Open Source im professionellen Einsatz

Texas Instruments gibt DSP-Tools frei

21.11.2007

Texas Instruments hat einen Teil der Entwicklerwerkzeuge für seine digitalen Signalprozessoren zur Nutzung in Open-Source-Projekten unter Linux freigegeben.

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Mit dem Neuros OSD hat das gleichnamige Unternehmen in diesem Jahr für freudige Aufregung in der Open-Source-Szene gesorgt. Sie entwickelten nicht nur einen digitalen Video-Rekorder (DVR), der mit Linux betrieben wird, sondern arbeiteten auch aktiv mit der Entwicklergemeinschaft zusammen. Einzig ein wunder Punkt blieb: Um Codecs vom digitalen Signalprozessor (DSP) aus dem Hause Texas Instruments (TI) rechnen zu lassen, musste weiterhin eine Portion proprietären Codes genutzt werden. Damit ist nun weitgehend Schluss.

Texas Instruments hat sich entschlossen, Open-Source-Entwickler besser zu unterstützen und eine Linux-Version seines c54x C- und C++-Compilers für den Einsatz mit und in Open-Source-Projekten freigegeben. Durch diesen Schritt ist es nun möglich, Open-Source-Codecs auf dem TI DM320, einem Chip zur Audio- und Video-Verarbeitung, oder vergleichbaren c54x-Chips zu nutzen. Im Neuros-Weblog bezeichnet ein Benutzer den Schritt als "eine neue Stufe der Unterstützung der Open-Source-Entwicklergemeinschaft". Der c54x steckt unter anderem auch in Geräten des Herstellers Cowon, der für die Unterstützung des freien Codecs Ogg/Vorbis bekannt ist.

Bereits während des diesjährigen Google Summer of Code hatte der Student Christiaan Baaij an einer Open-Source-Implementierung einer Brücke zwischen ARM-Prozessor und DSP-Chips gearbeitet um Open-Source-Codecs portieren und nutzen zu können. Als Erfolg konnte er ein Kernel-Modul, eine DSP-Bibliothek und eine Zahl an Programmen vorweisen, die die DSP nutzen konnten. Er vermisste für seine Arbeit jedoch unter anderem einen Compiler und bessere Dokumentation des DSP-Chips.

Die jetzt von TI freigegebenen Tools bilden keine komplette Entwicklungsumgebung. Sie umfassen einen Compiler, einen Optimizer, einen Assembler und einen Linker. Ein passender Debugger fehlt. Um dennoch einen solchen zu nutzen, ist eine JTAG-Schnittstelle nötig, die recht teuer ist, dafür aber erweiterten Hardwarezugriff ermöglicht.

Beide Unternehmen erhoffen sich Vorteile von der Freigabe. Neuros erhofft sich, dass der OSD als Entwicklergerät eingesetzt wird. Schließlich spricht der Preis von rund 230 US-Dollar im Gegensatz zu einem Entwicklerboard nebst "Code Composer Studio"-Enwicklerumgebung von TI für gut 3000 US-Dollar klar für den kleinen Videorekorder. TI wiederum erhofft sich neue Impulse bei der Software-Entwicklung.

Die Entwicklertools hat Texas Instruments unter einer eigenen Lizenz freigegeben. Sie ist dem Downloadpaket beigefügt. TI weist darauf hin, dass die Anwendung nur in Bezug auf freie Projekte frei zu benutzen sei. Jegliche kommerzielle Nutzung erfordere die Lizenzierung bei TI. Auch möchte das Unternehmen bei jeglicher Weitergabe konkret genannt werden. Weiterhin weist TI darauf hin, dass für umfassende Debugging-Möglichkeiten der Erwerb der TI "Code Composer Studio"-Entwicklerumgebung notwendig sei. Schlussendlich dürfe auch der Compiler in seiner Form in keiner Weise verändert werden.

Der Neuros OSD - OSD steht für "open source device" - wurde als DVR der nächsten Generation konzipiert. Dabei setzten Unternehmen und Entwickler direkt auf die Zusammenarbeit mit der Open-Source-Gemeinschaft. Das Gerät kann Video- und Audiosignale aus allen gängigen Quellen im MPEG4-Format aufnehmen und direkt auf Speicherkarten oder angeschlossene Mediaplayer (inklusive iPod) übertragen. Zusätzlich kann der OSD als Netzwerk-Musikspieler benutzt werden.

Der OSD basiert auf dem System-on-Chip-Prozessor TI DM320 SoC von Texas Instruments. Dieser besteht aus einem ARM926EJ-Prozessor, der auf 200 MHz getaktet ist, und einem C54x DSP, der mit 120 MHz läuft. Zusätzlich hat Neuros einen Chip zur MPEG4-Video-Encodierung und -Decodierung verbaut und will so DVD-gleiche Wiedergabequalität erreichen. Vorerst ist das Gerät in seiner noch Beta-Version mit 8 MByte Flash-Speicher und 32 MByte RAM ausgestattet. Das installierte Linux-System basiert auf einem Kernel der 2.6er Serie.

Neuros teilt auf seiner Website mit, dass der digitale Video-Rekorder "Neuros OSD" für einen Tag zum Preis von rund 200 US-Dollar auf Buy.com zu haben ist. Der reguläre Preis beträgt 230 Euro.

Mit dem Neuros OSD können findige Entwickler auch Geld verdienen. Im Rahmen des Programms "Hacking for Cash: Bounties on the Neuros OSD" hat der Hersteller Prämien in Höhe von 500 bis 1000 US-Dollar für die Programmierung bestimmter Software-Bestandteile ausgelobt. Nähere Informationen finden sich auf der Herstellerwebsite.

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