Open Source im professionellen Einsatz

TU-Professor bemängelt Qualität der Microsoft-Studie über München

28.01.2013

Prof. Dr. Helmut Krcmar von der TU München übt fachliche Kritik an der von Microsoft beauftragten Studie zur Münchner Linux-Migration.

177

Nach dem Studium der online verfügbaren Zusammenfassung (PDF-Dokument) der von Hewlett-Packard erstellten Studie schreibt der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an das Linux-Magazin, sie "enthält keine Management Summary, in der zentrale Fragestellungen ausdrücklich aufgeführt werden. Auch die Beauftragung durch einen möglichen Auftraggeber wird nicht erwähnt."

Die größte Aufmerksamkeit in den Medien hat Kapitel 3 des Werks erfahren. Sie vergleicht den monetären Aspekt der Münchner Migration auf Linux und die freie Bürosuite Open Office mit einem "Vergleichsprojekt mit Windows XP und Office 2003" (Kap 3.2, S. 13ff). Prof. Krcmar kritisiert hier, dass der Studienautor "Projekterfahrungen aus vergleichbaren Projekten von HP" (S. 11) als Vergleich heranzieht. Krcmar: "In der Wissenschaft entspricht die Absicherung von Quellen und Daten durch 'erfahrungsgemäß' nicht den Standards von Rigorosität". Die nicht dargelegten Details bei der Kostenberechnung machten zudem das Nachvollziehen schwer. Das Fazit des Professors: "Schon aus diesen beiden Gründen kann auf der Basis des vorliegenden Textes die Studie nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden."

Ähnliche Artikel

  • Maddog: Linux für Schulen schneidet in Microsoft-Studie gut ab

    Laut einer von Microsoft beauftragten Studie verursacht der Einsatz von Linux in Schulen der Entwicklungsländer nicht mehr Kosten als der Windows-Betrieb. Diesen überraschenden Fund machte Jon 'Maddog' Hall, Kolumnist unserer US-Schwesterpublikation Linux Pro Magazine.

  • Limuxgate: FUD von Microsoft oder nur ein ungewolltes Leak?

    Ein unreflektierter, wenig hinterfragter Artikel in Focus Money entwickelt sich zum medialen Selbstläufer. Microsoft habe eine Studie erstellt, die "wissenschaftlich nachweise", dass die Open-Source-Migration bei der Landeshauptstadt München weit teuerer komme als bisher bekannt. Der Artikel wurde von zahlreichen, teils renommierten Fachblättern aufgegriffen, ohne dass die Quelle zugänglich war. Das Linux-Magazin hat den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude dazu befragt, stellt die Tatsachen zusammen und gibt die Einschätzung von Experten wie OSBA-Chef Peter Ganten wieder.

  • Open-Source-Tag der Lisog: Warum deutsche Behörden migrieren

    Auf dem Open-Source-Tag der Linux Solutions Group (Lisog) hat Professor Mark Cassell von der Kent State University, Ohio, die ersten Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die sich mit der Frage beschäftigt, warum Regierungsbehörden zu freier Software wechseln.

  • Vollgas zurück: Freiburg will im Eilverfahren zurück zu MS Office

    Gerade mal eine Woche gibt die Stadt Freiburg ihrem Gemeinderat und der Öffentlichkeit, um sich ein Bild über die Studie zu machen, die den Einsatz der Office-Migration in der Breisgau-Metropole beschreibt und dazu rät, aus Kompatibilitätsgründen doch wieder Microsofts Officeprodukte einzusetzen. Dafür wird ein Gemeinderatsbeschluss aus 2007 über den Haufen geworfen.

  • Microsoft gibt Teile der Studie frei - HP nennt Limux-Zahlen "nicht nachvollziehbar"

    Microsoft hat jetzt doch überraschend einen zwanzig Seiten langen Ausschnitt aus der Limux-Studie veröffentlicht, die in der letzten Woche für Furore sorgte. Angefertigt hat die Auftragsarbeit HP, und die Spezialisten kommen zu interessanten Schlussfolgerungen: So verlange beispielsweise ein aktuelles Debian deutlich schnellere Hardware als etwa Windows XP, das die Stadt heute vermeintlich noch im Einsatz hätte, hätte sie damals nicht auf Linux migriert.

comments powered by Disqus

Ausgabe 04/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.