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Suns Web-Chef Tim Bray wechselt zu Google

Good Bye, Oracle: Der XML-Koautor Timothy William Bray beherrscht seinen Ärger über den neuen Sun-Eigner nur mühsam und hat - von Android schwärmend - ein Jobangebot bei Google angenommen.

"Ich hätte bei Oracle bleiben können, entschied mich aber dagegen. Vielleicht erzähle ich die Geschichte mal, wenn ich dabei nicht mehr diesen merkwürdigen stechenden Druck in den Augen spüre", handelt der Kanadier seine beruflichen Abschied von Oracle ab.

Bei Sun war Tim Bray, der seit den 1990er Jahren als XML-Experte tätig ist und auch an dem Standard XML 1.0 mitgeschrieben hat, seit dem Jahr 2004. Hier bekleidete er im Software-Segment die leitende Position für Web-Technologie.

Die Überschneidung mit Webtechnik sowie Open Source motiviert ihn nach eigenem Bekenntnis für seine neue Arbeit bei Google - unter anderem wird er hier wohl im Android-Team mitwirken. Als Aufhänger dient ihm Apple: "Die I-Phone-Vision des mobilen Internets der Zukunft spart Kontroversität, Sex und Freiheit aus, und etabliert stattdessen strenge Grenzen, wer was wissen und wer was sagen darf. Das ist ein steriler Disney-Garten mit Mauern", schimpft er, "bewacht von Anwälten mit scharfen Zähnen. Ich hasse das." Er will zu Google und zu Android, um dieses Erfolgsprinzip zu widerlegen. Apple denke offenbar, dass man die Vorteile des Webs nutzen und gleichzeitig Kontrolle darüber ausüben kann, welche Programme darin laufen und welche Schichten im Stack zugänglich sind, so der Mathematiker und Informatiker: "Ich glaube, sie irren sich, und in meinem neuen Job kann ich das vielleicht beweisen helfen."

Der 54-Jährige interessiert sich nun ganz besonders für die App-Entwicklung auf Android, Web-Standards wie HTML 5 und den Android-Market. Er richtet sich an die Community mit den Worten: "Bist Du ein Android-Entwickler? Oder willst vielleicht einer werden? Oder hast Du Android schon aufgegeben? Wenn ja, dann bist Du jemand von dem ich lernen muss. Hilf, mir was beizubringen, ich bin einfach zu erreichen: twbray at google.com."

Es ist nicht gesagt, dass er ausschließlich Android machen wird, relativiert der seit heute als "Developer Advocate" betitelte Google-Mitarbeiter sein Tätigkeitsfeld. Offensichtlich hat er aber jede Menge Lust darauf. Auch der Umgang mit Google ist für den Freiheitsliebhaber noch neues Terrain: Vorsorglich macht er in seinem Posting klar, dass er sich auch weiterhin in seinem privaten Blog nicht den Mund verbieten lasse. Den aktuellen Blogeintrag habe Google in der Tat sehen wollen. Der neue Arbeitgeber habe aber keine Änderungen verlangt.

(Anika Kehrer)
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