Open Source im professionellen Einsatz

Sun und MySQL: "Erbsen in einem Topf"

27.02.2008

Sun hat den Kauf des Open-Source-Datenbankanbieters MySQL für eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen. Sun-Chef Jonathan Schwartz verteidigt die Kaufsumme in seinem Blog und betont die Gemeinsamkeiten der beiden Unternehmen.

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In aktuellen Mitteilungen meldet Sun Microsystems den Vollzug der Transaktion und folgt damit seiner Ankündigung aus dem Januar (Linux-Magazin Online berichtete). In einer groß angelegten Werbekampagne will Sun nun bei Organisationen und Unternehmen für den Einsatz von MySQL werben. Mit der Unternehmensstruktur von Sun im Rücken soll der Support für die freie Datenbank weltweit sichergestellt werden, für die Plattformen Linux, Windows und Solaris, und das laut Pressemitteilung weitgehend unabhängig von der Hardwareplattform. Damit will der Konzern die Voraussetzungen schaffen, dass sich die Datenbank auch in unternehmenskritischen Anwendungen durchsetzt. In seinem aktuellen Blogeintrag stellt Suns Chief Executive Officer (CEO) Jonathan Schwartz die Anzeigenkampagne vor und verweist für weitere Zukunftspläne auf die MySQL-User-Konferenz vom 14. bis 17. April im kalifornischen Santa Clara.

Obwohl in der Pressemeldung nur von "weltweit positiven Reaktionen" auf die Akquisition die Rede ist, sieht sich Suns Chief Executive Officer (CEO) Schwartz zu Erklärungen genötigt. Insbesondere die Höhe des Kaufpreises stieß wohl bei manchen auf Unverständnis. Sun zahlte 800 Millionen US-Dollar in bar, 200 Millionen US-Dollar wechselten in Aktienoptionen den Besitzer. Schwartz schreibt: "Es gibt immer noch Leute auf dieser Welt, die nicht glauben, dass es ein wirtschaftliches Modell hinter Open Source gibt. Sie glauben deshalb, dass eine Milliarde ein außerirdischer Preis für MySQL ist. Die extremsten unter ihnen sehen Linux, OpenSolaris oder Unternehmen wie SugarCRM als nichts anderes als Spielplätze für Hobbybastler." Er zeigt sich vom Gegenteil überzeugt und zitiert den MySQL-CEO Marten Mickos mit dessen Unternehmensphilosophie. Zusammengefaßt ließe sich das mit einer Spanne im Markt erklären: Die einen hätten mehr Zeit als Geld; das seien häufig die Entwickler und die Anwender. Die anderen hätten mehr Geld als Zeit, das wären dann diejenigen, die Support kaufen. Schwartz beschreibt die Konsequenz aus Unternehmersicht: "Um auf lange Sicht zu gewinnen, musst du auf beiden Seiten des Spektrums gewinnen - mit dem gleichen Produkt", schreibt der Sun-CEO. "Verkrüppelte Produkte oder schlüpfrige Lizenzausnahmen funktionieren nicht - Freiheit aber schon."

Etwas nüchterner erklärt er den Kaufpreis außerdem: MySQL habe kurz vor dem Börsengang gestanden, der nach Sun-Kalkulation in etwa die gleiche Summe gebracht hätte. Schwartz schreibt weiter über seine Vorstellungen, wie Sun die Kaufsumme trotz Open-Source-Politik wieder hereinholen will. Dazu hofft er auf Hardware-Umsatz auch bei den Datenbankanwendern, die die Software kostenlos herunterladen. Schwartz schreibt: "Obwohl nur ein kleiner Prozentsatz ihrer Downloads auch in einer Bestellung resultieren, müssen 100 Prozent der Downloads Hardware kaufen." Schwartz widerspricht nochmals den Bedenken von anderer Seite, dass MySQL-Lizenzen nach dem Kauf zu proprietären Lizenzen geändert werden könnten. Wer dies glaube, habe die Entwicklungen bei Sun in den letzten Jahren nicht verfolgt. "Ein Grund, weshalb die Integration von Sun und MySQL so reibungslos lief, sind die nahezu identischen Entwicklungs- und Geschäftsmodelle", schreibt er in seinem Blog. Er führt aus, dass beide Unternehmen in freie Software und große Communities investieren und das an dem Punkt in Geldwerte wandeln, an dem Unternehmen kommerziellen Support bräuchten. Er schließt mit einem Bild: "Wir sind Erbsen in einem Topf."

In dieser Hinsicht erhält Schwartz aktuell Unterstützung: Apache-Gründer Fielding gab Sun in seinem Blog vor wenigen Tagen den Rat, sich ein Beispiel an MySQL zu nehmen und seine Unternehmenspolitik an der des Datenbankanbieters zu orientieren. MySQL sei zwar ein Open-Source-Unternehmen, habe aber keine offene Entwicklung und gäbe dies auch nicht vor. Fielding selbst beendete kurz vorher die Zusammenarbeit mit Suns Open-Source-Projekt OpenSolaris, weil er dem Unternehmen zu starke Einflussnahme auf das Projekt vorwirft (Linux-Magazin Online berichtete).

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