Open Source im professionellen Einsatz

Sun macht erste Version von Open Solaris öffentlich

05.05.2008

Zwei Jahre nach der Grunsteinlegung für das freie Betriebssystems veröffentlicht Sun und die Open-Solaris-Community heute die offiziell erste Version des Open-Source-Betriebssystems Open Solaris.

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Auf der Hausmesse Community One im kalifornischen San Francisco stellen die Entwickler offiziell das Ergebnis vor, das in den vergangenen Monaten auch unter der Bezeichnung "Project Indiana" bekannt wurde. Aufgabe des Projekts unter der Leitung von Debian-Gründer Ian Murdock war es, das hauseigene Open-Source-Betriebssystem mit vergleichbaren Fähigkeiten auszustatten wie die Wettbewerber aus dem Linux-Lager. Das Ergebnis nennt sich Open Solaris Image Packaging System und soll die Installation und Integration von Drittsoftware wie beispielsweise Apache oder PHP in Solaris vereinfachen. Gleichfalls neu dabei ist das Dateisystem Zettabyte File System, abgekürzt ZFS, als Standard File-System. Mit ZFS können Daten mittels Prüfsummen automatisiert auf ungewollte Änderungen kontrolliert werden. Gleichfalls neu dabei ist ein Software-Tool namens Dynamic Tracing (Dtrace), mit dem die Entwickler vorbeugende Selbstreparaturprozesse versprechen. Die Optik bekommt Open Solaris vom Gnome 2.20 Desktop, mit dabei ist auch der Fenstermanager Compiz. Zusätzlich zur freien Variante bietet Sun das Betriebssystem mit der Versionsnummer 2008.5 auch im Paket mit verschiedenen Supportangeboten: Beispielsweise bietet der Hersteller eine Abrechnung pro Supportfall (Incident), der jeweils mit 49 US-Dollar, umgerechnet 32 Euro, berechnet werden soll. Die Betreuung für ein System pro Jahr soll 2.160 US-Dollar (1.400 Euro) kosten, Telefonsupport rund um die Uhr und Updates inklusive.

Gleichzeitig mit der Veröffentlichung von OpenSolaris verkündet Sun auf der Hausmesse auch die Partnerschaft mit dem Online-Handelshaus Amazon. Der Händler will das neue Solaris-Paket auf seiner Plattform "Electronic Computing Cloud", abgekürzt mit EC 2, anbieten. Derzeit ist die Dienstleistung noch in der Beta-Phase und nur auf Einladung lieferbar. Auch hiermit folgt Sun dem Beispiel eines Linux-Unternehmens: Der amerikanische Distributor Red Hat bietet seine Produkte seit Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Online-Händler als Software-Dienstleistung (Software as a Service SaaS) an (Linux-Magazin Online berichtete). Bei diesem Abrechnungsmodell kauft ein Kunde die Software als betreuten Dienst und bezahlt nur für die Dauer und die Leistung, die er in Anspruch nimmt; eine eigene Hardware muss hierfür nicht angeschafft werden.

Sun gründete das Projekt Opensolaris.org im Jahr 2005 mit dem Ziel, eine Open-Source-Entwicklergemeinde für das hauseigene Betriebssystem Solaris ins Leben zu rufen. Allerdings stoßen die Open-Source-Bemühungen von Sun in der Community immer wieder auf Misstrauen: Der Linux-Gründer Linus Torvalds bezweifelte mehrfach öffentlich die Ernsthaftigkeit des Unternehmens in Bezug auf Quelloffenheit. Vor kurzem warf der Apache-Mitgründer Roy Fielding seinen Job im Aufsichtsrat der Open Solaris Community hin und dem Unternehmen Etikettenschwindel mit Open Source vorgeworfen.

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