wir sind jetzt soweit, dass wir etwas zurückgeben wollen, wir haben unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Da können wir zurückblicken und anderen Städten und Projekten helfen. Limux geht jetzt auch mehr nach außen", so Kirsten Böge zum Linux-Magazin. Dazu wolle man Kontakt mit anderen Vorzeigeprojekten in Gemeinden, Staaten und Institutionen aufnehmen, aber auch das eigene Behördenumfeld mit Informationen und Erfahrungen versorgen.

Dabei spielen offene Standards eine zentrale Rolle. Das zeigte sich auch in der Diskussion zwischen EU-Kommisarin Neelie Kroes und Bürgermeister Ude, der eine Festschreiben von freien Standards (vor allem .ODF) in der EU verlangt. Die jüngste Antwort von Kroes haben die Münchner erhalten, gut informierten Kreisen zufolge gehe das Bekenntnis von Kroes aber nicht weit genug. An der erneuten Antwort aus München nach Brüssel arbeiten die IT-ler und Verantwortlichen der bayerischen Landeshauptstadt gerade.

 

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