Open Source im professionellen Einsatz

Turbulente Updates bei Reiserfs

28.04.2009

Als Jeff Mahoney eine Reihe von Patches für Reiserfs einsandte, ging er davon aus, das Dateisystem würde sich von nun an in einem eingefrorenen Maintenance-Zustand befinden. Doch es kam anders.

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Gleich 35 Patches schickte Suse-Entwickler Mahoney Ende März an die Kernel- und die Reiserfs-Mailingliste. Die meisten davon hatten ihren Weg zwar in die Releases von Opensuse gefunden, aber noch nicht in den Kernel. Mit der Patch-Serie wollte Jeff Mahoney den Kernel 2.6.30 auf den aktuellen Reiserfs-Stand von Opensuse bringen. Er schloss seine Mail mit den Worten: "Once this is applied, I expect reiserfs to be in deep maintenance-only mode."

Kurze Zeit später meldete sich Linus zu Wort, dass er die Patches in den Kernel aufgenommen habe. Er riet dem Patch-Einreicher, die Änderungen ausgiebig zu testen, da er selbst keine Reiserfs-Partitionen mehr betreibe. Um einen Scherz nie verlegen, beendete Linus seine Mail mit einem kurzen Kommentar, dass er nicht mehr mit einem solchen Patch gerechnet hatte: "Heh, I hadn't expected even this."

Obwohl Novell das Dateisystem für seine Enterprise-Produkte noch ein paar Jahre pflegen muss, schien damit die Geschichte von Reiserfs 3.6 beendet.

Doch bereits am nächsten Tag meldete sich Kernelentwickler Ingo Molnar zu Wort. Er wies darauf hin, dass Frédéric Weisbecker im Rahmen des kill-the-BKL-Projekts noch daran arbeitet, die Big Kernel Locks (BKL) von Reiserfs zu entfernen. Reiserfs gehört zu den Dateisystemen, die relativ intensiv von BKLs Gebrauch machen. Seit Kernel 2.6.26 arbeiten zahlreiche Entwickler daran, diese Big Locks aus dem Kernel zu sammeln. Ingo Molnar hatte zu diesem Zweck einen separaten Tip-Baum angelegt, den "kill the Big Kernel Lock (BKL)"-Baum: Hier arbeitet Frédéric Weisbecker nun daran, den Code von Reiserfs so umzuschreiben, dass das Dateisystem keine BKLs mehr nutzt.

Da die BKL-Patches von Weisbecker Reiserfs aber in einer fundamentalen Weise verändern, bleiben diese vorerst im speziellen Git-Baum und fließen erst nach intensiven Tests in den Kernel ein, in jedem Fall erst nach Kernel 2.6.30.

Mit den BKL-Patches bereitet Weisbecker den Reiserfs-Nutzern jedenfalls Freude: Erstens nutzt das Dateisystem in Zukunft tatsächlich keine BKLs mehr, und zweitens finden die Locks, welche das Dateisystem weiterhin braucht, per Superblock (in der Regel per Einhängepunkt) statt und nicht wie bisher über alle Dateisysteme hinaus. Das führt zu einem Performance-Schub auf Systemen mit mehreren Reiserfs-Partitionen und Mehrkernprozessor, dem typischen Setup von Reiserfs in einer Serverumgebung also.

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