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Torvalds: Ich will der Beste sein

Die Linux Foundation hat den zweiten Teil ihres Interviews mit Linus Torvalds veröffentlicht. Hier spricht der Linux-Gründer über Patente, Microsoft, Sun, Linux auf dem Desktop sowie die Zukunft von Linux ohne Linus.

Nach Meinung von Linus Torvalds sind Softwarepatente zwar grundsätzlich schädlich, werden von großen Unternehmen jedoch meist nur als Drohgebärde gebraucht. Wegen der komplexen Materie im Umfeld von Millionen Codezeilen gingen Unternehmen mit Klagen sehr zurückhaltend um. Meist setzten sie ihr Patentarsenal eher zum Selbstschutz gegen Ansprüche von Wettbewerbern ein, so Torvalds im Gespräch. Anders liege der Fall bei den so genannten Software-Trollen, die selbst keinen eigenen Code produzieren. Weil diese keine eigenen Produkte haben, böten sie auch keine Angriffsfläche. "Sie sind Individuen, die nichts zu verlieren haben", erklärt Trovalds. Zudem attackierten diese vorzugsweise große Unternehmen, weil sie dort das große Geld vermuteten. Er glaubt: "Das durchbricht das Modell 'Kalter Krieg' und scheint einer der Gründe zu sein, warum auch große Unternehmen jetzt anfangen zu begreifen, dass Patente und Software eine richtig schlechte Idee sind."

Auch das Verhalten Microsofts mit seinen Verbalattacken in Richtung Open Source-Gemeinschaft sieht Torvalds eher als Drohgebärde: "Ich glaube, dass Microsoft Patente tatsächlich als Marketing-Sache betrachtet," meint er im Interview. Befragt, ob der Konzern die Interoperabilitäts-Bemühungen ernst meint, will er keine abschließende Meinung äußern. Es gäbe sicher viele Mitarbeiter, die ernsthaft um Interoperabilität bemüht wären, genauso aber auch gegenläufige Strömungen. "Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut", so sein Urteil über das Verhalten großer Unternehmen im allgemeinen und besonderen.

Als der Chef der Linux-Foundation das Gespräch auf Wettbewerb bringt, meint Linus Torvalds: "Ich glaube unbedingt an Wettbewerb. Ich halte ihn für wirklich wichtig, um Menschen zu motivieren. Auf jeden Fall motiviert es mich. Ich will der Beste sein." Allerdings schränkt er ein, dass er nicht den Vergleich mit anderen Betriebssystemen suche, sondern innerhalb des Systems der Beste sein möchte. Nachdem der Linux-Erfinder diesen hohen Anspruch klargestellt hat, fragt Zemlin nach der Zukunft von Linux nach der Ära Linus Torvalds. Torvalds lacht: "Wenn ich Alzheimer bekomme? Willst Du etwa behaupten, dass ich schon langsam den Verstand verliere?" Dann beschwichtigt er: "Ich würde mich nicht um den Weggang von mir oder Andrew [Morton] oder Alan [Cox] oder irgendjemand sorgen. Wenn die Entwicklerbasis groß genug ist, wird es immer jemanden geben."

Das Interview mit Linus Torvalds ist der zweite Teil eines Gesprächs, das der Geschäftsführer der Linux-Foundation Jim Zemlin geführt hat. Die Gespräche sind Teil einer Interviewreihe mit Open-Source-Persönlichkeiten, die unter dem Titel "Open Voices" auf der Webseite der Organisation veröffentlicht sind. (Linux-Magazin Online berichtete.)

(Britta Wülfing)
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