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US-Gericht gibt grünes Licht für Novell-Kartellklage gegen Microsoft

Das oberste US-amerikanische Gericht, der Supreme Court, gibt einer Novell-Klage gegen Microsoft wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens grünes Licht.

Novells Kartellrechts-Klage stammt aus dem Jahr 2004, ist also zwei Jahre älter als die Kooperationsvereinbarung mit Microsoft aus dem November 2006. Microsoft hatte gegen die Klage Einspruch eingelegt und wollte einen Stopp des Verfahrens erreichen. Nun hat der oberste Gerichtshof die Eingabe abgelehnt, Novell kann seine Klage fortsetzen. In dem Anwaltsschreiben von 2004 heißt es: "Microsoft hat seine Monopolmacht im PC-Betriebssystem-Markt mißbraucht, um die Verkäufe von WordPerfect und Novells verwandten Büro-Applikationen zu unterdrücken." Novell hatte das Unternehmen hinter der Textverarbeitung, die WordPerfect Corporation, 1994 gekauft. Als Microsoft seinerzeit Windows 95 in der Betaversion veröffentlichte, erhielt Novell keinen Zugang zu Schnittstellen und Dokumentationen. WordPerfect und die Tatbellenkalkulation QuattroPro waren laut Novells Argumentation damals weit verbreitet, mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent. Die hauseigenen Anwendungen liefen auch auf anderen Betriebssystemen als Microsofts Windows, und dies nennen die Novell-Anwälte als einen Grund für Microsofts Attacken. Mit WordPerfect und QuattroPro hätten die Anwender alternative Betriebssysteme nutzen können, und dies wiederum habe Microsoft verhindern wollen.

Vor Gericht argumentierte Microsoft in Schriftsätzen dagegen, dass Novell nicht als Wettbewerber auf dem Betriebssystem-Markt angetreten sei und deshalb auch nicht auf Verletzung von Wettbewerbsregeln klagen könne. Der Gerichtshof stellt sich mit seinem aktuellen Urteil hinter Novell und erklärt die Klage als zulässig.

Microsofts Anwälte befürchten laut einem Bericht des AP-Pressedienstes, dass diese Entscheidung die Anwendung von kartellrechtlichen Gesetzen "weit über ihren beabsichtigen Gültigkeitsbereich hinaus" ausdehnen würde und damit weitere Kläger folgen könnten. Kläger in US-amerikanischen Kartellrechtsprozessen können auf hohe Entschädigungszahlungen hoffen, Strafen bis zu der dreifachen Höhe des tatsächlich entstandenen Schadens sind möglich. Die Prozessbeobachter von Groklaw haben auf einer eigenen Webseite den bisherigen Prozessverlauf dokumentiert.

Novell hatte im November 2003 den deutschen Linux-Distributor Suse gekauft; seit November 2006 besteht eine umfassende Kooperationsvereinbarung mit Microsoft. Beide Unternehmen bezeichnen diese Zusammenarbeit in wiederholten Erklärungen als äußerst erfolgreich. Dennoch ist auch Novell nicht vor Klagen wegen Verletzung von Microsoft-Patenten geschützt, beispielsweise hat ein Microsoft-Patentinhaber die Linux-Unternehmen Novell und Red Hat deshalb unter Beschuss genommen. (Linux-Magazin Online berichtete hier und hier.)

(Britta Wülfing)
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